Afrika

5.12.2005 | Von:
Pierrette Herzberger-Fofana

Die afrikanische Familie

Ursachen für den gesellschaftlichen Wandel

Familien mit Kindern tragen eine große Verantwortung.Familien mit Kindern tragen eine große Verantwortung. (© Helen Pinkham, SXC.hu)
Die Vernetzung der Welt und vor allem die Medien bewirkten die Idealisierung des westlichen Lebensstils, der nun auch von einem Teil der afrikanischen Gesellschaft angestrebt wurde. Modernität ist an sich ebenso wenig wie die Tradition zu verurteilen. Jedem dieser Konzepte entspricht eine familiäre Lebensform mit ihren Vor- und Nachteilen.

Denn die traditionelle afrikanische Familie birgt durchaus negative Seiten in sich. Sie bürdet dem Einzelnen unzählige Verpflichtungen auf, die ihn auch überfordern können. Kranke müssen unterstützt, Trauernden muss geholfen werden und im Prinzip gebietet es die Höflichkeit, jeden zu empfangen, der an die Tür klopft. Wird ein Kind vom Land auf die Schule geschickt, so wohnt es bei den Verwandten. Die Familie übt zudem einen großen Druck auf ihre Mitglieder aus. Dies führt dazu, dass jüngere Paare immer mehr Lust verspüren, diesen Zwängen zu entfliehen. Die modernen städtischen Familien kapseln sich nach Möglichkeit ab und treffen eine sorgfältige Auswahl unter ihren fernen und angeheirateten Verwandten, mit denen sie engere Beziehungen unterhalten wollen.

Die jüngeren Generationen schaffen sich ein neues Netzwerk an Freunden, Nachbarn und Kollegen, die an die Stelle der ursprünglichen Familie treten. Sie sind im Gegensatz zu den Verwandten weniger fordernd und bieten in Notfällen sicheren Halt. Die Familie passt sich somit dem heutigen sozio-ökonomischen Kontext an. Eine moderne Familie im urbanen Afrika hat mit den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie eine städtische Familie in Europa. Berufstätige Frauen finden wenig Zeit, ihre Kinder zu erziehen und sich um ihre Verwandten zu kümmern. Die familiären Bindungen lockern sich und die moralischen Werte werden nicht mehr von Generation zu Generation weiter vermittelt. Kinder aus diesen Familien werden im schlimmsten Falle unfähig, zu einem späteren Zeitpunkt ihren eigenen Pflichten nachzukommen und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Auch die heutigen Bildungseinrichtungen können die erzieherische Funktion nicht uneingeschränkt ausfüllen, da sie sich vorrangig auf die Wissensvermittlung konzentrieren und die Wertevermittlung häufig zu kurz kommt.


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