Afrika

5.12.2005 | Von:
Pierrette Herzberger-Fofana

Die afrikanische Familie

Weibliche Solidarität

Zu den neuen Netzwerken gehören Zusammenschlüsse von Frauen, die verstanden haben, dass niemand ihre Situation besser versteht als sie selbst. Sie organisieren sich und entwickeln Modelle sozialer und politischer Macht, um gegen existierende Ungleichbehandlung vorzugehen. Sie arbeiten in Landprojekten auf der Grundlage der Selbstversorgung mit der Möglichkeit des Zugangs zu Landbesitz, zu Krediten und zu technischen Geräten. In den meisten frankophonen Ländern haben sie das Prinzip der "tontines" geschaffen, welches wie folgt funktioniert: Eine Gruppe von Frauen schließt sich zusammen, die jeden Monat eine vereinbarte Summe in einen gemeinsamen Topf zahlen.

Im Rotationssystem erhält eine der Frauen am Ende des jeweiligen Monats den gesammelten Betrag. In Notfällen, wie dem anstehenden Kauf von Düngemitteln oder bei wichtigen Ereignissen wie einer Taufe oder Trauerfeier, wird das Geld derjenigen gewährt, die es am dringendsten braucht. Das System hat sich bewährt und ersetzt zum Teil den fehlenden Zugang zu Krediten. Selbstständige und erfolgreiche Projekte von Frauen für Frauen sind inzwischen in mehrfacher Hinsicht Realität geworden. Sie haben ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Frauen ihre Zukunft in die Hand nehmen und Strukturen verändern können. Beispiele wie das des "Green-Belt-Movements" in Kenia mit der Friedensnobelpreisträgerin Prof. Wangari Maathai an der Spitze beweisen, dass es Frauen gelingen kann, solidarische Entwicklungsmodelle zu schaffen, die bei den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Frauen ansetzen.

Fazit: Ein Symbol der Menschlichkeit

Die afrikanische Familie hat tiefe Veränderungen erlebt. Sie ist vielerorts von der Groß- zur Kleinfamilie übergegangen. Dennoch ist die den bisherigen Gemeinschaftsstrukturen zugeschriebene Solidarität notwendiger denn je in der Gesellschaft. Sie stammt aus einer langen afrikanischen Tradition, gilt schließlich als Bestandteil der afrikanischen Kultur und trägt als solche zur Wahrung von Identität und Authentizität bei.

Afrika steht vor der Herausforderung, in einer globalisierten Welt seine traditionellen Werte zu wahren und mit einer modernen Entwicklung in Einklang zu bringen. Das betrifft auch das Solidarsystem Familie. Denn die 'afrikanische Familie' ist Trägerin von Signalen und Symbolen und verewigt den Menschen in seiner Menschlichkeit.


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