Afrika

20.5.2005 | Von:

Sprachen und Kulturen

Ausbreitung des Arabischen

Das (Nord-)Arabische der Arabischen Halbinsel wurde als die Sprache des Korans (siebtes Jahrhundert) die Kultursprache der Islamischen Welt. Sie verdrängte in Syrien und in Palästina das Griechische und Aramäische, in Ägypten, das 640 bis 642 erobert wurde, das Griechische und Koptische sowie in Nordwestafrika das Punische, das Lateinische und – teilweise – das Berberische.

Die arabischen Muslime fanden im heutigen Maghreb, dessen Besetzung wegen des hinhaltenden Widerstands der einheimischen Berberstämme fast 50 Jahre in Anspruch nahm, eine sehr komplexe linguistische Situation vor. Auf dem Lande wurden Punisch und Berberisch gesprochen, in den Städten Griechisch und Latein. Letzteres wurde erst nach einigen Jahrzehnten in der Verwaltung durch das Arabische ersetzt. Sprachlich arabisiert wurden in der Frühzeit der Ausbreitung des Islam nur die Städte, in denen die aus Arabern bestehenden Truppen stationiert waren: Tunis, Kairouan, Constantine, Tlemcen, Fès und Tanger. Die Berberstämme der Ebenen und Gebirge nahmen zwar im Laufe der Zeit den Islam an, doch hielten sie weiterhin am Berberischen fest.

Erst ab dem zehnten Jahrhundert erfolgte die sprachliche Arabisierung der Steppen und Hochebenen Nordafrikas, die bis dahin berberischsprachig geblieben waren. Ausgelöst wurde dies durch eine Westbewegung der aus der Arabischen Halbinsel nach Oberägypten eingewanderten Beduinenstämme. Unter dem Einfluss dieser Wanderungen erfolgte neben einer Nomadisierung auch eine sprachliche Arabisierung der ansässigen Berberstämme, sofern diese nicht in Rückzugsgebieten lebten, in denen sich das Berberische dann bis heute in Algerien und Marokko hielt.

Das Arabische übte auch in weiten Teilen des übrigen Afrika einen sprachlichen Einfluss aus, indem es aus den Maghrebländern seit dem neunten Jahrhundert in die Sahelzone bzw. von Ägypten ab dem 16. Jahrhundert über den Sudan nach Zentral- und Ostafrika (wobei der Sklavenhandel zur Verbreitung des Arabischen beitrug), dann nach Somalia vordrang.

Nicht vergessen werden darf, dass Tunesien und Algerien wie Libyen und Ägypten ab dem 16. Jahrhundert der Oberhoheit des Osmanischen Reiches unterstanden. In Tunesien und in den algerischen Küstenstädten war Türkisch bis Ende des 19. Jahrhunderts offiziell die Sprache der Verwaltung, weshalb im tunesischen und algerischen Arabisch noch heute zahlreiche türkische Lehnwörter zu finden sind.

Schließlich ist zu nennen die im 19. Jahrhundert einsetzende Immigration von Italienern nach Tunesien und Algerien und von Franzosen nach Tunesien, Algerien und Marokko. Nachdem Frankreich (nach 1831) Algerien besetzt hatte und nachdem es die Protektorate über Tunesien (1881) und über Teile Marokkos (1912) übernommen hatte, setzte sich das Französische als Bildungssprache durch.


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