Afrika

16.8.2006 | Von:
Sarah Tietze

Die Aids-Pandemie in Sub-Sahara-Afrika

Ausblick

Richard Feachem, Executive Director des Global Fund to Fight AIDS, Malaria and Tuberculosis, bemerkte 2003 zur Zukunft von AIDS: "Horrifyingly, the worst is still to come."[45] Für Afrika ist es eine Schicksalsfrage, wie die Pandemie sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird. UNAIDS erarbeitete dazu drei Szenarien, die bis 2025 reichen. Je nach Szenario werden dann zwischen 18,1 und 27,3 Millionen Kinder durch AIDS verwaist sein.[46] Die Zahl der Menschen, die bis 2025 an der Seuche sterben werden, wird zwischen 66 Millionen im schlimmsten und 53 Millionen im "günstigsten" Fall geschätzt.[47] Das negativste der drei Szenarien beruht auf der Annahme, dass der Kampf gegen AIDS in Afrika so weitergehen wird wie bisher, projiziert also die aktuelle Situation in die Zukunft.

Dieses Schreckensszenario zu verhindern, ist eine der größten Herausforderungen für die internationale Staatengemeinschaft in diesem Jahrhundert. Priorität sollte dabei die Versorgung der Infizierten mit ARVs haben, da so behandelte Patienten eine viel geringere Anzahl von Viren im Blut aufweisen und daher deutlich weniger ansteckend sind. Die Behandlung mit ARVs ist somit auch ein Beitrag zur Prävention. Damit würden außerdem die Todesraten gesenkt, und die Betroffenen könnten länger und produktiver leben. Der Teufelskreis aus Ursache und Wirkung kann auf diese Weise unterbrochen werden.

Die afrikanische Bevölkerung ist im Kampf gegen AIDS nicht passive Adressatin von Hilfeleistungen und Aufklärungskampagnen, sondern wichtigste Akteurin. Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, sich selbst vor der tödlichen Krankheit zu schützen. Dafür benötigen sie auf der technischen Ebene Wissen über die Krankheit, Zugang zu Kondomen, sauberen Spritzen, ARVs und erschwingliche AIDS-Tests. Auf der sozialen, ökonomischen und politischen Ebene müssen weitreichende Interventionen die grundlegenden Ursachen für die Ausbreitung von AIDS bekämpfen. Die Pandemie lebt von Armut, Ungleichheit der Geschlechter, Migration, Krieg und Staatszerfall. Nur durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen erhalten die Menschen die Möglichkeit, den sozialen, ökonomischen und politischen Determinanten von AIDS selbstbestimmtes Handeln entgegenzusetzen.

Fußnoten

45.
Richard Feachem, AIDS hasn´t peaked yet - and that´s not the worst of it, in: Washington Post vom 12.1. 2003.
46.
Vgl. UNAIDS, AIDS in Africa. Three Scenarios to 2025, Genf 2005, S. 190.
47.
Vgl. ebd., S. 193.

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