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Afrika

5.12.2005 | Von:
Susanna Wolf

Afrika und Europa

Politische und finanzielle Beziehungen zwischen Afrika und Europa

Die einst größten Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich haben auch heute noch ein besonderes Verhältnis zu Afrika. Mehr als 1,5 Mio. Afrikanerinnen und Afrikaner aus den ehemaligen Kolonien und hauptsächlich aus Algerien, Marokko und Tunesien leben in Frankreich (in Deutschland sind es nur 300.000) und etwa 192.000 Franzosen leben in afrikanischen Ländern. Der afrikanische Kontinent ist für Frankreich weiterhin ein wichtiger Lieferant von Rohstoffen. Außerdem spielen insbesondere die französischsprachigen Länder eine zunehmend bedeutende Rolle als Verbündete Frankreichs in internationalen Gremien wie in denen der Vereinten Nationen. Das wurde etwa im März 2003 bei der Ablehnung eines Militärschlags gegen den Irak durch die UN deutlich, als sich Frankreich für seine Position die Unterstützung von mehr als 50 Staaten und somit von mehr als einem Viertel der Mitgliedsländer der Vereinten Nationen sichern konnte. Zudem waren zu diesem Zeitpunkt mit Kamerun, Angola und Guinea drei dieser Länder nichtständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Guinea führte im entscheidenden Monat den Vorsitz.

Die besondere Bedeutung Afrikas für Frankreich spiegelt sich in der Außenpolitik des Landes wider. 62 Prozent der französischen Entwicklungshilfe fließen nach Afrika. Darüber hinaus engagierte sich Frankreich auch immer wieder politisch und militärisch auf dem Kontinent, etwa in Algerien, Kongo, Ruanda oder seit 2001 vor allem in der Republik Cote d'Ivoire.

Großbritannien verfolgt ebenso bis in die heutige Zeit eigene Interessen auf dem afrikanischen Kontinent. Britische Firmen sind unter anderem stark im Rohölsektor in Nord- und Westafrika sowie im Abbau von Gold und Diamanten im südlichen Afrika involviert. Auch auf der politischen Ebene übt Großbritannien noch immer einen großen Einfluss auf die englischsprachigen Länder Afrikas aus. 16 afrikanische Staaten sind Mitglieder des "Commonwealth of Nations", einem losem Zusammenschluss von Staaten, der aus dem "British Empire" hervorging. Die Bedeutung Afrikas für Großbritannien wird unterstrichen durch die von Tony Blair im Jahr 2004 ins Leben gerufenen Kommission für Afrika, die Priorität Afrikas während seiner EU-Präsidentschaft und auf dem G8-Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles.

Die allgegenwärtige Präsenz Europas in Afrika ist auch noch 50 Jahre nach der Kolonialzeit zu erkennen. Die EU finanziert gemeinsam mit ihren Mitgliedsländern mehr als 50 Prozent der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Wenn man berücksichtigt, dass Musterländer wie Uganda etwa die Hälfte ihres Staatshaushaltes mit Finanzhilfen aus der Entwicklungszusammenarbeit bestreiten, werden bestehende Abhängigkeiten schnell deutlich. Im Oktober 2005 hat die EU beschlossen, ihre Hilfe für Afrika in den nächsten fünf Jahren um 50 Prozent auf 30 Mrd. US-Dollar zu erhöhen. Diese Mittel dienen einerseits der Armutsbekämpfung im Hinblick auf die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, aber auch der Bewältigung der Anpassungskosten, die durch die geplanten Freihandelszonen entstehen werden.

Inzwischen übersteigen allerdings in etlichen afrikanischen Ländern, wie zum Beispiel in Burkina Faso und Lesotho, die Geldüberweisungen der im Ausland lebenden Afrikaner die finanziellen Zuschüsse der Industrieländer. Das Geld dient nicht nur der Finanzierung von Nahrungsmitteln und dem Schulbesuch von Verwandten aus der Heimat, sondern wird zunehmend in kleine Unternehmen investiert und trägt somit zu verbesserten Zukunftschancen bei.

Wenn die Süd-Nord Migration auch die Entwicklung des afrikanischen Kontinents voran bringt, für Europa stellt sie eine Herausforderung dar. Europa hat daher zum einen ein eigenes Interesse an einer Verbesserung der Lebensbedingungen in Entwicklungsländern, da sich dann weniger Menschen veranlasst sehen würden, ihre Heimat zu verlassen. Dennoch wird es immer Migrationsströme geben, von denen typische Einwanderungsregionen wie Europa und die USA im Übrigen ebenso wirtschaftlich profitieren und auf die sie im Hinblick auf die Geburtenrückgänge auch in Zukunft angewiesen sind. Eine auf europäischer Ebene gesteuerte Zuwanderungspolitik gekoppelt mit nationalen Integrationsstrategien erweisen sich folglich als dringend notwendig, um die illegale Migration mit ihren Negativeffekten einerseits und das Abdrängen von Einwanderern an den Rand der Gesellschaft andererseits zu vermeiden und die Migration für beide Kontinente gewinnbringend zu gestalten.


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