Afrika

15.1.2007 | Von:

"Gleichzeitig in Afrika..."

Chimurenga, Kapstadt (Südafrika)

ChimurengaNo3.jpgGalerie: Chimurenga, Kapstadt (Südafrika)


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Chimurenga, ist ein Begriff aus Zimbabwe für "Der Kampf geht weiter". So heißt auch die Zeitschrift zu Kunst, Musik, Literatur, Film und Politik, die Autor und DJ Ntone Edjabe seit 2002 in Kapstadt herausgibt. Neben den mittlerweile 6 Printausgaben sind 9 Ausgaben von Chimurenga online (the sibling) im Internet publiziert worden: mit Bildern, Essays, Kritiken, Interviews, Lyrik, Ausschnitten aus Neuerscheinungen, Nachrufen (z.B. auf Eduard Said im Nov. 2003) usw.

2003 veröffentlichte der senegalesische Kunstkritiker Iba Ndiaye Diadji seinen provokativen Artikel: "Are Africans interested in their Art ?" ("Interessieren sich Afrikaner für ihre Kunst?"), auf den der Kameruner Künstler Goddy Leye die Replik schrieb: "La solution se trouve-t-elle dans un repli dit identitaire?" ("Findet sich die Lösung etwa in einer "identitär" genannten Wendung?")

Jedes Heft gibt sich mit seinem Titel ein Thema wie "Music is the weapon", in der ersten Nummer, "Black Gays & Mugabes" in der vierten und "The Orphans of Fanon" in der letzten. Diese Themen werden meist von einer schwarzen Perspektive aus betrachtet; in der Zeitschrift schreiben aber auch weiße Autoren.

In den Artikeln werden Fragen zu afrikanischer Kultur und Politik, die in Afrika eher tabuisiert sind, wie Homosexualität oder die Rolle des organisierten Verbrechens, auf für afrikanische Verhältnisse ziemlich provokante Art behandelt. Das rohe Grafikdesign in schwarz und rot, das von RedhotMoondog aus Johannesburg gestaltet wird, gibt der Zeitschrift die Direktheit eines Punk-Fanzines. Chimurenga reiht sich in die Tradition legendärer Zeitschriften wie "Transition" (Uganda), "Black Orpheus" (Nigeria), "Présence Africaine" und besonders "Staffrider" (der Plattform für schwarze Südafrikanische Künstler und Autoren) ein.

Chimurenga greift die panafrikanischen Ambitionen eines Fela Kutis auf, dessen Kalakuta Republic dem von Edjabe gegründeten Kalakuta Trust, ihren Namen gab. Kalakuta produziert Chimurenga und betreibt ein Bücher- und Vide-ocafe, mit Leseräumen und einer Videothek, die in Zusamm-enarbeit mit der Film Resource Unit aus Johannesburg eingerichtet wurde und über das breiteste Angebot an Filmen aus Afrika und der Diaspora in Kapstadt verfügt. Er ist für die der Zeitschrift verbundenen Künstler und Intellektuellen Treffpunkt und Plattform, mit Ausstellungen, Buchpräsentationen und Lesungen – "Thembi Mtshali´s Soul Kitchen is open daily from 9am-6pm!" - ähnlich seinem Vorbild, Felas´ Commune im Lagos der 70er Jahre. Als Wahlspruch kann sein Ausspruch gelten: "Who No Know Go Know", der so viel bedeutet wie: Wenn man etwas nicht weiß, sollte man es herausfinden (und sich zu diesem Zweck sofort in Bewegung setzen).

  • www.chimurenga.co.za

    Artthrob, Kapstadt (Südafrika)

  • PDF-Icon Interview mit Sue Williamson (PDF-Version: 48 KB)

    Artthrob ist eine Online-Zeitschrift zur südafrikanischen Kunstszene, die 1997 von der Künstlerin und Autorin Sue Williamson gegründet wurde. Williamson hatte zwei für die Szene wichtige Bücher veröffentlicht: 1989 war "Resistance Art in South Africa" und 1996 zusammen mit Ashraf Jamal "Art in South Africa, the Future, the Present" erschienen, als ihr ein Internetprovider vorschlug, eine Kunstplattform für das neue Medium zu entwickeln. Zu dieser Zeit hatte sie selbst noch nicht einmal eine E-Mail Adresse und das ganze war ein Pionier Projekt. Anfangs kamen alle Beiträge von ihr selbst, erst nach einiger Zeit forderte sie auch andere Künstler und Kritiker auf für Artthrob zu schreiben, allerdings ohne dafür Honorare zu erhalten.

    Die Internetplattform bot aber immerhin die neue Möglichkeit etwas ohne große Druck- und Vertriebskosten veröffentlichen. Artthrob fing ganz klein an, mit 86 Zugriffen in ersten Monat und wurde im Laufe der Jahre immer umfangreicher; heute werden monatlich über 100.000 "Clicks" gezählt, eine Hälfte davon aus Südafrika und die andere vom Rest der Welt.
    Die Website bietet aktuelle Informationen über Ausstellungen in den verschiedenen südafrikanischen Städten, Stipendien und andre Möglichkeiten für Künstler, neu besetzte Positionen in den Museen usw.

    Artthrob übernimmt auch eine wichtige Rolle bei der Bekanntmachung und Förderung der südafrikanischen Kunstszene im Ausland. Künstler, Kuratoren und Interessierte können sich in den Rubriken "LISTINGS", "NEWS" und "REVIEWS" über Ausstellungen und Ereignisse in Südafrika informieren. Unter "ARTBIO" finden sich in über 70 Einträgen ausführliche Informationen über einzelne Künstler mit Statements und Ausstellungslisten.

    Das Archiv enthält umfangreiche Kritiken und Artikel zu verschiedenen Themen und bildet eine wichtige, sofort erreichbare Quelle für kunsthistorische Recherche. In gedruckter Form würde es bereits ganze Bücherregale füllen und selbst digital wird der Speicherplatz auf dem Server knapp; deshalb wird nun ein CD-ROM-Archiv mit den ersten 5 Jahren Artthrob produziert.

    Anfangs wurde Artthrob Vom National Arts Council mit kleinen Beträgen gefördert. Mittlerweile muss die Zeitschrift die bescheidenen Honorare seiner heute insgesamt 8 Mitarbeiter ausschließlich über den Verkauf der "EDITIONS FOR ARTTHROB" erwirtschaften, die in Zusammenarbeit mit der Goodman Gallery produziert werden.

  • www.artthrob.co.za/


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