Artikel im

Was besagt die Monroe-Doktrin? | Hintergrund aktuell | bpb.de

Was besagt die Monroe-Doktrin?

Redaktion

/ 8 Minuten zu lesen

Präsident Trump hat die US-Außenpolitik neu ausgerichtet. Er beruft sich dabei auf eine Leitlinie, die die Vormachtstellung der USA vor allem in Lateinamerika begründete: die Monroe-Doktrin von 1823.

Die Monroe-Doktrin erklärte die westliche Halbkugel zur Einflusszone der USA. Im Bild zu sehen ist ein britischer Atlas von 1902, der die westliche und östliche Hemisphäre gegenüberstellt. (© picture-alliance, Heritage-Images | The Print Collector / Heritage-Images)

Militärische Einsätze im Pazifik und in Venezuela, Drohungen gegenüber Kuba und Kolumbien und Gebietsansprüche auf Grönland und Kanada aus Gründen der nationalen Sicherheit: US-Präsident Donald Trump hat die Außenpolitik der Vereinigten Staaten seit Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 spürbar neu ausgerichtet.

Vor der jüngsten Eskalation im Externer Link: Konflikt mit dem Iran legte Trump einen neuen Fokus auf die US-Vormachtstellung in Nord-, Mittel- und Südamerika und die westliche Erdhalbkugel (Hemisphäre) insgesamt. Dabei berief er sich mehrfach auf eine historische Leitlinie der US-Außenpolitik, die auf das 19. Jahrhundert zurückgeht: die Monroe-Doktrin.

Kämpfe um Unabhängigkeit in Lateinamerika

Um die Monroe-Doktrin zu verstehen, ist es hilfreich, auf die Lage der Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 1823 zu blicken: Die noch junge Republik hatte sich erst wenige Jahrzehnte zuvor die Interner Link: Unabhängigkeit vom Königreich Großbritannien erkämpft. Die sie umliegenden Territorien gehörten aber weiterhin den großen Kolonialstaaten wie Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal sowie Russland.

Das änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als immer mehr Staaten in Interner Link: Lateinamerika (Mittel- und Südamerika, Karibik) versuchten, die Unabhängigkeit zu erlangen. Dies stieß auf erbitterten Widerstand der Kolonialmächte, die ihre Kolonien und Einflusssphären nicht aufgeben wollten.

Die Vereinigten Staaten unterstützten dagegen die Unabhängigkeitsbestrebungen und hatten kein Interesse an einem Wiedererstarken der europäischen Mächte auf den beiden amerikanischen Kontinenten. Zugleich versuchten sie, ihre eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen mit den Kolonialmächten einvernehmlich zu regeln.

Darauf wies auch US-Präsident James Monroe (1817-1825) hin, als er sich am 2. Dezember 1823 in Washington D.C. mit seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation an den Kongress wandte.

Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung

James Monroe, gemalt von Gilbert Stuart (1755–1828), Öl auf Holz um 1817. (© picture alliance / Liszt Collection | Liszt Collection)

In seiner Rede formulierte Monroe eine außenpolitische Leitlinie (Doktrin), die zwar unter seinem Namen bekannt wurde, im Wesentlichen aber von seinem Außenminister und Nachfolger im Präsidentenamt, John Quincy Adams (1825-1829), geprägt wurde.

Die Monroe-Doktrin erklärte die „westliche Hemisphäre“ zur Interessen-, Sicherheits- und Einflusssphäre der USA. Weitere koloniale Bestrebungen europäischer Mächte sollten unterbleiben, Eingriffe in die Angelegenheiten der neu entstanden Staaten in Mittel- und Südamerika würden als Bedrohung der Sicherheit der USA gewertet.

Zugleich erklärte Monroe, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Europas einzumischen. Das Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung bezog sich ausdrücklich auch auf bestehende europäische Kolonien auf den amerikanischen Kontinenten. Diese wurden nicht infrage gestellt.

Zitat

Wir sind es daher der Aufrichtigkeit und den freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und diesen Mächten schuldig, zu erklären, dass wir jeden Versuch ihrerseits, ihr System auf irgendeinen Teil dieser Hemisphäre auszudehnen, als gefährlich für unseren Frieden und unsere Sicherheit betrachten würden. In die bestehenden Kolonien oder Besitzungen einer europäischen Macht haben wir uns nicht eingemischt und werden uns auch nicht einmischen.

James Monroe Rede an den US-Kongress, 2. Dezember 1823

In der Praxis blieb die Doktrin in den ersten Jahrzehnten weitgehend wirkungslos, nicht zuletzt angesichts der mangelnden militärischen Schlagkraft der USA. So griffen die USA beispielsweise nicht ein, als das Vereinigte Königreich 1833 im Konflikt mit Argentinien die Kontrolle über die Falkland-Inseln übernahm.

Zugleich begannen die USA in Nordamerika ihrerseits die eigenen Interessen durchzusetzen und gen Westen zu expandieren. Bei der Annexion von Texas (1845) als auch beim Krieg gegen Mexiko (1846-48) verbaten sich die Vereinigten Staaten jegliche Einmischung von außen.

Die „Roosevelt Corollary“ der Monroe-Doktrin

Größere außenpolitische Bedeutung erlangte die Monroe-Doktrin zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter Präsident Theodore Roosevelt (1901-1909). Dabei wandelte sich auch ihre Bedeutung: War sie bis dahin auf ein Nichteinmischen der europäischen Staaten ausgerichtet, nahmen die USA nun selbst für sich das Recht in Anspruch, auf beiden amerikanischen Kontinenten einzugreifen, wenn die Entwicklungen dort nach ihrem Dafürhalten eine Gefahr für die dortige oder die eigene Sicherheit zu werden drohten.

In der von Theodore Roosevelt vorgenommen Erweiterung der Monroe-Doktrin („Roosevelt Corollary“) von 1904, heißt es dazu:

Zitat

Chronisches Fehlverhalten (...) kann in Amerika, wie auch anderswo, letztendlich ein Eingreifen einer zivilisierten Nation erforderlich machen, und in der westlichen Hemisphäre kann die Einhaltung der Monroe-Doktrin durch die Vereinigten Staaten diese in eklatanten Fällen solchen Fehlverhaltens oder solcher Ohnmacht, wenn auch widerwillig, zur Ausübung einer internationalen Polizeigewalt zwingen.

Theodore Roosevelt Rede vor dem US-Kongress, 6. Dezember 1904

Dem vorausgegangen war die US-amerikanische Unterstützung der Abspaltung Panamas von Kolumbien, mit der sich die USA die Kontrolle über den Interner Link: Bau des Panamakanals sicherte, sowie die Krise in Venezuela 1902/03: Hintergrund war vor allem die Interner Link: immense Verschuldung Venezuelas, das europäische Kredite unter anderem für den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur aufgenommen hatte.

Als die Rückzahlungen über mehrere Jahre ausblieben, verhängten Deutschland, Großbritannien und Italien eine Seeblockade gegen das südamerikanische Land. Roosevelt drohte, die USA würden notfalls militärisch in den Konflikt eingreifen, sollten die Parteien zu keiner Einigung kommen. Den Deutschen machte er klar, dass er eine befürchtete dauerhafte militärische Präsenz in der Region keinesfalls dulden würde. Am 13. Februar 1903 kam unter US-Vermittlung eine gütliche Einigung zustande.

In den Folgejahren diente die „Roosevelt Corollary“ den USA als Legitimation zahlreicher „Bananenkriege“ in Mittel- und Südamerika zur Durchsetzung von Handelsinteressen US-amerikanischer Firmen (insbesondere der United Fruit Company, heute: Chiquita). Bis in die 1930er-Jahre intervenierten die USA zum Teil mehrfach in Kuba, der Dominikanischen Republik, Haiti, Nicaragua, Mexiko und Honduras.

Die USA im Ersten und Zweiten Weltkrieg

Bei Ausbruch des Interner Link: Ersten Weltkriegs erklärten die Vereinigten Staaten sich zunächst als neutral. Auch wenn die USA den sogenannten Entente-Mächten (u.a. Großbritannien, Frankreich, Russland) Wirtschaftshilfe leisteten und Waffen lieferten, betrachteten sie den Krieg in den ersten Jahren als europäische Angelegenheit, in die sie sich gemäß der Monroe-Doktrin nicht aktiv einmischen wollten.

Der Überfall des Deutschen Kaiserreichs auf Belgien, der uneingeschränkte U-Bootkrieg, welchem auch amerikanische Handelsschiffe zum Opfer fielen, und deutsche Bemühungen um ein Bündnis mit Mexiko führten schließlich doch zu einem Interner Link: Kriegseintritt der USA im April 1917.

Auch im Interner Link: Zweiten Weltkrieg folgten die USA zunächst der Neutralitäts-Maxime der Monroe-Doktrin. Erst Interner Link: der japanische Überfall auf Pearl Harbour im Dezember 1941 machte einen Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg unausweichlich – nach den Kriegserklärungen der Achsenmächte Deutschland und Italien schließlich auch in Europa.

Von der Monroe- zur Truman-Doktrin

Nach dem Zweiten Weltkrieg formulierte US-Präsident Harry S. Truman (1945-1953) die künftige außenpolitische Leitlinie der USA im Interner Link: Kalten Krieg: die Interner Link: Truman-Doktrin von 1947.

Darin skizzierte er die Zweiteilung der Welt in ein westlich-demokratisches und ein östlich-kommunistisches System und erklärte seine Unterstützung für all jene Staaten, „die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. Diese Neuausrichtung der US-Außenpolitik richtete sich gegen jedwede Bestrebung der Sowjetunion, ihre Einflusssphäre zu erweitern.

Zitat

Ich glaube, dass es die Politik der Vereinigten Staaten sein muss, freie Völker zu unterstützen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen. Ich glaube, dass wir freien Völkern dabei helfen müssen, ihr eigenes Schicksal auf ihre eigene Weise zu gestalten.

Harry S. Truman Rede vor dem US-Kongress, 12. März 1947

Die mit der Truman-Doktrin eingeleitete und später unter Präsident Dwight D. Eisenhower (1953-1961) forcierte Politik der Eindämmung („Containment“) des kommunistischen Einflusses blieb dabei nicht auf die westliche Hemisphäre beschränkt. Stattdessen verfolgten die Vereinigten Staaten nun eine globale Interventionspolitik, die die USA unter anderem in den Koreakrieg eingreifen ließ und im Vietnamkrieg gipfelte.

Auch unter der Truman-Doktrin betrieben die USA weiterhin einer strikte Hegemonialpolitik gegenüber den Staaten in Lateinamerika. Beispiele dafür sind die Beteiligung an der gescheiterten Invasion in der kubanischen Schweinebucht 1961, die Unterstützung des Militärputsches von Augusto Pinochet in Chile 1973 und die Invasion in Panama 1989.

Ende des Kalten Kriegs und Beginn des „War on Terror“

Nach dem Ende des Kalten Kriegs verblieben die USA als einzige Weltmacht, die diesen Anspruch global durchsetzen konnte. Die US-Außenpolitik verlagerte sich in der Folge zunächst auf Friedenseinsätze und humanitäre Interventionen wie in Interner Link: Somalia (1992/1993), Interner Link: Bosnien (1994) und im Interner Link: Kosovo (1999).

Nach den Anschlägen in den USA vom 9. September 2001 wechselte der Fokus auf den internationalen „Krieg gegen den Terror“ mit den Kriegen in Interner Link: Afghanistan (2001-2021), Interner Link: Irak (2003-2011) und gegen die Interner Link: Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (seit 2014).

In den letzten Jahren richteten die USA ihre Anstrengungen wieder stärker auf die Absicherung ihrer Verbündeten innerhalb und außerhalb der NATO sowie die Abschreckung Russlands und Chinas in Europa und im Pazifik – vor allem durch die Interner Link: Unterstützung der Ukraine im russischen Angriffskrieg und durch Interner Link: Sicherheitsgarantien für Taiwan.

Schiffe der US-Marine kreuzen im November 2025 im Karibischen Meer: Das US-Militär greift dort seit Herbst 2025 immer wieder Boote an, die es des Drogenschmuggels verdächtigt. (© picture-alliance, Newscom | PO3 TAJH PAYNE)

Die „Trump Corollary“ der Monroe-Doktrin

In jüngster Zeit hat US-Präsident Trump sich immer wieder ausdrücklich auf die Monroe-Doktrin berufen und diese in der im November 2025 vorgelegten Externer Link: neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA um seine eigene Folgerung („Trump Corollary“) erweitert.

Die Wiederherstellung der US-Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wird darin zum Hauptziel und zur Bedingung der nationalen Sicherheit und des Wohlstands der Vereinigten Staaten erklärt. Der Einfluss äußerer Mächte in der Region soll zurückgedrängt und deren Einmischung unterbunden werden. Gleichzeitig verzichten die USA dabei nicht auf ihren Anspruch, auch in anderen Weltregionen politisch und militärisch aktiv zu werden.

Zitat

Nach Jahren der Vernachlässigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder bekräftigen und durchsetzen, um die Vorrangstellung Amerikas in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen und unser Heimatland sowie unseren Zugang zu strategisch wichtigen Gebieten in der gesamten Region zu schützen.

Nationale Sicherheitststrategie der USA November 2025, S. 15

Was die neue Strategie in der Praxis bedeuten kann, zeigen die militärischen Interventionen der Trump-Regierung insbesondere in Lateinamerika. So greift das US-Militär seit Herbst 2025 regelmäßige Boote in der Karibik und im Ostpazifik an, die sie des Drogenschmuggels verdächtigt. Im Januar 2026 Interner Link: intervenierten die USA militärisch in Venezuela und nahmen den Präsidenten Nicolás Maduro gefangen.

Ob die Rückbesinnung auf die Monroe-Doktrin und die westliche Hemisphäre zu einem Rückzug der USA aus anderen Weltregionen führen wird, bleibt abzuwarten. Mit dem Ende Februar 2026 gemeinsam mit Israel begonnenen Krieg gegen den Iran setzt die Trump-Administration die Jahrzehnte andauernde Folge militärischer Einsätze der USA im Nahen und Mittleren Osten fort.

Mehr zum Thema

Weitere Inhalte