Kugel mit Porträtfotos vor einer Platine (Symbolbild)

11.11.2020 | Von:
Team "Forschen mit GrafStat"

M 05.01 Digitalität und Gesundheit

Das Material benennt heute schon spürbare positive wie negative Folgen des digitalen Konsums auf unsere Gesundheit.

Es steht außer Frage, dass die Digitalisierung nicht nur eine Veränderung unserer alltäglichen Umwelt bewirkt, sondern auch uns selbst maßgeblich beeinflusst. Da sich Digitalisierung jedoch prozesshaft vollzieht und dieser Prozess längst nicht abgeschlossen ist, ist es allerdings gar nicht so leicht, dessen Langzeitfolgen auf Körper und Psyche abzuschätzen. Trotzdem lassen sich bereits einige positive als auch negative Folgen des digitalen Konsums auf unsere Gesundheit benennen, deren Auswirkungen wir heute schon spüren können.

Fit wie ein Turnschuh – aber viel selbstbestimmter!

Heute muss sich niemand mehr auf eine einmal gestellte Diagnose verlassen. Denn durch unseren ständig verfügbaren Zugriff auf das Internet können wir selbst unsere Symptome recherchieren, uns über die Bewertungen von Ärztinnen und Ärzten oder Kliniken in unserer Nähe informieren oder medizinische Fachbegriffe nachlesen, die wir nicht verstanden haben. Tatsächlich geben Menschen weltweit so häufig ihre Krankheitssymptome - für die folgende Auswerung - in die Suchmaschine Google ein, dass Forscherinnen und Forscher wie auch Journalistinnen und Journalisten einen Zusammenhang zwischen regionalen Corona Ausbrüchen und den Google-Suchanfragen in der jeweiligen Region feststellen konnten. So haben beispielsweise Einwohnerinnen und Einwohner der besonders betroffenen US-Bundesstaaten häufiger „I can‘t smell“ eingegeben, also „Ich kann nichts riechen“; der Verlust des Geruchssinns gilt als Symptom der Krankheit COVID-19[1]. Wer heute abnehmen oder Muskeln aufbauen möchte, muss dafür auch nicht mehr unbedingt zu einer Ernährungsberaterin oder einem Ernährungsberater beziehungsweise ins Fitnessstudio gehen – denn es gibt Gesundheits-Apps, Fitness-Tracker oder YouTube-Kanäle, die uns bei dem Versuch unterstützen, unser jeweiliges Ziel zu erreichen. Im Allgemeinen können wir also festhalten: Die Prozesse der Digitalisierung sorgen für eine Ausweitung unserer Selbstbestimmung, wenn es um unseren Körper und unsere Gesundheit geht. Das ist zwar schön, sollte aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die beschriebenen Entwicklungen durchaus Nachteile haben, etwa, dass uns die Fülle an oftmals widersprüchlichen Informationen im Internet rasch überfordern kann oder die Gefahr, die droht, wenn wir die durch unseren Fitness-Tracker gesammelten Daten falsch interpretieren, da die meisten von uns eben doch keine ausgebildeten Medizinerinnen und Mediziner sind. Während unsere gesundheitliche Selbstbestimmung zunimmt, sind wir also auch zunehmend mit unserer eigenen Überforderung konfrontiert.

Tipp tipp – total ausgelaugt?

Will man einen Blick auf körperliche und psychische Folge-Erscheinungen werfen, die unter anderem auf die Digitalisierung zurückgeführt werden können, muss man einen langen Atem beweisen, denn sie kommen in einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt daher. Zwar ist eine Trennung in körperliche Effekte auf der einen und psychische Effekte auf der anderen Seite nicht besonders sinnvoll, weil sich viele nicht so einfach zuweisen lassen; wir können jedoch durchaus Unterschiede in der Art und Weise jener Nutzung digitaler Geräte und Anwendungen ausmachen, die sie verursacht hat. So kann die alltägliche, nicht näher bestimmte Nutzung dieser Geräte schon bedeutende körperlich-psychische Belastungen herbeiführen – etwa, weil der häufige Blick auf‘s Smartphone Haltungsschäden oder Schlafprobleme ausgelöst oder das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit körperlich messbaren Stress verursacht hat. Des Weiteren können Auslöser von gesundheitlichen Folgen nicht nur im allgemeinen digitalen Konsum, sondern auch konkret an den Inhalten festgemacht werden, die Nutzerinnen und Nutzer im digitalen Raum zu sehen und zu lesen bekommen: Wenn wir in sozialen Netzwerken mit Cybermobbing oder Hassrede konfrontiert sind oder wenn wir unrealistische Körperbilder erfahren und uns selbst mit ihnen vergleichen, lässt uns das oftmals nicht kalt, und wir reagieren beispielsweise mit Traurigkeit, Unsicherheit oder Selbstzweifeln. Zuletzt können wir unter den Folgen unseres digitalen Konsums leiden, weil dieser selbst unserer Kontrolle entglitten ist: Unter diesen Umständen sind wir womöglich von einer Internet- oder Computerspiel-Sucht betroffen. In letzter Zeit wird zunehmend auch das Suchtpotenzial anderer Anwendungen wie etwa sozialer Netzwerke diskutiert.

Digitales Wohlbefinden

Der große Katalog an digitalen Kompetenzen, die wir heute beherrschen sollten, umfasst folglich auch ein gewisses Gespür bezüglich unseres digitalen Wohlbefindens. Auf diese Weise können wir lernen, die Nutzung digitaler Ressourcen so zu gestalten, dass sie uns möglichst wenig schadet und uns zugleich möglichst viele Vorteile einbringt. Zu diesem Zweck müssen wir aber zunächst dazu in der Lage sein, zu unterscheiden, welche Art der Nutzung mit unserem Wohlbefinden vereinbar ist oder es sogar steigert – und welche nicht. Das erfordert nicht nur eine gehörige Portion Selbstkenntnis und Ehrlichkeit, sondern auch eine Menge Disziplin und Mut!

Arbeitsaufträge:

1. Einzelarbeit: Lies dir den Text genau durch und unterstreiche alle genannten Effekte der Digitalisierung auf die Gesundheit.
  • Erstelle eine Tabelle (1. Spalte: negative Effekte; 2. Spalte: positive Effekte) und halte dort die einzelnen Beispiele fest.
  • Überlege, ob dir noch weitere Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesundheit einfallen, und ergänze diese in der Tabelle.
2. Gruppenarbeit: Vergleicht innerhalb der Gruppe eure Ergebnisse und ergänzt diese.
  • Bestimmt eine Person die eure Ergebnisse der Klasse vorstellt.

Fußnoten

1.
"Zeigen Google-Daten, wo es die meisten Corona-Fälle gibt?", Schweizer Radio und Fernsehen, sfr.ch (6.4.20) https://www.srf.ch/news/panorama/symptome-werden-gegoogelt-zeigen-google-daten-wo-es-die-meisten-corona-faelle-gibt
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