One Billion Rising Tanz-Flashmob gegen Gewalt gegen Frauen vor dem Brandenburger Tor.

20.6.2013

M 01.07 "Was gefällt (nicht)?" - Proteste gegen das Zentralabitur auf Facebook

Zum siebten Mal wurde im Jahr 2013 in NRW das Zentralabitur geschrieben. Wie schon in der Vergangenheit gab es auch in diesem Jahr Proteste gegen die Aufgaben der Matheklausuren. Anders als in den Jahren zuvor startete eine Aktion, die zunächst auf Facebook (www.facebook.com) begann und sich zu einer Demonstration von ca. 1.000 Schülerinnen und Schülern vor dem Landtag in Düsseldorf entwickelte.

Ausgangssituation

Viele Schülerinnen und Schüler hielten die Formulierung der Aufgabenstellung in der Mathematikklausur für zu kompliziert und umfangreich. Sie hatten Bedenken, wegen ihrer verkürzten Schulzeit und den damit verbundenen Umstellungen benachteiligt zu werden, z. B. durch einen schlechteren Abiturdurchschnitt und bei der Vergabe von Studienplätzen. Ihrem Frust machten sie im Internet auf einer Facebook-Seite Luft.

Facebook-Gruppe für faires Abi

Über die Facebook-Seite "Protest gegen Mathe Abiturklausur '13" (www.facebook.com/groups/ProtestgegenMatheAbiturklausur) hatten sich zeitweise 10.000 Schülerinnen und Schüler organisiert, um sich für ein – aus ihrer Sicht – faires Abitur einzusetzen. Die Schülergruppe bemängelte, dass die Klausur die Chancengleichheit verletzen würde, denn verglichen mit den Matheabiturklausuren aus den Jahren zuvor sei die aktuelle Klausur erheblich anspruchsvoller gewesen. Am 22. April wurde auf der Seite dazu aufgerufen, dem Schulministerium Protestmails zuzusenden. Darüber hinaus wurde die Telefonnummer des Ministeriums auf Facebook veröffentlicht mit der Aufforderung, sich persönlich per Telefon über die Abiturklausur zu beschweren. Eine von der Schülergruppe formulierte Petition an das Bildungsministerium NRW (www.change.org/de/Petitionen/bildungsministerium-nrw-abprüfen-der-klausuren-vor-der-aushändigung) unterzeichneten ca. 8.000 Schülerinnen und Schüler. Die zentrale Forderung der Schülerinnen und Schüler an das Schulministerium war die Veröffentlichung der Bewertungshorizonte und die unabhängige Prüfung der Klausur durch Experten.

Demonstration in Düsseldorf und ihre Folgen

Einem Facebook-Aufruf folgend, erschienen schließlich mehrere hundert Schülerinnen und Schüler vor dem Düsseldorfer Landtag, um lautstark für ein faires Abitur zu demonstrieren. Aussagen und Aufforderungen wie "faires Abitur", "und wir sollen euch wählen?", "G8 + Matheabitur = keine Lösung", "Fairness auch für Versuchskaninchen" und "Nein zu Mathe-Schweinereien" waren auf den vielen Plakaten zu lesen. Die Schülerinnen und Schüler verlangten die Möglichkeit einer freiwilligen Nachschreibklausur oder die Vergabe von Bonuspunkten. Staatssekretär Ludwig Hecke versprach im Gespräch mit Schülervertretern eine juristische und politische Prüfung der Forderungen. Einen Tag später gab die NRW-Schulministerin Silvia Löhrmann bekannt, dass es keine Nachschreibklausur geben werde, da die Klausur lösbar, lehrplankonform und dem Anspruchsniveau angemessen sei.

Geht der Protest weiter?

Nach der Demonstration in Düsseldorf gab es einen Facebook-Aufruf an Schülerinnen und Schüler an einer Sitzung im Landtag ("Statusbericht zum schriftlichen Zentralabitur 2013") teilzunehmen. Von den auf Facebook angekündigten 300 Schülerinnen und Schülern erschienen 20. Die Mitgliederzahlen der Facebook-Gruppe sind seit diesem Zeitpunkt deutlich gesunken.


Eigener Text nach:

Deutsche Wirtschaftsnachrichten Nordrhein-Westfalen, Massiver Schüler-Protest gegen Mathe-Bürokratie, 24.04.2013, http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/24/nordrhein-westfalen-massiver-schueler-protest-gegen-mathe-buerokratie/ (10.05.2013).

Frank Vollmer: Nach Protesten der Schüler in NRW. Das Mathe-Abitur im Experten-Test, in: RP Online, 26.04.2013, http://www.rp-online.de/politik/nrw/das-mathe-abitur-im-experten-test-1.3357990 (10.05.2013).

WDR Fernsehen, Ministerin will nicht nachschreiben lassen, 24.04.2013, http://www1.wdr.de/fernsehen/aks/themen/matheprotest102.html (10.05.2013).

Frank Vollmer: Analyse des Zwischenberichts zum Abi 2013. Was beim Abitur alles besser werden muss, RP Online, 09.05.2013, http://www.rp-online.de/wirtschaft/beruf/was-beim-abitur-alles-besser-werden-muss-1.3385811 (10.05.2013).


Aufgaben:
  1. Lies dir das Material durch und notiere Stichworte zu den folgenden Fragen:
    • Worum geht es bei der Aktion?
    • Wie entstand sie?
    • Welchen Verlauf nahm sie?
    • Welche Zielgruppe sollte angesprochen werden?
    • Wie beurteilst du die Aktion? Können Jugendliche so Einfluss auf die Politik nehmen? Warum/Warum nicht?
  2. Triff dich nun mit den Mitgliedern deiner Gruppe und tausche dich mit ihnen über die in Aufgabe 1 formulierten Fragen aus.

  3. Erstellt auf der Grundlage der Stichworte einen Steckbrief über die Aktion und no-tiert diesen auf einem Gruppenplakat:
    • Name
    • Entstehung
    • Verlauf
    • Verbreitungsmedium
    • Zielgruppe


Publikationen zum Thema

Mitmischen: Neue Partizipationsformen Neu

Mitmischen: Neue Partizi-
pationsformen

Politik setzt in demokratischen Systemen immer die Teilhabe der Bürger voraus. Welche Formen kann d...

Coverbild Handbuch Bürgerbeteiligung

Handbuch Bürgerbe-
teiligung

Bürgerinnen und Bürger engagieren sich mehr denn je und suchen nach neuen Wegen der Mitwirkung sow...

Zum Shop

Grafstat Logo Service
Wenn's Fragen gibt...

Grafstat Service

Für alle Fragen, die bei der Durchführung Ihres Projektes auftauchen, versucht das Team der Universität Münster eine Antwort zu finden - ganz gleich, ob Sie Fragen zur Software, zur Methodik oder zur Organisation Ihres Projektes haben.

Mehr lesen

Grafstat Logo Methoden
Meinungsforschung im Unterricht

Grafstat Methoden

Die Attraktivität des Unterrichtsfaches Politik/Sozialkunde kann in erheblichem Maße dadurch gesteigert werden, dass den Jugendlichen motivierende Aufgaben gestellt und Raum für Eigenaktivitäten geschaffen wird. Die unterrichtsmethodischen Vorschläge haben das Ziel, die methodischen Handlungsmöglichkeiten der Lehrperson deutlich zu erhöhen.

Mehr lesen