Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ)

Die heute verbotene Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) wurde im Oktober 2000 als Abspaltung aus dem Bund Heimattreuer Jugend e.V. und in der Tradition der seit 1994 verbotenen Wiking Jugend gegründet. Die HDJ wollte die "nationale Bewegung" stärken, indem sie eine extrem rechte Parallelwelt mit ideologisch geprägten Freizeitprogrammen für Kinder und Familien anbot. Ziel war die Nachwuchsgewinnung und Herausbildung einer völkisch gesinnten Elite.

Die HDJ-Bundesführung hatte ihren Sitz in Berlin. Regionale Gruppen, sogenannte "Leitstellen" der HDJ, und ihre Untergruppierungen bestanden bundesweit – beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die Sicherheitsbehörden schätzten die Mitgliederzahl auf mehrere hundert Aktivisten bundesweit.

Die HDJ war fest in der neonazistischen Szene verankert. Zahlreiche ehemalige Kader der HDJ üben mittlerweile hohe Funktionen in der NPD aus. Durch scheinbar unpolitische Aktivitäten wollte die HDJ Kinder und Jugendliche in rechtsextremer Ideologie schulen. Viele Rechtsextremisten schickten ihre Kinder in die Lager der HDJ, um sie dort in "soldatischer Erziehung" und "Disziplin und Gehorsam" drillen zu lassen. An den Lagern und Fahrten – mit "Geländemärschen", Fahnenappellen und "Rassenkundeschulungen" – nahmen regelmäßig bis zu mehreren hundert Familien mit Kindern und Jugendlichen teil. In der HDJ-Zeitschrift "Funkenflug" wurden immer wieder antisemitische und NS-verherrlichende Texte veröffentlicht.

Am 31. März 2009 verbot der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die HDJ wegen ihrer "Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus, insbesondere mit der früheren Hitlerjugend". Nach dem Verbot engagierten sich ehemalige HDJ-Funktionäre in der IG Fahrt und Lager der NPD-Jugendorganisation JN, weshalb diese von einigen Experten als Nachfolgestruktur der HDJ angesehen wird.

Zum Weiterlesen:
»Braune Parallelwelt«



03.02.2014