Artikel im

Nationalistische Front (NF) | Rechtsextremismus | bpb.de

Nationalistische Front (NF)

Die Nationalistische Front war eine rechtsextreme Kleinpartei. Bis zu ihrem Verbot 1992 galt sie als eine der wichtigsten Gruppen der militanten Interner Link: Neonazi-Szene. Aus der Verbotsverfügung heißt es unter anderem, der NF propagiere "die Zerschlagung jeder menschen-, volks- und lebensfeindlichen ökonomischen Machtstruktur", weswegen laut NF der "Kampf gegen Kapitalismus und Kommunismus" gefordert sei.

Gegründet wurde die NF im November 1985 in Steinhagen nahe Bielefeld als Zusammenschluss der NF und des Bundes Sozialrevolutionärer Sozialisten. Sie vereinte ehemalige Mitglieder der Interner Link: NPD-Jugendorganisation JN, rechtsextreme Interner Link: Skinheads und Mitglieder nationalrevolutionärer Gruppen, unter anderem Anhänger der Volkssozialistischen Bewegung (VSBD) um den Altnazi Friedhelm Busse.

Die Ideologie der NF war Interner Link: völkisch, gepaart mit einer rassenbiologisch begründeten Ausländerfeindlichkeit, gegen eine "jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung" gerichtet, anti-imperialistisch geprägt und erinnerte an den Interner Link: Strasser-Flügel der NSDAP. Die NF sah Deutschland als unter "fremder Macht" stehend (gemeint waren vor allem die USA), von der es befreit werden müsse. Sie forderte die ehemaligen deutschen Gebiete im Osten zurück und strebte einen "deutschen Volksstaat in der Form einer sozialistischen Volksgemeinschaft" an. Ihren Interner Link: Rassismus kleidete die NF beispielsweise in die Formulierung, man kämpfe "gegen weitere fremdvölkische Einwanderung und für die Heimführung der Ausländer". Sie verharmloste den Holocaust und den Interner Link: Nationalsozialismus und nahm unter anderem an Gedenkmärschen für gefallene SS-Soldaten teil.

Die NF verstand sich als Kaderpartei mit zentralistischer Organisation und hierarchischer Befehlsstruktur. In ihrer Hochzeit soll die NF etwa 800 Mitglieder gehabt haben. Diese wurden sorgfältig und nach rigiden Kriterien ausgewählt und mussten vor der Aufnahme eine halbjährige Probezeit durchlaufen. Die NF gab zahlreiche Publikationen heraus und unterhielt eine Nachwuchsorganisation, den "Jungsturm Deutschland".

Mitglieder wurden in Wehrsportlagern paramilitärisch geschult. Im Dezember 1988 verübte das NF-Mitglied Josef Saller einen Brandanschlag auf ein vorwiegend von Migranten bewohntes Haus im bayerischen Schwandorf, vier Menschen starben. Im Herbst 1991 rief der NF-Vorsitzende Meinolf Schönborn zur Bildung eines Nationalen Einsatzkommandos auf, woraufhin gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet wurde.

Bei Wahlen blieb die NF bedeutungslos. Am 26. November 1992 verbot das Bundesinnenministerium die NF nach den Regeln des Vereinsrechts. Etliche Mitglieder wandten sich daraufhin anderen Organisationen zu, beispielsweise Jens Pühse oder Steffen Hupka, die später in der Interner Link: NPD bis in den Bundesvorstand aufstiegen.

Fussnoten