Rechtsextreme Demonstranten bei einem Neonazi-Aufmarsch in Berlin am 1. Mai 2010.

Glossar

Homophobie



Unter Homophobie versteht man die Abwertung und scharfe Ablehnung nicht-heterosexueller Menschen. Eine solche Einstellung gilt in der Sozialwissenschaft als typisches Element eines rechtsextremen Weltbildes.

Der Begriff Homophobie wurde Ende der 1960er Jahre von dem US-amerikanischen Psychologen George Weinberg geprägt. Er bezeichnet streng genommen nicht nur eine Feindseligkeit gegen Homosexuelle, sondern auch gegen Bisexuelle oder Transsexuelle usw. – kurz: gegen alle Menschen, deren sexuelle Orientierung von klassischen Mann-Frau-Beziehungen abweicht und deshalb als "unnormal" abgewertet wird.

Häufigstes Ziel von Homophobie sind männliche Homosexuelle, weshalb der Begriff vereinfachend als Schwulenfeindlichkeit übersetzt wird. Homophobie äußert sich in zahlreichen Formen: in offener oder verdeckter Ablehnung, in diskriminierenden Handlungen bis hin zu gewalttätigen Angriffen und Morden oder auch in der Behauptung, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung und könne bzw. müsse therapiert werden. Von der Wissenschaft wird Homophobie (wie auch Rassismus, Antisemitismus oder Islamophobie) zu den rechtsextremen "Ideologien der Ungleichwertigkeit"gezählt.

Homophobie war und ist überall auf der Welt verbreitet. In einigen arabischen und afrikanischen Staaten sind Schwule von der Todesstrafe bedroht; Russland erließ erst 2013 ein umstrittenes Gesetz gegen homosexuelle "Propaganda". In Deutschland wurden Homosexuelle während der Nazizeit brutal verfolgt, in der Bundesrepublik stand Sex zwischen erwachsenen Männern noch bis 1973 unter Strafe. Dort ist Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung heute gesetzlich verboten.

Dennoch sind homophobe Einstellungen in der deutschen Gesellschaft alles andere als eine Randerscheinung, wenn auch rückläufig. Laut Umfragen der Universität Bielefeld (im Rahmen des Langzeitprojekts zu "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit") verurteilten etwa 16 Prozent Homosexualität als "unmoralisch". Im Jahr 2010 empfanden es 26 Prozent der Befragten als "ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen", 2005 waren es noch 35 Prozent gewesen.

Zum Weiterlesen:
»Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen«
»Homosexualität und Fußball – ein Widerspruch?« (APUZ 15-16/2010)
»Bist du schwul oder was? Homophobe Logiken im Rock, Hip Hop und Dancehall«
»Homophobie im zeitgenössischen Kroatien« (APUZ 17/2013)



03.02.2014