Bijiashan Windkraftanlage in China.

4.2.2013

Interview mit Ulrich Benterbusch I

11. Bensberger Gespräche 2013 - Energiepolitik am Scheideweg

Europa bezieht in großem Umfang Gas und Öl aus Nordafrika. Die Unruhen im arabischen Raum haben daher Auswirkungen auf unsere Energiesicherheit. Europa sollte Investitionen in der Region tätigen, um Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung zu fördern, meint Ulrich Benterbusch.

Europa bezieht in großem Umfang Gas und Öl aus Nordafrika. Die Unruhen im arabischen Raum haben daher Auswirkungen auf unsere Energiesicherheit. Europa sollte Investitionen in der Region tätigen, um Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung zu fördern, meint Ulrich Benterbusch. (© 2013 Bundeszentrale für politische Bildung)



Welche Auswirkungen haben die Unruhen in der arabischen Welt auf die Energieversorgung Europas?

Es ist ganz offensichtlich, dass – was die Energiepreise insbesondere für Öl angeht – die politische Unruhe in den letzten Jahren enorme Auswirkungen gehabt hat. Wir haben eine gewisse Risikoprämie, die die Märkte hier eingepreist haben. Wenn man etwas längerfristiger schaut, muss man allerdings sagen: Der Weg zu Demokratie, der Weg zu Gesellschaften, die dem Westen ähnlich sind, ist sicherlich nicht der Weg, den die meisten dieser Länder einschlagen. Und gleichwohl kommen die Regierungen unter einen sehr erhöhten Anpassungsdruck. Die Menschen erwarten Arbeitsplätze, sie erwarten eine Verbesserung ihrer Lebensumstände. Das bedeutet auch, dass wir in Europa diesen Ländern bei diesen Aufgaben helfen können. Wir tun das unter anderem auch, um unsere eigene Energiesicherheit zu verbessern. Wir beziehen in großem Umfang Gas und Öl aus der Region. deshalb hat Deutschland, hat die Europäische Union ein überragendes Interesse an der Energiesicherheit in diesen Ländern und der politischen und wirtschaftlichen Stabilität.

Welche Politik gegenüber den arabischen Ländern sollte die EU verfolgen?

Europa muss stabilisierend wirken. Das heißt bei Investitionen helfen, bei Armutsprogrammen helfen, bei der Bildung helfen. Diese Länder, gerade in Nordafrika, sind orientiert auf Europa: Europa ist eine Region, in der junge Menschen dieser Länder hinziehen wollen. Wir müssen helfen, dass die Arbeitsplätze in diesen Länder geschaffen werden, damit auch im großen Rahmen Stabilität und Fortschritt realisiert werden können. Nur dann haben wir einen Beitrag geleistet, auch um unsere eigene Energiesicherheit zu erhöhen. Europa muss sich im zunehmenden Maße als globaler Akteur in diesem Bereich verstehen, und natürlich auch die Mitgliedstaaten.

Ist das Wüstenstromprojekt Desertec eine Möglichkeit Wirtschaftswachstum in der arabischen Welt zu fördern?

Desertec ist eine Möglichkeit, aber auch ein Paradebeispiel dafür, dass Energiepolitik nur funktionieren kann, wenn Vertrauen in die politische Stabilität solcher Länder existiert.Denn diese Investitionen sind Investitionen im Zeithorizont von dreißig, vierzig, fünfzig Jahren. Und nur dann, wenn die Rahmenbedingungen politische, wirtschaftliche und soziale Stabilität garantieren, kann man letztlich solche Investitionen wagen.

Ulrich Benterbusch ist Direktor des Global Energy Dialogue bei der Internationale Energieagentur (IEA)

Das Interview wurde geführt von Hendrik Hoffmann, bpb

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Hintergrund aktuell

Neue Regeln für die Energiewende

Am 1. August trat die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft. Damit veränderte sich der gesetzliche Rahmen für die Energiewende in Deutschland.

Mehr lesen

Zahlen & Fakten Europa

Energie

Auf Europa entfällt rund ein Fünftel der weltweiten Versorgung mit Primärenergie. Allein der Anteil der EU-28 lag im Jahr 2016 bei 11,6 Prozent. Dabei stützt sich der Verbrauch überwiegend auf fossile Energieträger (EU: 71,7 Prozent). Entsprechend hoch ist die Abhängigkeit von Energieimporten.

Mehr lesen

Erölraffinerie bei Usinsk, Russland.
Dossier

Umwelt

Die Umwelt stellt uns Lebensgrundlagen und Rohstoffe zur Verfügung, die wir pflegen und erhalten sollten. Doch es fällt schwer, klare Grenzen zu ziehen: Wo nutzt der Mensch die Natur? Und wo zerstört er sie dauerhaft?

Mehr lesen

Ein schmelzender Eisberg, aufgenommen am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgroenland. Die fuehrenden Industrienationen kommen am Mittwoch, 8. Juli 2009, beim G-8-Gipfel in L'Aquila, Italien, zusammen, um ueber die Wirtschaftskrise und den Klimaschutz zu beraten. (ddp images/AP Photo/John McConnico) --- FILE - This is a July 19, 2007 file photo of an iceberg as it melts off Ammassalik Island in Eastern Greenland. (ddp images/AP Photo/John McConnico)
Dossier

Klimawandel

Globale Erwärmung und Klimawandel: diese beiden Worte sind in aller Munde. Wie konnte es überhaupt zum Klimawandel kommen? Und reichen die Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmung aus?

Mehr lesen