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5.2.2013

Interview mit Roland Götz

11. Bensberger Gespräche 2013 - Energiepolitik am Scheideweg

Die EU importiert ein Drittel ihrer fossilen Brennstoff aus Russland. Roland Götz sieht in dieser Abhängigkeit keine Gefahr. Im Gegenteil: die Bedeutung Russlands als Energielieferant wird sogar noch zurückgehen.

Die EU importiert ein Drittel ihrer fossilen Brennstoff aus Russland. Roland Götz sieht in dieser Abhängigkeit keine Gefahr. Im Gegenteil: die Bedeutung Russlands als Energielieferant wird sogar noch zurückgehen. (© 2013 Bundeszentrale für politische Bildung)



Die EU importiert ein Drittel ihrer fossilen Brennstoffe aus Russland. Liegt in dieser Importabhängigkeit ein Problem?

Meiner Meinung nach nicht, denn Russland ist zwar der größte Importeur, aber keineswegs der dominierende. Es folgen weitere große Importeure wie Norwegen, Algerien und dann auch noch Katar, wobei sich die Gewichte zusehends zu diesen anderen Ländern verschieben werden. Der relative Anteil von Russland wird eher zurückgehen.

Investiert Russland ausreichend in die Erschließung neuer Quellen, um seinen Lieferverpflichtungen gerecht werden zu können?

Nach eigenen Angaben: ja. Russland möchte seine Produktion ausweiten, von bisherigen 600 auf 900 bis 1.000 Milliarden Kubikmeter. Es geht hohe Investitionen im Norden Russlands ein und möchte diesen Energiesektor weiter ausbauen. Man kann nur von den Angaben ausgehen, dass das auch rentabel ist. Sollte allerdings der Öl- und damit auch der Gaspreis stark fallen, würden diese Investitionen möglicherweise infrage gestellt, aufgeschoben oder ganz unterbrochen werden.

Welche Auswirkungen hat der Ressourcenreichtum in Russland auf die Entwicklung des Landes?

Zunächst einmal profitieren die Unternehmen selber, bezahlen damit auch Steuern, finanzieren den russischen Staatshaushalt und sorgen für eine Beschäftigung und auch für hochtechnologische Investitionen. Insofern sind dies positive Effekte. Negativ fällt ins Gewicht, dass, wie in allen ressourcenreichen Staaten, andere Sektoren dadurch in den Hintergrund gerückt werden, es ist aber grundsätzlich ausgesprochen schwierig, hier eine Umsteuerung vorzunehmen.

Sollte die EU ihre Energieversorgung noch besser diversifizieren?

Die EU ist bereits sehr stark diversifiziert. Sie wird besser als jede andere Region der Welt mit Öl und Gas beliefert; über verschiedenste Transportwege, Pipelines und Schiffe. Eine Diversifizierung ist immer gut, nur ist die Frage, wieweit bestehen noch zusätzliche Möglichkeiten, die sind allerdings weitgehend ausgeschöpft.

Ist der Bezug von Gas aus dem kaspischen Raum eine Möglichkeit zur weiteren Diversifizierung?

Prinzipiell ja, allerdings gibt es da erhebliche Schwierigkeiten, auch ökonomische Probleme. Der Bau einer solchen Pipeline müsste erfolgen mit starkem Mitwirken der Produzentenländer. Diese sind aber eher dann daran interessiert, Pipelines auf eigene Regie zu bauen und nicht auf die EU-Vorstellungen einzugehen. Daran ist bisher auch der Bau der Nabucco-Pipeline gescheitert.

Dr. Roland Götz hat bis zu seinem Ruhestand 2008 bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gearbeitet.

Das Interview wurde geführt von Hendrik Hoffmann, bpb

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