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Editorial | Atomare Abschreckung | bpb.de

Editorial

Julia Heinrich

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Die Idee, Kriege durch die glaubwürdige Androhung eines Atomwaffeneinsatzes zu verhindern, ist unmittelbar mit dem Kalten Krieg verbunden. Unter dem Eindruck der Zerstörungskraft der Atombomben, die die USA am 6. und 9. August 1945 über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, wähnte sich die Menschheit nur einen Knopfdruck entfernt von der Apokalypse. Mit dem Wettrüsten im Ost-West-Konflikt etablierte sich die Logik der Abschreckung. Diese bestand in der sogenannten Zweitschlagkapazität: Der Schaden, den ein Aggressor durch eine nukleare Vergeltung erleiden würde, wäre stets größer als jeder Nutzen eines Angriffs. Anders ausgedrückt: Wer zuerst schießt, stirbt als Zweiter.

Deutschland ist selbst nie Atommacht geworden. Durch das Arrangement der nuklearen Teilhabe, dem der Deutsche Bundestag 1958 zustimmte, entfielen – in Verbindung mit US-amerikanischen Sicherheitsgarantien – die Anreize für die Bundesrepublik, nach eigenen Nuklearwaffen zu streben, ebenso wie für viele andere NATO-Partner. Ab Ende der 1980er Jahre lag der Fokus vielmehr auf Abrüstung, Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle.

Doch spätestens mit der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 und angesichts eines Vertrauensverlusts zwischen den USA und Europa hat sich die Lage grundlegend geändert. Ein neuer nuklearer Rüstungswettlauf ist bereits im Gange, und die Kontrolle von Atomwaffenarsenalen wird in der heutigen multipolaren Welt, in der mächtige Staaten aus internationalen Abkommen ausscheren, sowie unter dem Eindruck eines atemberaubenden technischen Fortschritts deutlich schwieriger. Dabei waren und sind die Gefahren, sollte die Abschreckung versagen, unermesslich.