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Prorussische Narrative in Indiens Sozialen Medien

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Prorussische Narrative in Indiens Sozialen Medien

Sumaira Rizvi

/ 7 Minuten zu lesen

Indien hat bis heute die russische Invasion in die Ukraine nicht verurteilt. Welche Rolle spielen irreführende Darstellungen des Krieges in indischen Sozialen Medien und welche prorussischen Erzählungen kursieren? Eine Analyse von Sumaira Rizvi.

An der Seite Russlands: Anfang März 2022 gingen rechts-gerichtete Hindu-Aktivisten auf die Straße, um zu demonstrieren, welchem Land die indische Solidarität ihrer Ansicht nach gelten sollte. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Karma Sonam Bhutia)

Netz aus Lügen - Das Experiment (6/8)

Der Interner Link: Krieg Russlands gegen die Ukraine begann am 24. Februar 2022, doch der Konflikt zwischen den beiden benachbarten Ländern dauert bereits seit 2014 an, als Russland die Krim annektierte, ein ukrainisches Gebiet mit mehrheitlich russisch-sprachiger Bevölkerung. Auch in der ukrainischen Interner Link: Donbass-Region kämpfen seit 2014 ukrainische Streitkräfte und von Russland unterstützte Separatisten.

Die von Russland als "militärische Spezialoperation" bezeichnete Invasion hat in vielen Teilen der Welt wie auch in Indien Diskussionen ausgelöst. Als die UN-Vollversammlung am 8. April 2022 eine Resolution verabschiedete, mit der Russlands Mitgliedschaft im Interner Link: Menschenrechtsrat ausgesetzt wurde, gehörte die größte Demokratie der Welt zu den 58 Ländern, die sich der Stimme enthielten. Indien stand damit in einer Reihe mit seinem Nachbarn und Erzrivalen Pakistan. Unter der Führung des Interner Link: hindu-nationalistischen Premierministers Interner Link: Narendra Modi hat Indien seine neutrale Haltung zum Ukraine-Russland-Krieg beibehalten. Bei seinem Besuch in Berlin am 2. Mai 2022 rief Modi zum Frieden zwischen den beiden Ländern auf, verzichtete aber darauf, Russland direkt für den Angriff zu kritisieren.

Zu Kriegsbeginn und in den darauffolgenden Monaten überwog in den indischen Sozialen Medien, insbesondere Twitter, eine Stimmung zugunsten der russischen Regierung und ihres Präsidenten Wladimir Putin. Wie in vielen anderen Weltregionen haben prorussische Narrative und Falschinformationen ihren Weg in die indische Online-Sphäre gefunden.

Die Beziehungen Indiens zur Sowjetunion

Die Geschichte der Interner Link: indisch-russischen Zusammenarbeit reicht bis in die Zeit des Kalten Krieges zurück. Pakistans Bündnis mit den Vereinigten Staaten wirkte 1954 als Katalysator für die Annäherung zwischen Indien und der Sowjetunion. Indien hatte seine bündnisfreie Position beibehalten und sich keinem der großen Machtblöcke der Welt formell angeschlossen.

Die Beziehungen zwischen Indien und der Sowjetunion festigten sich jedoch auch infolge der zunehmenden Differenzen zwischen der Interner Link: Sowjetunion und ihrem Verbündeten China, die schließlich dazu führten, dass die Sowjetunion Indien im chinesisch-indischen Krieg von 1962 unterstützte. Die Spannungen zwischen China und der Sowjetunion waren bereits in den Jahren zuvor sichtbar geworden. Die ideologischen Differenzen zeigten sich zum ersten Mal 1955, als das stalinistische sozioökonomische Entwicklungsmodell zum Konfliktpunkt zwischen den beiden Ländern wurde. Während Nikita Chruschtschow als Erster Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (1953-1964) den Stalinismus kritisierte, folgte China unter Mao Zedongs Führung Mitte der Fünfzigerjahre noch dem stalinistischen Modell. Die Reise des ersten indischen Premierministers Jawaharlal Nehru nach Moskau im Jahr 1955 trug zudem dazu bei, die Beziehungen zwischen Indien und der Sowjetunion zu festigen.

Daraufhin gab es immer wieder Gelegenheiten, bei denen sich die Länder einander unterstützen. Die Sowjetunion hatte in der UNO mehrfach Veto gegen Resolutionen eingelegt, die Indiens Interessen in der Interner Link: Konfliktregion Kaschmir entgegenstanden.

Indien seinerseits vermied jegliche Kritik an der Sowjetunion, als diese 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei einmarschierte. Auch bei der sowjetischen Invasion Afghanistans 1979 stand Indien auf Seiten der Sowjetunion. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die Beziehungen zwischen Russland und Indien unverändert stark.

Fußnoten

Wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen Russland und Indien

Während Wladimir Putins Besuch in Indien Anfang 2022 erneuerten die beiden Verbündeten ihr auf zehn Jahre angelegtes bilaterales Programm zur militärisch-technischen Zusammenarbeit. Zu diesem Anlass unterzeichneten Indien und Russland 28 Memoranden zur Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Energie, Verteidigung, Bildung und Kultur.

Indien bleibt auch weiterhin der größte Importeur russischer Waffen. Allein in den letzten fünf Jahren hat das Land Waffen im Wert von 6,5 Mrd. Dollar von Russland erworben, was mit 23 Prozent fast einem Viertel aller russischen Waffenexporte entspricht.

Der russische Anteil an den indischen Waffenimporten ist jedoch von 69 Prozent zwischen 2012 und 2017 auf 46 Prozent in den Jahren von 2017-21 gesunken. Laut einer Veröffentlichung des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) ist einer der Gründe für diesen Rückgang, dass Indien seine Lieferantenbasis diversifiziert. Infolgedessen hat Indien seinen Anteil an Waffenkäufen aus Frankreich erhöht, was das Land zum zweitgrößten Waffenlieferanten Indiens macht.

Neben Waffen importiert Indien auch Kohle, Düngemittel, Rohöl und verschiedene andere Produkte aus Russland. Tatsächlich hat das südasiatische Land nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine seine Einfuhren von russischer Kohle sogar erhöht. Indien ignorierte damit die Warnungen der USA vor dem Kauf russischer Produkte. Berichten zufolge ließ der Wirtschaftsberater von US-Präsident Joe Biden die indischen Verantwortlichen wissen, dass eine Steigerung der Einfuhren russischer Produkte nicht in "Indiens Interesse" sei. Auf der anderen Seite zeigten die USA nach dieser Warnung auch Verständnis für Indiens enge Beziehungen zu Russland. So äußerte der US-Außenminister Antony Blinken Ende April Verständnis für die Haltung Indiens, da das Land seine Beziehungen zu Russland in einer Zeit aufgebaut hätte, als die USA für eine Partnerschaft mit Indien noch nicht bereit waren. Er betonte jedoch, dass sich die Dinge jetzt geändert hätten – ein klares Zeichen, dass die USA ihre Beziehungen zu Indien stärken wollen.

Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hat dagegen immer wieder betont, wie wichtig es für Neu-Delhi sei, gute Beziehungen zu Moskau aufrechtzuerhalten. In Hinblick auf den Krieg zwischen Russland und der Ukraine betonte er, dass Indien an die Lösung von Konflikten durch Diplomatie und Dialog glaube.

Prorussische Narrative in indischen Sozialen Medien

Auch wenn die indische Regierung eine mehr oder weniger neutrale Haltung zum Russland-Ukraine-Krieg eingenommen hat, gab es in den Sozialen Medien einige – insbesondere hindu-nationalistische Accounts - aus Indien, die Putin und die russische Invasion direkt oder indirekt unterstützten. Einen Einblick in die Erzählungen, die insbesondere zu Beginn des Krieges kursierten, geben die nachfolgenden Beispiele.

Kurz nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine demonstrieren Studentinnen und Studenten in Neu-Delhi für die Evakuierung tausender Studierender. (© picture-alliance/AP, Altaf Qadri)

Ein wichtiges Mittel prorussische Einstellungen zu verbreiten, waren zum Beispiel instrumentalisierte Verweise auf Rassismus an der ukrainischen Grenze. Kurz nachdem der Krieg begonnen hatte, kam es immer wieder vor, dass afrikanische und asiatische Studierende rassistisch behandelt wurden, als sie versuchten, aus der Ukraine zu fliehen. Diese Vorwürfe wurden jedoch auf Twitter von Accounts mit offenbar Hindu-nationalistischer Tendenz missbraucht: Ein rechtsgerichteter Nachrichtensprecher veröffentlichte etwa ein Video, das Rassismus gegen indische Studierende zeigen sollte, und kommentierte: "Russland hätte das nie getan." (Siehe Screenshot 1)

Screenshot 1: Instrumentalisierte Hinweise auf Rassismus: Um prorussische Sentiments zu unterstützen wurden Tweets geteilt, die Rassismus gegenüber indischen Studierenden in der Ukraine belegen sollten. (© Sumaira Rizvi)

Screenshot 2: #IndiaSupportsRussia und #IndiaStandsWithRussia waren beliebte Hashtags für kremlfreundliche Inhalte auf indischen Sozialen Netzwerken. (© Sumaira Rizvi)

Das Video "#Ukrainian not letting Indian students to board the train", in dem Studierende zu sehen sind, die versuchen, einen Zug zu besteigen, während zwei Bahnangestellte sich weigern, sie einsteigen zu lassen, erhielt Tausende von Likes und Retweets. Einige twitterten, dass dieser angebliche Rassismus das "wahre Gesicht der Ukraine" zeige, und das sei "der Grund, warum Indien auf der Seite Russlands steht". Indische Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer, die Pro-Russland- und Pro-Putin-Inhalte teilten, benutzten dafür Hashtags wie #IndiaSupportsRussia, #IndiaStandsWithRussia, #IndiaStandsWithPutin und #IndiaSupportsPutin (siehe Screenshot 2). Die meisten Tweets mit diesen Hashtags stammen von Anfang März, dem Zeitraum, in dem Russland Luftangriffe auf die ukrainischen Städte Charkiw und Mariupol flog.

Zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wurden in indischen Social-Media-Angeboten eine verstärkte Aktivität von prorussischen Posts festgestellt. Nach Angaben des Londoner Dienstleisters CASM Technology, der ein Teil des Think Tank Demos ist, konnten etliche Posts Gruppen zugeordnet werden, die zugleich auch als Unterstützer von Ministerpräsident Modi aufgefallen sind. Die BBC berichtete von vielen Fake-User-Konten, die mit gestohlenen Prominenten-Bildern Putin-freundlichen Positionen zum Krieg in der Ukraine verbreiteten.

Russische Desinformationskampagnen in Indien

Screenshot 3: Nazis seien ein integraler Bestandteil des "Kiewer Regimes" – aber der Westen würde nicht gerne darüber sprechen: Die russische Botschaft verbreitet in Hindi ihre Version des Kriegs in der Ukraine über ihren offiziellen Twitter-Account. (© Sumaira Rizvi)

Während die russische Administration Facebook und Twitter im eigenen Land verboten hat, nutzen staatliche Behörden und Diplomaten ihre Social Media Konten, um Desinformation in anderen Ländern zu verbreiten. So verbreitet der Twitter-Account der russischen Botschaft in Indien weiterhin die Propaganda des russischen Außenministeriums (MFA). Er retweetet Desinformationsinhalte von Konten anderer russischer Regierungsorganisationen wie "Russia at the United Nations (@RussiaUN)". Der offizielle Twitter-Account Russlands in Indien "Russia in India (@RusEmbIndia)" veröffentlicht auch Propagandabotschaften in Hindi, einer Sprache, die von rund 530 Millionen Inderinnen und Indern gesprochen wird. So veröffentlichte die russische Botschaft in Indien beispielsweise einen Tweet auf Hindi, in dem behauptet wurde, das Kiewer Regime sei von "Nazis" infiltriert – mit dem Zusatz, dass "sie" im Westen nicht gerne über das "Nazi-Problem" sprächen (siehe Screenshot 3). Der Vorwurf des Neonazismus in der Ukraine wird von der russischen Regierung seit Beginn des Krieges im Jahr 2014 zur Interner Link: Rechtfertigung der Invasion verwendet.

Auch der von der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, erhobene Vorwurf, die Ukraine betreibe Labore für biologische Waffen, wurde von Indien im März vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum Thema gemacht. Die Anschuldigung wurde von russischen Regierungsaccounts auf Twitter verstärkt (siehe Screenshot 4). Dieser Tweet der russischen Botschaft in Indien gibt vor, im Besitz von Beweisen für die "zahlreichen Verstöße gegen die Biowaffen-Konventionen" zu sein.

Screenshot 4: Ein Narrativ, das um die Welt ging: Auch auf indischen Sozialen Medien behauptet das russische Außenministerium (MFA), dass die Ukraine mit finanzieller Unterstützung der USA Labore für Bio-Waffen betreibt. Es existieren jedoch keine Beweise, dass in den Laboren Bio-Waffen entwickelt werden. (© Sumaira Rizvi)

Allerdings erwiesen sich diese Vorwürfe als haltlos, wie etwa CNN berichtete. So gibt es zwar von den USA finanzierte biologische Forschungslabore in der Ukraine, aber keine Beweise, die den Vorwurf stützten, dass dort Biowaffen entwickelt würden.

Screenshot 5: Anfang März 2022 twitterte die russische Botschaft, dass ukrainischen Sicherheitsbehörden indische Studierende als Geiseln festhalten würden, um sich vor Angriffen zu schützen. Das indische Außenministerium wies die Behauptung zurück. (© Sumaira Rizvi)

Anfang März 2022, als indische Studierende in der Ukraine festsaßen, twitterte "Russia in India", dass indische Studierende in der Ukraine als Geiseln festgehalten würden, und erklärte, dass die Verantwortung für sie bei den "Kiewer Behörden" läge (siehe Screenshot 5). In diesem Fall wies das indische Außenministerium die Behauptung jedoch zurück und erklärte, es habe keinerlei Informationen zu einer Geiselnahme gegeben.

Dessen ungeachtet wiederholte der russische Außenminister Sergej Lawrow den Vorwurf, die ukrainischen Streitkräfte würden indische, arabische und afrikanische Studierende als "menschliche Schutzschilde" missbrauchen. Während zwar der Vorwurf des Rassismus an den ukrainischen Grenzen von mehreren Studierenden erhoben und dadurch bestätigt wurde, gibt es jedoch keine Berichte, die darauf hindeuteten, dass Studierende als "menschliche Schutzschilde" benutzt wurden.

Die Auswirkungen der russischen Desinformation

Es gibt viele Beispiele von in Indien verbreiteten prorussischen Inhalten, die ebenfalls Pro-Modi- beziehungsweise hindunationalistische Botschaften enthalten. Im weiteren Verlauf geht es um drei Narrative jener Zielrichtung:

  1. Eine weit verbreitete Falschnachricht besagte, dass Putin Studierende, die aus dem Kriegsgebiet evakuiert wurden, in einem Flugzeug getroffen habe. Ein zusammen mit dieser Falschnachricht veröffentlichtes Video zeigt einen glatzköpfigen Mann, der in ein Flugzeug steigt und dort mit den Menschen spricht. Die Kommentare zu diesem Video loben Modi und die indische Regierung für den "Respekt, den sich die Inder verdient haben". In Wirklichkeit zeigt das Video jedoch den indischen Botschafter in Rumänien, Rahul Shrivastava, der mit Menschen spricht, die auf der Flucht vor dem Krieg nach Indien zurückfliegen. Das Video hat sich auch über die in Indien beliebte Messaging-App WhatsApp verbreitet.

  2. Eine Behauptung mit ähnlicher Zielrichtung, die auf Facebook tausendfach geteilt wurde, war ein gefälschtes Zitat, das dem russischen Verteidigungsminister General Sergej Schoigu zugeschrieben wurde. Laut der Nachricht hatte Schoigu bekannt gegeben, dass Inder, an deren Fahrzeugen indische Flaggen befestigt wären, in Sicherheit gebracht würden, ihnen würden die russischen Soldaten nichts tun. In der letzten Zeile der Nachricht hieß es: "Unser Teeverkäufer hat doch eine gewisse Macht", eine Anspielung auf Modi, der zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens vor der UN-Vollsammlung erzählt hat, dass er als Kind Tee verkauft hat.

  3. Screenshot 6: Hindu-nationalistische Accounts teilten den Tweet: "Russland braucht die alte Sowjetunion. China will 'Ein China'. Wir wollen 'Akhand Bharat'." (© Sumaira Rizvi)

    Am 25. Februar, einen Tag nach dem Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine, twitterte ein BJP-Führer, Mitglied des Legislativrats von Uttar Pradesh: "Russland braucht die alte Sowjetunion. China will 'Ein China'. Wir wollen 'Akhand Bharat'. Eine Position die ein einheitliches indisches Großreich unter Hindu-Führung propagiert, wozu neben dem heutigen Indien auch Pakistan, Afghanistan, Sri Lanka und weitere Länder gehören sollen (siehe Screenshot 6). Der Tweet wurde von mehreren, offenbar hindu-nationalistischen Accounts geteilt. So wird der Krieg in der Ukraine genutzt um eine gewaltsame Lösung für ein indisches Akhand Bharat zu propagieren.

Seit Beginn des Krieges hat die Europäische Union verschiedene Maßnahmen ergriffen, um der verbreiteten russischen Desinformation entgegenzuwirken. In anderen Teilen der Welt – auch in Indien mit seinen 518 Millionen Social-Media-Nutzerinnen und - Nutzern – sind jedoch keine ähnlich aktiven Bemühungen zu beobachten.

Mehr zur Indischen Unabhängigkeit in der APuZ 30-31:
Interner Link: APUZ 30-31: Indische Unabhängigkeit

Fussnoten

Fußnoten

  1. Die Namen der Accounts sind auf Wunsch der Autorin unkenntlich gemacht, um die Autorin rechtlich zu schützen. Sie sind der Bundeszentrale für politische Bildung jedoch bekannt.

Weitere Inhalte

Die Journalistin Sumaira Rizvi lebt in Indien, von wo aus sie als redaktionelle Analystin für das Technologieunternehmen Kinzen arbeitet. Zuvor war sie für indische Medien tätig, darunter der englischsprachiger TV Nachrichtensender CNN-News18, sowie für globale Medien wie Al Jazeera und das asiatisch-pazifische Nachrichtenportal The Diplomat.