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Afrika

13.8.2010 | Von:
Christine Harjes

Afrikas steiniger Weg in die Unabhängigkeit

Nigerias Problem mit der kulturellen Vielfalt

In der englischen Kolonie Nigeria wurde wie im belgischen Kongo der Weg in die Freiheit von vielen Unruhen begleitet. Allerdings lagen die Probleme hier woanders: Mit der Unabhängigkeit begannen in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas die Auseinandersetzungen unter den Eliten der größten drei Völker um die Macht: der Haussa-Fulani, der Yoruba und der Igbo. Der dreijährige Biafra-Krieg erlangte weltweit traurige Berühmtheit. Die Igbo hatten vergeblich versucht, die Republik Biafra vom Rest des Landes abzuspalten. Jahrzehnte später kämpft Nigeria noch immer mit blutigen Unruhen in der Bevölkerung. Das Problem hat sich aber von einem ethnischen zu einem eher regional-religiösen Konflikt zwischen dem muslimischen Norden und dem christlichen Süden entwickelt. Auch der niedrige Lebensstandard trägt zu den Ausschreitungen bei. Dabei könnte es Nigeria aufgrund der reichen Ölvorkommen gut gehen, aber davon profitiert die Zivilbevölkerung kaum. Politische Eliten bereichern sich in Abkommen mit multinationalen Ölkonzernen.

Grund zum Feiern?

Die meisten afrikanischen Staaten, die in diesem Jahr den 50. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feiern, begehen den Tag mit großen Festlichkeiten. Neben den 15 französischen Kolonien waren das die Demokratische Republik Kongo, Nigeria und Somalia, das von England und Italien unabhängig wurde. Senegals Präsident Abdoulaye Wade lässt das Jubiläumsjahr mit einer gigantischen Statue in die Geschichte eingehen. Ein enorm teures Projekt, das ihm angesichts der miserablen Versorgungslage im Land viel Kritik einbrachte. Die Demokratische Republik Kongo hat in einer versöhnlichen Geste den belgischen König Albert II. zu ihrer Unabhängigkeitsfeier eingeladen. Auch das haben Kritiker nicht verstanden. Sie machen nach wie vor die belgische Kolonialherrschaft für die anhaltend schlechte Lage im Land verantwortlich. Niger dagegen verzichtete auf eine pompöse Veranstaltung. Das Land leidet zurzeit unter einer massiven Lebensmittelkrise. Stattdessen wurden in einer symbolischen Zeremonie Bäume gepflanzt. Das Sahelland will sich auf eine Agrarreform konzentrieren. Die Elfenbeinküste, die nach der Unabhängigkeit mit Kakao und Kaffee das "ivorische Wirtschaftswunder" geschaffen hatte, feierte ihre Unabhängigkeit in Zeiten politischer Instabilität. Präsident Laurent Gbagbo regiert seit 2005 ohne die Legitimation durch Wahlen. 2002 hatte der Bürgerkrieg zwischen den Rebellen des Nordens und der Regierung das einstige Wirtschaftswunder beendet, das Land in Nord und Süd geteilt und in eine tiefe Krise gestürzt. 2007 hatten sich die Konfliktparteien im Vertrag von Ouagadougou zu einem Friedensabkommen verpflichtet. Seitdem sollen eigentlich demokratische Wahlen stattfinden, der Termin wird aber immer wieder aus unterschiedlichen Gründen verschoben.

Einen wirklichen "Vorzeigestaat" gibt es unter den 17 Ländern, die vor 50 Jahren unabhängig wurden, nicht. Im Gegenteil: Die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation steht in einem krassen Gegensatz zu all den Hoffnungen und Visionen, mit denen die jungen Nationen vor 50 Jahren in die Unabhängigkeit gingen.

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