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Der Wolfsjunge

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Der Wolfsjunge L'enfant sauvage

Jörn Hetebrügge

/ 3 Minuten zu lesen

Der Wolfsjunge (© picture-alliance / KPA Honorar & Belege )

Frankreich 1970
Drama

Kinostart: 1971 (BRD)
Verleih: /
Regie: François Truffaut
Drehbuch: François Truffaut, Jean Gruault nach dem Buch "Memoires et rapport sur Victor del'Aveyron" von Jean Itard
Darsteller/innen: Jean-Pierre Cargol, François Truffaut, Françoise Seigner, Jean Dasté, Claude Miller, Annie Miller u. a.
Kamera: Néstor Almendros
Laufzeit: 83 Min.
Format: 35mm, Schwarzweiß, Breitwand
FSK: ab 6 J. (Video/DVD-Auswertung)
Altersempfehlung: ab 12 J.
Klassenstufen: ab 7. Klasse
Themen: Erziehung, Moral, Individuum und Gesellschaft, Kindheit/Kinder, Natur
Unterrichtsfächer: Deutsch, Französisch, Kunst, Geschichte, Philosophie, Gesellschaftskunde, Ethik, Religion

Südfrankreich, 1798. In den Wäldern von Aveyron entdeckt eine Bäuerin einen etwa 10-jährigen, verwilderten Jungen, der offenbar ohne menschliche Betreuung aufgewachsen ist und weder sprechen noch aufrecht gehen kann. Er wird nach Paris gebracht, wo er in einem Institut für Taubstumme ein trauriges Dasein fristet. Während der Anstaltsleiter das Kind für schwachsinnig hält und es in eine Irrenanstalt überführen will, glaubt der Arzt Jean Itard, den Jungen erziehen zu können, und holt ihn zu sich in sein Haus. Unermüdlich unterrichtet er dort das Kind, das er Victor tauft. Trotz vieler Misserfolge gelingt es Itard, Victor die Bedeutung einiger geschriebener Wörter zu vermitteln und sein Gerechtigkeitsempfinden zu wecken.

Ungewöhnlich für Kinoproduktionen der frühen 1970er-Jahre, wurde Der Wolfsjunge von François Truffaut in Schwarz-Weiß inszeniert, was dem in ruhigen Bildern eingefangenen Geschehen eine dokumentarische Natürlichkeit verleiht. Der Blick der Kamera konzentriert sich dabei auf Victor und seinen Lehrer, der den Lernprozess des Jungen im Voice-Over kommentiert. Außer Itards Stimme und zwei pointiert eingespielten Vivaldi-Stücken prägen nicht zuletzt Ab- und Aufblenden das bedächtige Tempo des Films. Als zusätzliches strukturierendes Element setzte Truffaut Irisblenden ein – ein weiteres anachronistisches Stilmittel, das vor allem in der Stummfilmära Anwendung fand. Der Regisseur nutzte es nicht nur, um seinen Film optisch altern zu lassen, sondern auch, um seine Arbeit als Autor zu markieren: Truffaut, der selbst in die Rolle Itards schlüpfte, schuf mit Der Wolfsjunge tatsächlich ein sehr persönliches Werk, das zahlreiche autobiografische Bezüge aufweist. Er selbst galt in seiner Jugend als schwer erziehbar und verbrachte einige Zeit in Heimen.

Es gibt wohl keinen zweiten Kinofilm, der das schwierige Erlernen und Lehren der Sprache so anschaulich zeigt wie Truffauts Werk Der Wolfsjunge, das auf den Aufzeichnungen von Jean Itard basiert. Besonders interessant ist dabei, dass Truffaut die Unterrichtung des wilden Jungen mit der essenziellen Frage verknüpft, was den Menschen letztlich zum Menschen macht. Für den schulischen Einsatz bietet sich der Film zudem in Hinsicht auf pädagogische Fragestellungen an, zumal im historischen Kontext der 1968er-Bewegung, die sich gegen autoritäre Erziehungsmodelle und deren Ausrichtung auf bürgerliche Werte wandte. Truffauts Film ergreift hier keineswegs eindeutig Partei und gibt auch keine Antworten, sondern stellt vielmehr Erziehungsziele und -methoden zur Diskussion.

Informationen und Materialien

Interner Link: bpb.de: Spezial Filmkanon: Der Wolfsjunge

Mehr zum Thema auf kinofenster.de

Externer Link: Wolfsbrüder (Filmbesprechung vom 07.05.2012)
Externer Link: Sie küssten und sie schlugen ihn (Pädagogisches Begleitmaterial vom 29.08.2008)
Externer Link: Sein und Haben (Filmbesprechung vom 01.01.2003)
Externer Link: Moderne Erziehungsmodelle (Hintergrund vom 01.01.2003)

Fussnoten

Weitere Inhalte

Geboren 1971. Studium der Deutschen Literatur, Politologie und Soziologie in Hannover, 2003-2005 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgschichte an der TU Dresden. Lebt und arbeitet als freier Autor mit Schwerpunkt Kino in Berlin.