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Die Ehe der Maria Braun

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Die Ehe der Maria Braun

Cristina Moles Kaupp

/ 3 Minuten zu lesen

Die Ehe der Maria Braun (© picture-alliance)

Deutschland 1978
Drama, Melodram

Kinostart: 1979
Verleih: Basis Filmverleih/Deutsche Kinemathek
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich
Darsteller/innen: Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Hark Bohm, Gisela Uhlen, Gottfried John, Elisabeth Trissenaar u. a.
Kamera: Michael Ballhaus
Laufzeit: 120 Minuten
Format: 35 mm, Breitwand, Farbe
Preise: Auswahl: Internationale Filmfestspiele Berlin 1979: Silberner Bär für beste Hauptdarstellerin (Hanna Schygulla); Deutsches Filmband in Gold (1979): Beste Regie (Rainer Werner Fassbinder), Beste Darstellerin einer Hauptrolle (Hanna Schygulla), Beste Darstellerin einer Nebenrolle (Gisela Uhlen), Bestes Szenenbild (Norbert Scherer, Helga Ballhaus)
FSK: ab 12 J.
Altersempfehlung: ab 15 J.
Klassenstufen: ab 10. Klasse
Themen: (Deutsche) Geschichte, Frauen, Individuum (und Gesellschaft), Liebe, Krieg/Kriegsfolgen
Unterrichtsfächer: Deutsch, Geschichte, Politik, Ethik

Während eines Luftangriffs heiratet Maria 1943 den Soldaten Hermann Braun. Tags darauf muss er an die Front und bleibt nach Kriegsende verschollen. Maria beginnt in einer Bar zu arbeiten, wo sie den afroamerikanischen G.I. Bill kennenlernt. Als Hermann überraschend heimkehrt und die beiden in flagranti erwischt, erschlägt Maria Bill. Ihr Mann nimmt die Schuld auf sich und geht ins Gefängnis. Maria hält an ihrer Liebe zu Hermann fest, auch nachdem sie die Geliebte – und tüchtige Referentin – des Industriellen Karl Oswald geworden ist. Als Hermann entlassen wird, setzt er sich jedoch nach Kanada ab und kehrt erst nach Karls Tod 1954 zurück. Dieser hat das Paar als Erben bestimmt. Kaum haben sie davon erfahren, sterben Maria und Hermann bei einer Gasexplosion.

Die Ehe der Maria Braun ist ein Melodram mit konkretem Zeitbezug. Über neun Jahre hinweg verfolgt der Film die Entwicklung der Titelfigur zur "Mata Hari des Wirtschaftswunders". Handlungsorte sind authentisch ausgestattete, klaustrophobisch wirkende Innenräume, die das Innenleben der Protagonisten/innen illustrieren. Innerhalb des Bildausschnitts setzen zudem oft Wände, Bögen und Fenster zusätzliche Begrenzungen, so dass die darin agierenden Figuren isoliert oder beengt wirken. Die Außenwelt drängt durch einen bisweilen überlauten Ton ein: Kriegslärm, Suchmeldungen, Presslufthämmer, Politikeransprachen, Schlager oder zuletzt die Live-Übertragung des Endspiels der Fußball-WM 1954. Der Film beginnt und endet mit einer Detonation. Eine zusätzliche zeitliche Klammer bilden Politiker-Porträts: anfangs ein Bild Adolf Hitlers, im Nachspann Negativaufnahmen der ersten Bundeskanzler der Nachkriegszeit bis Helmut Schmidt, wobei auffällt, dass Willy Brandt fehlt.

Die Ehe der Maria Braun erzählt nicht nur das Drama einer unerfüllten Liebe, sondern ist auch ein vielschichtiges Zeit- und Milieuporträt. So kann im Unterricht analysiert werden, welches Bild Fassbinder von der Nachkriegszeit und dem beginnendem Wirtschaftswunder zeichnet. Maria Braun steht mit ihrem untrüglichen Gespür für den Wert von Gütern und ihrem eigenen Körper beispielhaft für jene Frauen, die den Wiederaufbau vorantrieben. Während sie beruflich Karriere macht und so das Wirtschaftswunder personifiziert, kühlt sie emotional ab: Ökonomie statt Vergangenheitsbewältigung. Ihre Welt explodiert, als sie erfährt, dass auch sie nur als Ware zwischen Hermann und Karl "gehandelt" wurde. Ist ihr Tod Unfall oder Suizid? Diskutiert werden sollte auch, welche Aussage der Regisseur mit den Kanzler-Porträts trifft. Nicht zuletzt regt der Film dazu an, sich mit der Rolle Fassbinders für den Neuen Deutschen Film auseinanderzusetzen.

Informationen und Materialien

Interner Link: bpb.de: Dossier Filmkanon: Die Ehe der Maria Braun

Externer Link: Rainer Werner Fassbinder Foundation

Externer Link: filmportal.de

Mehr zum Thema auf kinofenster.de:

Externer Link: Angst essen Seele auf (Pädagogisches Begleitmaterial vom 29.09.2006)
Externer Link: Fontane – Effi Briest (Pädagogisches Begleitmaterial vom 29.09.2006)
Externer Link: Das Wunder von Bern (Filmbesprechung vom 01.10.2003)
Externer Link: Wahrheit und Wirklichkeit im (west-)deutschen Film (Hintergrund vom 09.08.1999)

Fussnoten

Weitere Inhalte

Nach dem Studium arbeitete sie als Redakteurin für Popmusik in den 1990ern beim "tip" und wechselte dann zum "Tagesspiegel". Seit 1996 schreibt sie als freie Journalistin u.a. für den WDR, "Spiegel Online", die Bundeszentrale für politische Bildung, "fluter" und den "tip" mit Schwerpunkt Film.