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Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

1.12.2010

M 02.04 Interview mit den Tätern.

Drei Mobber sprechen über ihre Erfahrungen als Täter

Was fühlen Mobbingtäter und wie sehen sie ihr Verhalten selbst? In diesem Transkript einer amerikanischen Radioshow kommen drei verschiedene Mobber selbst zu Wort und äußersn sich zu ihrem Mobbingverhalten.

In der Radiosendung Talk of the Nation, die 3,4 Millionen Zuhörer in den USA erreicht, spricht der preisgekrönte Radiojournalist Neil Conan mit seinen Gästen und Anrufern über das Thema Mobbing. Im Studio befindet sich auch Ms. Wiseman, eine Buchautorin, die ebenfalls zu Wort kommt.

Anlass zu dieser Sendung gab ein Vorfall in Georgia : Ein Highschool Schüler mit dem Asperger-Syndrom erhängte sich, weil er gemobbt wurde. Die Eltern des Schülers verklagen nun die Schule, weil sie der Meinung sind, dass es durch mehr Einsatz von Seiten der Schule hätte verhindert werden können. Neil Conan spricht die (ehemaligen) Täter direkt an um zu verstehen warum sie Mobben, wie sie es tun und wenn sie sich geändert haben, wie dies geschah.

Mary

Mary: Ich bin ein Mobber.

Conan: Wen hast du gemobbt?

Mary: Sie verwenden die Vergangenheit. Ich habe die Gegenwart verwendet. Ich bin ein Mobber.

Conan: Und wen mobben sie also?

Mary: Jeden, der schwächer ist als ich. Genau wie ich Ihnen gerade erklärt habe, dass Sie die Vergangenheit statt der Gegenwart verwendet haben. Dies ist eine Form des Mobbens und ich mache dies ständig. Und es gibt mir das Gefühl mächtig zu sein. Es gibt mir das Gefühl besser zu sein als ich – wie ich weiß – bin. Es gibt mir das Gefühl Kontrolle zu haben, obwohl ich nichts davon bin.

Conan: Mary, Ich muss sagen, dass ich als Kind gemobbt wurde. Ich kann das von Ihnen verkraften. Das war kein Mobben, aus meiner Sicht.

Mary: Geben sie an?

Conan: Nein, nein, nein, Ich wollte sagen ...

Mary: Oh doch, tun Sie. Natürlich tun Sie es. Ja, ja, ja. Ja, tun Sie. Und ob sie es tun: "Ich kann das von ihnen vertragen, Mary." Womit geben Sie an?

Conan: Nun, fangen Sie an.

Mary: Ich bin nicht glücklich darüber, ein Mobber zu sein, und mir von Ihnen sagen lassen zu müssen, "Ich kann das von Ihnen vertragen, Mary", das ist nicht die richtige Art und Weise mit einem Mobber umzugehen.

Ms. Wiseman: Nun ja, wenn ich dazu etwas sagen dürfte: Was mir besonders wichtig ist, ist dass man Menschen mit Würde behandeln muss, dass man ihren Wert anerkennen muss. [...] Und das ist es was Mobbing macht: Es nimmt den Menschen ihre Stimme. Und für mich klingt es so, als würden Sie auch glauben[...], dass andere Menschen das Recht haben, ihre Meinung zu sagen. Sie haben das Recht auf eine eigene Meinung. Ist das richtig, oder verstehe ich das falsch?

Mary: Ich denke nicht, dass das irgendetwas damit zutun hat wie und warum ich oder andere Menschen mobben. Was Sie sagen ist nichts Neues. Selbstverständlich würden wir sagen, "Oh ja, ich glaube, dass andere mit Respekt behandelt werden sollten." Das bedeutet nicht, dass wir in der Realität so handeln. Ich bin ein Mobber, nicht weil ich nicht glaube, dass andere Menschen mit Würde behandelt werden müssen. Ob ich das glaube oder nicht ist irrelevant. Was relevant ist, ist die Tatsache, dass ich Menschen schlecht behandele.

Conan: Haben Sie Kontrolle darüber ...

Mary: Und ich behandele Menschen schlecht, weil ich mich wegen mir selbst schlecht fühle. Deswegen sind Mobber, von Kindheit an, so wie ich als Kind ein Mobber war – Ich habe Lehrer gemobbt. Ich habe eine Lehrerin in der dritten Klasse gemobbt, bis sie die Schule verließ, und ich fand es großartig. [...] Mobber verstehen alles, was Sie sagen, und sind nicht in der Lage die Tatsache, dass sie mobben werden, zu kontrollieren.

Conan: Verstehe ich nicht – also die Tatsache, das nicht kontrollieren können. Haben Sie versucht sich zu ändern?

Mary: Ja, habe ich. Ich bin zufällig Psychologin, was ein großartiges Berufsfeld für mich ist, da dort Menschen zu mir heraufschauen und ich mich nicht minderwertig fühlen muss. Aber Tatsache ist, dass ich außerhalb des Berufslebens ein Mobber bin. Ich mobbe Menschen, die schwächer sind als ich. [...] Ich möchte kein Mobber sein. Ich würde gerne irgendwann da herauswachsen, oder in der Lage sein es zu kontrollieren, aber bis zum jetzigen Punkt in meinem Leben bin ich nicht in der Lage dies zu tun, und ich mobbe.


Brenda

Ich war ein Mobber in der Unterstufe, nicht sehr lange. In der achten Klasse bin ich zu einer jungen Dame gegangen, die meine beste Freundin bei den Pfadfinderinnen war. Wir waren etwa sechs Jahre gemeinsam Pfadfinderinnen. Und ich ging eines Tages einfach zu ihr hin und habe ihr die Brille aus dem Gesicht geschlagen, absolut ohne Anlass, und zerbrach ihre Brille. Ich habe eine Menge Ärger bekommen.

Ich wurde in das Büro des Direktors gebracht und meine Eltern wurden kontaktiert, und es war ziemlich schrecklich. Und ich habe bis vor ein paar Jahren nicht erkannt, dass ich zur gleichen Zeit, in der ich mobbte, auch gemobbt wurde. Ich wurde etwa ein Jahr lang von einem anderen Mädchen gemobbt, sie hat Dinge getan wie hinter mir her zu laufen und mir in die Hacken zu treten.

Ich meine das klingt harmlos im Vergleich zu manchen Dingen, die wir in den Nachrichten heute sehen, aber sie hat mich einfach schrecklich belästigt. Ich habe mich miserabel gefühlt. Und was mir nun auffällt ist, dass mich niemand jemals gefragt hat. Als ich in das Büro des Direktors ging, haben sie mich nicht gefragt tut dir jemand etwas Ähnliches an?


Tony

Als ich in Kind in der Unterstufe war, wurde ich gemobbt. Ich war extrem unbeliebt. Ich war – ich denke, was man heute einen Nerd nennen würde, allerdings war das in den 80er Jahren, also hatten wir keinen Namen dafür. Aber ich war wirklich unbeliebt und ich wurde ziemlich hart von vielen Leuten gemobbt.

Ungefähr in der neunten Klasse hat sich wohl mein Humor und die Art wie ich redete und alles Mögliche so geändert, dass ich zu den anderen aufgeschlossen habe. Und ich wurde selbst ein wenig beliebt und es war fast sofort so, dass ich selbst anfing zu mobben. Ich habe selbst jahrelang diese Qualen ertragen und sofort habe ich angefangen Leute zu finden, über die ich mich lustig machen konnte – sobald ich mich in dieser beliebteren Clique wiederfand – und habe dafür gesorgt, dass sie sich schlecht fühlen.

Als ich hier angerufen habe, hat mich der Screener gefragt ob ich mich jemals dafür entschuldigt habe. Und ich habe es noch ganz klar vor Augen. Es war vermutlich in der zehnten oder elften Klasse, als ich mich gerade daran gewöhnt hatte, nicht wirklich beliebt, aber sicherlich nicht mehr in der Situation wie in der Unterstufe, zu sein. Da fühlte ich mich so schlecht wegen dieses einen Mädchens. Sie war ein wenig übergewichtig und in meinem Englischkurs. Und ich erinnere mich, dass ich mich so lange über sie lustig gemacht habe, bis sie in der Klasse zu weinen angefangen.

Und ich erinnere mich daran, dass ich mich zu der Zeit, ich weiß nicht ob mächtig oder nur so zufrieden mit mir, gefühlt habe. Und dann, wenn ich darauf zurückblicke, wie schrecklich war das. Ich habe drei Jahre selbst damit zu tun gehabt. Und in dem Moment, in dem ich das Gefühl hatte, Macht über jemand anderen zu haben habe ich sie ergriffen und ausgenutzt. [...]

Sie war eigentlich eine sehr nette Person. Sie hat meine Entschuldigung angenommen. Und ich habe sie seitdem bei mehreren Klassentreffen wiedergesehen und wir sind gut mit einander ausgekommen. Ich weiß nicht, ob es für sie eine auch nur annähernd so große Sache war wie für mich. Ich meine, sie weinte und ich entschuldigte mich.

Ich sagte "Weißt du, ich weiß nicht, warum ich dich so behandelt habe. Ich war immer nett, du warst immer nett zu mir. Ich war immer nett zu dir. Und etwas hat mich einfach überkommen und ich habe dem Einfluss der Clique nachgegeben und Dinge getan, die ich nicht hätte tun sollen. Und ich habe mich deswegen wirklich schlecht gefühlt." Also ...

Ms. Wiseman: Ich denke, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es ihr viel bedeutet hat. Und ich denke auch, dass es niemals zu spät ist, zurückzugehen und sich und anderen gegenüber etwas einzugestehen, das Sie getan haben, was jemand anderen verletzt hat, und dass dies sie als Menschen grundlegend verändern kann.


Quelle:

npr: Former Bullies Share What Motivated Behavior, Sendung vom 23.03.2010, Audio sowie Transkription zur Sendung: http://www.npr.org/templates/story/story.php?storyId=125065190;

Übersetzung der Transkription: Sebastian Stolte


Arbeitsaufträge:

  1. Lies dir die Auszüge des Interviews mit den drei Mobbingtätern gut durch.
  2. Halte stichpunktartig für jeden fest, wann, wie und wen sie gemobbt haben.
  3. Wie beurteilen die drei Mobber selbst ihr (Mobbing-)Verhalten?
  4. Inwiefern unterscheiden sich die drei Mobber voneinander?


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