Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

1.12.2010

M 02.06 Welche Folgen hat Mobbing für die Opfer?

Jugendliche und Kinder, die in ihrer Schulzeit Opfer von Mobbing und Gewalt ("Bullying") geworden sind, leiden oft ihr ganzes Leben daran. Die Folgen und Auswirkungen, die Mobbing auf das Leben der Opfer haben kann, werden in diesem Material erläutert.

Jugendliche und Kinder, die in ihrer Schulzeit Opfer von Mobbing und Gewalt ("Bullying") geworden sind, leiden oft ihr ganzes Leben daran, dass sie über einen längeren Zeitraum von einzelnen Mitschülern zu Außenseitern gemacht oder sogar ganz aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen wurden.

Häufig verschließen sich Mobbingopfer gegenüber ihren Eltern und den Lehrern erst einmal, da sie nicht glauben, dass ihnen aus ihrer schlimmen Lage geholfen werden kann. Dabei leiden sie innerlich, ihre Gedanken kreisen nur um das, was ihnen in der Schule widerfährt und sie können nur an die Quälereien denken, die sie am nächsten Tag in der Schule wieder erwarten. Oft vertrauen sie sich erst dann einem Lehrer oder ihren Eltern an, wenn der Leidensdruck so hoch wird, dass sie es nicht mehr aushalten können.

Die Folgen, die sich aus diesem Gefühl der Ohnmacht, der Ausgegrenztheit und des Nicht-Angenommen-Fühlens ergeben, sind umfassend und betreffen alle Lebensbereiche:
  • Geringeres Selbstwertgefühl und Selbstbeschuldigungen (z. B: "Kein Wunder, dass mich keiner mag"),
  • Isolation und Einsamkeitsgefühle,
  • Angst und Traurigkeit, Depression,
  • Schlafstörungen und Alpträume,
  • Appetitlosigkeit, evtl. auch Ess-Störungen,
  • Psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen etc.,
  • Leistungsrückgang in der Schule und in der Freizeit,
  • Fernbleiben von der Schule,
  • Selbstmordgedanken und Selbsttötung.


Oftmals spüren die Opfer die Folgen von schulischer Gewalt ein ganzes Leben lang. Dan Olweus, ein schwedischer Psychologe, der sich seit vielen Jahren mit der Gewaltproblematik an Schulen beschäftigt, konnte durch eine Studie u.a. herausfinden, dass Kinder und Jugendliche, die im Alter von 13 und 16 Jahren von ihren Mitschülern schikaniert wurden, auch im Alter von 23 Jahren häufiger an Depressionen, mangelndem Selbstwertgefühl leiden und sich von ihrem sozialen Umfeld wie Familie und Freunde zurückziehen.

Es fällt ihnen auch oft schwer, im Privat- und Berufsleben Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, da sie das Vertrauen in ihre Mitmenschen verloren und Angst haben, wieder verletzt zu werden. Daher leben viele Mobbingopfer auch im Erwachsenenalter ein zurückgezogenes Leben und sind sehr vorsichtig damit, wem sie ihr Vertrauen entgegenbringen. Dass sich die Schikanierungen im Kindes- und Jugendalter ins Gedächtnis einbrennen können, zeigt eine andere Studie, die herausfand, dass sich viele Opfer auch noch 40 Jahre später daran erinnern. Ein weiterer trauriger Aspekt ist, dass nach Expertenschätzungen ca. 20% aller Selbsttötungen durch Mobbing ausgelöst werden.

Eine neue Dimension des Bullyings ist das sog. Cyber-Mobbing, das durch das Medium Internet geschieht. In sozialen Netzwerken (z.B. SchülerVz, Facebook etc.) können Kinder und Jugendliche anonym und ungehindert ihre Meinung über andere preisgeben und bestimmte Menschen systematisch schikanieren, indem sie z.B. Lügen oder Beschimpfungen über sie in der Öffentlichkeit verbreiten. Für die Opfer ist diese Form des Mobbings unter weiteren Aspekten sehr belastend: Da das Mobbing durch das Medium "Internet" geschieht, erfährt das Opfer zwar eine gewisse Distanz zu den Tätern, genaue diese Distanz motiviert die Täter aber auch zu einer besonderen verbalen Aggressivität. Zudem liegen dem Opfer die Demütigungen in schriftlicher und dauerhafter Form vor und es kann diese zu jedem Zeitpunkt im Netz abrufen. Dadurch findet das Mobbing unabhängig von Zeit und Ort statt, so dass es für das Opfer keinen Ort und keinen Zeitraum mehr gibt, an dem es von den Demütigungen befreit ist. Von Mobbinghandlungen, die in der Schule und in direkter Konfrontation geschehen, ist das Opfer in diesem Sinne zu Hause ja "befreit". Die Opfer von Cyber-Mobbing hingegen berichten von einem dauerhaften Drang, immer wieder kontrollieren zu müssen, ob wieder etwas Neues über sie im Internet verbreitet wurde. Dadurch können sie nicht zur Ruhe kommen und neue Kräfte aufbauen. Auch der Aspekt der Öffentlichkeit im Internet wird als besonders belastend empfunden, da die Beschimpfungen auch von Unbeteiligten gelesen werden können, die dann möglicherweise ein schlechtes Bild von dem Opfer haben. Das Opfer fühlt sich auch bei persönlichen Begegnungen stark verunsichert und möchte seine Person selbstverständlich "ins rechte Licht rücken".

Die Folgen, die bislang beschrieben wurden, gehören der Kategorie der nach innen gerichteten Probleme an - auch Internalisierung genannt. Es gibt jedoch Fälle, wo sich die Folgen von Mobbing nach außen richten, was Externalisierung genannt wird:

Das Mobbingopfer tritt äußerst aggressiv auf, wird später selbst zum Täter. Dieses nach außen gerichtete Verhalten tritt v.a. bei den Opfern auf, die in den Zeiten der verbalen und körperlichen Attacken keine/n beste/n Freund/in hatten, die sich in ihre Lage hineinversetzen (fehlende Empathie) und ihnen helfen konnten.

Ebenso ist zu beobachten, dass Opfer zu einem späteren Zeitpunkt vorwiegend dann eine Täterrolle übernehmen, wenn sie die eigenen Geschehnisse nicht ausreichend verarbeitet haben und in bestimmten Situationen keine andere Handlungsmöglichkeit sehen, als einen Mitschüler in der Weise zu behandeln, wie sie es selbst erfahren haben.

Die vielfältigen Folgen von Mobbing zeigen, wie sehr die Opfer unter Stress stehen und letztlich auch langfristig an diesen Erfahrungen psychisch und körperlich erkranken können. Wie der einzelne Betroffene nun tatsächlich mit den Erfahrungen umgeht, hängt auch von seiner Persönlichkeit ab; manche Jugendliche leiden sehr stark unter derartigen Übergriffen, andere können sich vielleicht ein bisschen erfolgreicher von den Attacken abgrenzen und später besser verarbeiten. Um die Folgen möglichst gering zu halten, helfen vor allen Dingen Vertrauenspersonen, welche die Opfer verstehen und sie unterstützen.


Quelle:

Eigener Text nach:

Fawzi, N.: Cyber-Mobbing. Ursachen und Auswirkungen von Mobbing im Internet, Baden-Baden: Nomos-Verlag 2009, S. 108f.

Gebauer, K.: Mobbing in der Schule, Weinheim und Basel: Beltz 2007, S. 102ff.

Jonas, K. / Boos, M.: Zivilcourage trainieren! Theorie und Praxis, Göttingen: Hogrefe 2007, S. 98.

Landesinstitut für Schulentwicklung, Landesbildungsserver Baden-Württemberg: Abschlussbericht des Mobbing-Telefon-Projekts, 2002, S. 11-13, http://www.schule-bw.de/lehrkraefte/beratung/beratungslehrer/auffaelligkeiten/mobbing/mobbing1.pdf

Landscheidt, K.: Wenn Schüler streiten und provozieren. Richtig intervenieren bei antisozialem Verhalten, München u. a.: Reinhardt 2007, S. 199f.


Arbeitsaufträge:

  1. Lies dir den Text gut durch.
  2. Welche Folgen kann Mobbing haben? Wie wirkt sich Mobbing auf das Leben der Opfer aus?
  3. Welche Reaktionen der Opfer auf das Mobbing gibt es?
  4. Die Folgen von bzw. Reaktionen auf Mobbing werden in die beiden Kategorien Internalisierung und Externalisierung unterteilt. Was bedeuten diese beiden Kategorien und wie unterscheiden sie sich?
  5. Vielen Tätern ist häufig nicht bewusst, welche Folgen Mobbing für die Opfer hat. Wie wird ein Täter reagieren, wenn er von den Folgen erfährt? Was denkst du? Nimm bitte begründet Stellung.


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