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Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

30.6.2010

Info 02.03 Anzeichen für Mobbing

Mobbing findet häufig im Verborgenen statt, so dass man als Lehrer/in die Mobbingattacken häufig gar nicht mitbekommt oder diese nicht als solche wahrnimmt. Der schwedische Psychologe und Professor für Persönlichkeitspsychologie Dan Olweus hat Kriterien entwickelt, die helfen können, Probleme frühzeitig zu erkennen und Sensibilität gegenüber dem Thema auszubilden.

Wird ein Schüler zum Opfer von Mobbing, gibt es hierfür ein oder (gewöhnlich) mehrere Anzeichen. Die unten stehenden Kriterien wurden von Dan Olweus entwickelt, einem schwedischen Psychologen und Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Bergen (Norwegen). Er gilt als Vordenker, wenn das Thema Gewalt an Schulen behandelt wird.

Das von ihm entwickelte Interventionsprogramm wird und wurde an vielen Schulen international erfolgreich eingesetzt, um gegen Mobbing und Gewalt an Schulen vorzugehen. Die hier zitierten Kriterien sollen Lehrerinnen und Lehrern dazu dienen, Probleme frühzeitig zu erkennen und ihre Sensibilität gegenüber dem Thema auszubilden.

Unterschieden wird dabei in Primär- und Sekundäranzeichen. Primäranzeichen sind unmittelbarer der Gewaltopfer-Situation zuzuordnen, aber auch Sekundäranzeichen sind – wenn auch nicht so unmittelbar und stark – dennoch häufig ein Hinweis auf Mobbing.

Quellentext

Dan Olweus: Gewalt in der Schule

Auszug aus Dan Olweus: Gewalt in der Schule: Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können:

In der Schule

Primäre Anzeichen

Kinder oder junge Leute, die gemobbt werden, können eines oder (gewöhnlich) mehrere der folgenden Anzeichen aufweisen: Sie werden (wiederholt) auf hässliche Weise gehänselt, beschimpft (sie können auch herabsetzende Spitznamen tragen), verhöhnt, herabgesetzt, lächerlich gemacht, eingeschüchtert, entwürdigt, bedroht, hemmkommandiert, tyrannisiert, unterdrückt.
  • Man macht sich über sie lustig und lacht sie aus in herabsetzender und unfreundlicher Art und Weise.
  • Man reitet auf ihnen herum, stößt sie herum, schiebt sie beiseite, pufft sie, schlägt sie, tritt sie (und sie sind nicht fähig, sich selbst angemessen zu wehren).
  • Sie werden in "Streitigkeiten" und "Kämpfe" hineingezogen, in denen sie fast wehrlos sind und aus denen sie versuchen, sich zurückzuziehen (vielleicht weinend).
  • Ihre Bücher, ihr Geld und anderer Besitz werden ihnen weggenommen, beschädigt oder verstreut.
  • Sie haben Prellungen, Verletzungen, Schnitte, Kratzer oder zerrissene Kleidung, für die es keine natürliche Erklärung gibt [...].
Sekundäre Anzeichen
  • Sie sind (oft) allein und ausgeschlossen von der Gruppe Gleichaltriger in den Pausen und beim Essen. Sie scheinen keinen einzigen guten Freund oder Freundin in der Klasse zu haben.
  • Sie werden bei Mannschaftsspielen als letzte ausgewählt.
  • Sie versuchen, sich in der Pause in der Nähe des Lehrers oder der Lehrerin oder anderer Erwachsener aufzuhalten.
  • Sie haben Mühe, vor der Klasse zu sprechen und machen einen ängstlichen und unsicheren Eindruck.
  • Sie scheinen hilflos, unglücklich, deprimiert, den Tränen nahe zu sein.
  • Sie zeigen eine plötzliche oder allmähliche Verschlechterung ihrer Schulleistungen.[...]

Allgemeine Merkmale möglicher Opfer

[...]
  • Sie können körperlich schwächer sein als ihre Altersgenossen (gilt besonders für Jungen).
  • Sie können "Körperangst" haben: Sie fürchten sich, verletzt zu werden oder sich selbst zu verletzen, sind körperlich untüchtig bei Spielen, Sport und Kämpfen; sie haben eine schlechte Körperbeherrschung (das gilt besonders für Jungen).
  • Sie sind vorsichtig, empfindsam, still, zurückgezogen, passiv, untergeordnet und scheu, sie können leicht in Tränen ausbrechen.
  • Sie sind ängstlich, unsicher, unglücklich, besorgt, haben ein negatives Bild von sich selbst (mangelndes Selbstvertrauen); in gewissen Sinne "signalisieren" sie anderen, dass sie wertlos und unzulänglich sind.
  • Sie sind Menschen, die sich nicht wehren, wenn sie angegriffen oder beleidigt werden – sie sind "ein leichtes Ziel".
  • Sie haben Mühe, sich in einer Gruppe Gleichaltriger durchzusetzen, sowohl körperlich als auch mit Worten und in anderer Weise: gewöhnlich sind sie nicht aggressiv, spöttisch oder herausfordernd [...].
  • Oft haben sie ein besseres Verhältnis zu Erwachsenen (Eltern, Lehrkräfte) als zu Gleichaltrigen.
  • Sie können gut, durchschnittlich oder schlecht in ihren Schulleistungen sein, sie erzielen gewöhnlich (aber nicht unbedingt) schlechtere Zensuren in den Unterklassen der weiterführenden Schulen.

Herausfordernde Opfer

[...] Die herausfordernden Opfer, die eine Kombination von ängstlichen und aggressiven Reaktionsmustern in verschiedener Ausprägung zeigen können. Das Gewalttäter-/Gewaltopfer-Problem bei einem provozierenden Opfer ist dadurch gekennzeichnet, dass viele Schüler und Schülerinnen, vielleicht die ganze Klasse, am Mobben beteiligt sein können. Wie ihr eher passives Pendant kann das herausfordernde Opfer körperlich schwächer sein als andere Gleichaltrige (bei Jungen) und "Körperangst" haben.

Allgemein ist dieser Typ wahrscheinlich ängstlich, unsicher, unglücklich und besorgt, mit einem negativen Selbstbild. Außerdem können die herausfordernden Opfer (die vor allem wahrscheinlich Jungen sind):
  • hitzköpfig und kampfbereit oder mit frechen Antworten zur Stelle sein, wenn sie angegriffen oder beleidigt werden, aber gewöhnlich ohne große Wirkung.
  • hyperaktiv, rastlos, unkonzentriert und allgemein angriffslustig sein und Spannungen erzeugen; sie können ungeschickt und unreif mit ärgerlichen Angewohnheiten sein.
  • offensichtlich unbeliebt sein auch bei Erwachsenen, sogar bei ihrem Lehrer oder ihrer Lehrerin.
  • selbst versuchen, schwächere Schüler und Schülerinnen zu tyrannisieren.

Dan Olweus: Gewalt in der Schule: Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können, 4. korr. Aufl. Bern: Huber 2006, S. 61-64.



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