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20.6.2013

Didaktische Konzeption

Ziele des Unterrichtsprojektes

Ziel des Unterrichtsprojektes "Partizipation 2.0" ist es, Jugendlichen mit der Nutzung des Web 2.0 eine zusätzliche Möglichkeit zur politischen Mitsprache und Beteiligung zu eröffnen. Ein solches Vorhaben hat das Potential, den jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, fachlich fundiert und handlungsorientiert an demokratischen Prozessen der Willensbildung und Entscheidungsfindung mitzuwirken. So können sie zunächst Wissen über E-Partizipation, Angebote und Beiteilungsformen erarbeiten. Hierbei werden neben den Möglichkeiten auch die Grenzen und Gefahren der Internetnutzung in den Blick genommen, sodass die Jugendlichen zu einem reflektierten Umgang mit dem Medium gelangen. Ausgehend hiervon können die Jugendlichen ihre Interessen und Aktivitäten im Bereich E-Partizipation anhand einer aktivierenden Befragung in ihrer Gruppe, Klasse oder direktem Umfeld erforschen. Sie nehmen neben ihrer persönlichen Perspektive durch die Betrachtung aktueller Vergleichsdaten auch die gesellschaftliche Perspektive in den Blick. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse können die Jugendlichen zu einer echten Partizipation gelangen, indem sie einen Aktionsschwerpunkt entwickeln und mithilfe des Web 2.0 ihr Anliegen stark machen. Eine solche Aktion beginnt mit der Meinungsbildung und -äußerung, verharrt aber nicht an diesem Punkt. Ziel sollte es sein, andere (Jugendliche) für das Anliegen zu begeistern bzw. bei offiziellen Ansprechpartnern (z. B. in der Kommune oder bei Unternehmen) eine Reaktion zu erwirken und Veränderungen anzustoßen. Das Web 2.0 dient hierbei als Mittel der Teilhabe, das – entsprechend den jeweiligen Zielen – neben den anderen, klassischen Formen der Partizipation eingesetzt wird.

Möglichkeiten der E-Partizipation

E-Partizipation äußert sich in "Formen politischer Teilhabe, bei denen sich Bürger(innen) elektronischer Informations- und Kommunikationstechnologien bedienen, um mit staatlichen Organen oder untereinander an allen möglichen Stellen politischer Prozesse in Kontakt zu treten".[1]

Partizipation im Netz kann verschiedene Grade der Teilhabe in Anspruch nehmen. Auch "offline" erstreckt sie sich von der Interessens- und Meinungsbildung über die Mitsprache und Mit-Entscheidung zur Aktivbeteiligung (vgl. auch M 02.09). Der Einbezug von Jugendlichen in Entscheidungsprozesse geschieht häufig auf kommunaler Ebene, in der Regel über Kinder- und Jugendparlamente, offene Beteiligungsformen und Projekte in freier Trägerschaft. Im Web 2.0 eröffnen sich alternative Formen der Kommunikation, mittels derer Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungsfindung der Parlamente, Regierungen und Behörden einbezogen werden. Die Beiteilung kann allerdings auch - in einem weiteren Sinne - als (Mit-)Gestaltung von demokratisch-gesellschaftlichen Prozessen verstanden werden. Jugendliche sind dann gleichberechtigt und können wirklich an Entscheidungen mitwirken, wenn ihre Kenntnisse, Fähigkeiten, Überzeugungen und Interessen für die Entwicklung und Durchführung einer Beteilgungsaktion im Netz aufgenommen und ernst genommen werden. Im Web 2.0 eröffnet sich für diese Zielsetzungen eine Kommunikation, die
  • zwischen den Jugendlichen und anderen Bürgerinnen und Bürgern stattfindet, z. B. indem die Schülerinnen und Schüler im Netz (z. B. über einen Blog) Leserinnen und Leser über ein für sie politisch relevantes Thema informieren und/oder sie zu weiteren Handlungen motivieren (z. B. über eine inoffizielle Online-Petition).
  • von den Jugendlichen ausgeht und an eine Organisation oder an die Regierung auf kommunaler, Landes- oder sogar Bundesebene gerichtet ist.
  • die, ausgehend von der Regierung oder Nichtregierungsorganisationen, direkt an Internetnutzer/-innen bzw. Jugendliche gerichtet ist, z. B. Informationsangebote oder sogenannte E-Konsultationen (www.e-konsultation.de, herausgegeben vom Bundesministerium des Innern), bei denen Nutzer/-innen zu vorgegebenen Fragestellungen in einer Online-Umfrage Stellung beziehen können.
Diese unterschiedlichen Kommunikationswege können zu einer verschieden ausgeprägten Intensität der Aktivierung bei den Jugendlichen führen. So unterscheiden Wagner, Brüggen et al. drei Formen der Partizipation im Netz: sich positionieren (z. B. Gruppenmitgliedschaften), sich einbringen (z. B. von Aktionen berichten; Musik, Videos oder Bilder mit inhaltlichen Aussagen hochladen, mit anderen diskutieren), andere aktivieren (z. B. online zu Aktivitäten aufrufen).[2] Bei der Gestaltung der einzelenen Bausteine werden diese Ebenen, Intensitätsgrade und Kommunikationswege der E-Partiziaption in den Blick genommen und für ein Projekt im Unterricht oder in der Jugendarbeit nutzbar gemacht.

Fußnoten

1.
Grimme-Institut. Gesellschaft für Medien, Bildung und Kultur mbH (Hrsg.): Im Blickpunkt. E-Partizipation, 2011, http://www.grimme-institut.de/imblickpunkt/pdf/imblickpunkt_e-partizipation.pdf, S. 2.
2.
Wagner, Ulrike / Brüggen, Niels / Gebel, Christa: Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung. Analyse jugendnaher Internetplattformen und ausgewählter Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen. JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis München (Hrsg.). München: 2009. Online unter: http://www.jff.de/dateien/Bericht_Web_2.0_Selbstdarstellungen_JFF_2009.pdf.

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