30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Der Zauberer von Oz

23.10.2014 | Von:
Philipp Bühler

M

Ein Seiltanz zwischen selbstverliebter Virtuosität und gekonnter Reduktion, Genrekollage und präzisem Blick auf gesellschaftliche Strömungen.

M – Eine Stadt sucht einen MörderM – Eine Stadt sucht einen Mörder (© picture alliance / United Archives )

Deutschland 1931
Kriminalfilm

Kinostart: 1931 (Weimarer Repubik)
Verleih: Deutsche Kinemathek
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Darsteller/innen: Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Theodor Loos, Inge Landgut, Ellen Widmann u. a.
Kamera: Fritz Arno Wagner
Laufzeit: 117 Min.
Format: 35mm, Schwarzweiß
FBW: Besonders wertvoll
FSK: ab 16 J.
Altersempfehlung: ab 16 J.
Klassenstufen: ab 11. Klasse
Themen: Filmgeschichte, Gesellschaft, (Deutsche) Geschichte, Selbstjustiz, Todesstrafe, Psychologie
Unterrichtsfächer: Deutsch, Geschichte, Religion, Ethik, Psychologie, Kunst

Im Jahr 1931 wird Berlin von einem unheimlichen Kindermörder heimgesucht. Das Hinterhofkind Elsie ist sein neuntes Opfer. In einer durch Angst, neue Presseschlagzeilen und die Ankündigung weiterer Taten aufgeheizten Stimmung verfolgt die Polizei jede Spur. Ihre verschärften Kontrollmaßnahmen rufen jedoch lediglich die Unterwelt auf den Plan, die sich in der Ausübung ihrer "Arbeit" gestört sieht und einen ungewöhnlichen Entschluss fasst: Die Kriminellen wollen den Mörder selbst fangen und "die Bestie ausrotten". Nach einer straff organisierten Hetzjagd gelingt es, den Triebtäter Hans Beckert zu fassen und vor ein Tribunal zu stellen. Die Polizei kann gerade noch eingreifen, um den Lynchmord zu verhindern.

Fritz Langs filmkünstlerischer Meilenstein ist alles in einem: Großstadtmelodram, Kriminalfilm, Gangsterfilm und beeindruckendes Psychogramm eines Mörders. Im Stil der Neuen Sachlichkeit und in Abkehr von seinen früheren "Großfilmen" wie Metropolis (Deutschland 1927) verbindet Lang glaubhafte – wenn auch typisierte – Milieustudien zu einer gesamtgesellschaftlichen Analyse. Jede Kameraeinstellung, jeder Schnitt dient der Charakterisierung und der Verortung in einem Kontext. So werden etwa in aufwändigen Parallelmontagen die Methoden von Polizei und Kriminellen in kritische Beziehung gesetzt. Noch dem deutschen Expressionismus verpflichtet sind eine suggestive Symbolik – ein Luftballon als Bild kindlicher Unschuld, die Allgegenwart von Messern – und die zielgenaue Verwendung der neuen Tontechnik. Berühmt wurde insbesondere die gepfiffene Melodie aus der Oper Peer Gynt, mit der sich der Mörder verrät.

Fritz Langs Film, besetzt mit Schauspielgrößen wie Gustaf Gründgens und Peter Lorre, ist mehr als ein Stück Filmgeschichte. Anhand des dunklen Themas Kindermord analysiert der Regisseur die Triebkräfte einer auseinanderbrechenden Gesellschaft: Boulevardmedien nutzen berechtigte Ängste zur Schürung einer Massenhysterie, kriminelle Elemente verkörpern das "gesunde Volksempfinden" und drängen auf Selbstjustiz, die demokratischen Institutionen Polizei und Politik agieren hilflos. Die Parallelen zur Endzeitstimmung der Weimarer Republik sind offensichtlich. Lang selbst behauptete später sogar, er habe mit dem staatsstreichartigen Vorgehen der Ganoven vor dem Nationalsozialismus warnen wollen. Quellenanalysen zu solchen und anderen spannenden Fragen können die filmsprachliche Diskussion im Unterricht – etwa zum Verhältnis von Ton- und Bildebene – ergänzen. Von zeitloser Aktualität ist Langs Auseinandersetzung mit der Todesstrafe, wobei er ein abschließendes Urteil dem Publikum überlässt.

Informationen und Materialien
bpb.de: Dossier Filmkanon: M – Eine Stadt sucht einen Mörder
http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/filmbildung/filmkanon/43541/m-eine-stadt-sucht-einen-moerder

filmportal.de
http://www.filmportal.de/film/m_84e5ce1e5633491d85d9a16f7711d437

Institut für Kino und Filmkultur: Filmheft
http://www.film-kultur.de/filme/m_eine_stadt_sucht.html

mediaculture.online: M – Eine Stadt sucht einen Mörder
http://www.mediaculture-online.de/M-Eine-Stadt-sucht-einen-Moe.57.0.html

Mehr zum Thema auf kinofenster.de:
Sound Design – Ton im Film (Hintergrund vom 24.01.2012)
Vom Stummfilm zum Tonfilm (Hintergrund vom 24.01.2012)
Metropolis - Fritz Langs Leinwandepos auf der Berlinale (Hintergrund vom 27.01.2010)


Das Internet hat unsere Kommunikationskultur nachhaltig verändert – vor allem für Jugendliche, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Kinofenster.de untersucht, wie das Smartphone den Alltag der Digital Natives prägt, welche Bedeutung die Neuen Medien für die Bildung und wie sie Eingang in filmische Erzählwelten gefunden haben. Passend zum Thema gibt es Unterrichtsmaterial von der Grundschule bis zur Oberstufe.

Mehr lesen auf kinofenster.de

Dossier

Film

Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

Mehr lesen