30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
Der Zauberer von Oz

23.10.2014 | Von:
Stefan Stiletto

Blade Runner

The Blade Runner

Die postapokalyptische Welt "Blade Runners" spiegelt die Geisteshaltung der 80er Jahre. Zugleich widmet sich der Film universelleren Fragen und ist in jeglicher Hinsicht ein Klassiker des Genres.

Blade Runner – PlakatBlade Runner – Plakat (© picture alliance / United Archives/IFTN )

USA 1982/1991/2007
Science-Fiction

Kinostart: 1982 (BRD)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Hampton Fancher, David Webb Peoples nach dem Roman "Träumen Androiden von elektrischen Schafen? " von Philip K. Dick
Darsteller/innen: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, Daryl Hannah u. a.
Kamera: Jordan Cronenweth
Laufzeit: 116 Min
Sprachfassung: dt. F., OF
Format: 35mm, Farbe
Festivals / Preise: (Auswahl): BAFTA Film Award 1983: Beste Kamera (Jordan Cronenweth), Bestes Kostüm (Charles Knode, Michael Kaplan), Beste Ausstattung (Lawrence G. Paull)
FBW: besonders wertvoll
FSK: ab 16 J.
Altersempfehlung: ab 16 J.
Klassenstufen: ab 11. Klasse
Themen: Identität, Philosophie, künstliche Intelligenz, Roboter, Zukunft, Stadt
Unterrichtsfächer: Deutsch, Englisch, Ethik/Religion, Kunst

Los Angeles im Jahr 2019: Wer es sich finanziell leisten kann, hat den verschmutzten Planeten Erde verlassen und lebt in Weltraumkolonien. So genannte Replikanten, Roboter mit künstlicher Intelligenz in Menschengestalt, werden dort als tatkräftige Arbeitssklaven eingesetzt. Eines Tages fliehen fünf dieser Replikanten auf die Erde und der Kopfgeldjäger Rick Deckard wird angeheuert, um sie "in den Ruhestand zu versetzen" – eine euphemistische Bezeichnung für deren Zerstörung. Je näher Deckard jedoch den Replikanten kommt, desto mehr wachsen in ihm Zweifel, ob er selbst ein Mensch ist.

Mit der Romanvorlage Träumen Androiden von elektrischen Schafen? (1968) von Philip K. Dick hat der wegweisende Science-Fiction-Film nur noch wenige Handlungs- und Dialogfragmente gemeinsam. Stattdessen übersetzt Ridley Scott die Geschichte in düstere, überaus atmosphärische Bilder, die insbesondere den Großstadtmoloch Los Angeles durch ein ausgefeiltes Szenenbild greifbar und real wirken lassen und die die Ikonografie des Cyberpunk-Subgenres maßgeblich geprägt haben. Dabei folgt Blade Runner dem Stil des Film noir sowohl visuell durch das Spiel mit Licht und Schatten als auch narrativ. Deckard ist ein zweifelnder, gebrochener Antiheld, der kaum als Vorbild taugt. Vermittelt die Kinofassung von 1982 noch durch einen Voice-Over-Kommentar einen direkten Einblick in seine Gedanken, so fehlt dieser im so genannten, vom Verleih beauftragten Director's Cut von 1991 ebenso wie das ursprüngliche optimistische Ende.

Vor allem aus dem dystopischen Setting und der Gegenüberstellung von Mensch und Maschine entwickelt Blade Runner zahlreiche ethisch-philosophische Themen. So werden nicht nur die Lebensbedingungen auf einer zerstörten und überbevölkerten Erde angerissen, sondern auch deren soziale Folgen. In den Mittelpunkt rückt jedoch die Frage, was Menschen auszeichnet, was Menschlichkeit bedeutet und welche Rolle Individualität spielt, wobei in diesem Zusammenhang auch das im Film wiederkehrende Augenmotiv interpretiert werden kann. Dabei führt der Film die Sinnsuche seiner Protagonisten/innen zuweilen bis ins Religiöse, etwa wenn er einen Replikanten als verlorenen Sohn seinem Schöpfer gegenüber treten und ihn um ein längeres Leben bitten lässt. So perfekt sind diese Maschinen, dass sie sich sogar vor dem Tod fürchten. Und die Rolle von Gott hat ein Gentechniker eingenommen.

Informationen und Materialien
bpb.de: Spezial Filmkanon: Blade Runner
http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/filmbildung/filmkanon/43611/blade-runner

filmeducation.org: Study Guide Blade Runner (engl.)
http://www.filmeducation.org/resources/film_library/getfilm.php?film=1426

Mehr zum Thema auf kinofenster.de:
Maschinenmenschen im Film (Hintergrund vom 26.10.2010)
Metropolis - Fritz Langs Leinwandepos auf der Berlinale (Hintergrund vom 27.01.2010)
Androiden, Cyborgs und Roboter - Künstliche Menschen im Film (Kinofilmgeschichte vom 12.12.2006)


Das Internet hat unsere Kommunikationskultur nachhaltig verändert – vor allem für Jugendliche, die mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Kinofenster.de untersucht, wie das Smartphone den Alltag der Digital Natives prägt, welche Bedeutung die Neuen Medien für die Bildung und wie sie Eingang in filmische Erzählwelten gefunden haben. Passend zum Thema gibt es Unterrichtsmaterial von der Grundschule bis zur Oberstufe.

Mehr lesen auf kinofenster.de

Dossier

Film

Ungeachtet der Bedeutung neuer digitaler Entwicklungen spielt auch der Film als historisch gewachsene und nach wie vor sehr massenwirksame Kunstform eine zentrale Rolle für die Medienbildung. Die Frage nach dem Wie und Warum filmischer Darstellungformen ist dabei wesentlich für eine mündige Rezeption und sachkundige Einordnung der dargebotenen fiktionalen wie auch dokumentarischen Stoffe. Jeder Film spiegelt stets seine sozialen und kulturellen Kontexte wider. Daher ist es wichtig, das Medium nicht nur als mehr oder minder künstlerisch ambitioniertes Unterhaltsprodukt zu betrachten, sondern sich immer auch kritisch mit seinen offenen und verborgenen politisch-ideologischen Botschaften auseinanderzusetzen - und der Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

Mehr lesen