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22.6.2020

Vor 70 Jahren: Beginn des Koreakrieges

Am 25. Juni 1950 starteten nordkoreanische Truppen eine Offensive gegen den Süden. Es war der Beginn eines Krieges, der innerhalb von drei Jahren mehrere Millionen Todesopfer forderte. Er sorgte für eine zunehmende Polarisierung im Kalten Krieg und zementierte die Spaltung Koreas. Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag.

Das Bild zeigt die Landung von US-Fallschirmjägern in einer kargen Landschaft im Norden Koreas im Oktober 1950.US-Fallschirmjäger landeten im Oktober 1950 im Norden Koreas nahe der Grenze zu China. Im Koreakrieg (1950-1953) unterstützten die USA den westlich ausgerichteten Süden, chinesische und sowjetische Soldaten kämpften an der Seite des kommunistisch dominierten Nordkoreas. (© picture-alliance, akg-images)

Der Zweite Weltkrieg war in Asien noch keine fünf Jahre vorbei, als nordkoreanische Truppen am 25. Juni 1950 in den Süden einmarschierten. Dem nordkoreanischen Staatschef Kim Il-sung war es mit Unterstützung der Sowjetunion binnen kurzer Zeit gelungen, eine schlagkräftige Armee aufzubauen, die den südkoreanischen Kräften weit überlegen war. Die anhalten Grenzkämpfe zwischen der kommunistisch dominierten "Demokratischen Volksrepublik Korea" im Norden und der westlich ausgerichteten "Republik Korea" im Süden gipfelten schließlich in einem blutigen Konflikt, der mehrere Millionen Todesopfer forderte und die Weltpolitik nachhaltig beeinflusste. Er gilt als erster Stellvertreterkrieg zwischen West und Ost und als Beschleuniger des Wettrüstens im Kalten Krieg.

Teilung im Zeichen des Kalten Krieges

Nachdem Korea 1910 von Japan annektiert und in den folgenden Jahrzehnten als Kolonie ausgebeutet worden war, besetzten zum Ende des Zweiten Weltkrieges die USA und die Sowjetunion das Land. Am 38. Breitengrad wurde 1945 eine Demarkationslinie vereinbart, die die beiden Besatzungszonen voneinander trennte: Die Sowjetunion regierte nördlich, die USA südlich dieser Linie.

Was als vorübergehende Lösung gedacht war, wurde zum Dauerzustand. Im Zuge des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion verschärfte sich auch der Konflikt zwischen den koreanischen Landesteilen. Die Sowjetunion unter Josef Stalin förderte im Norden den ehemaligen Partisanenkämpfer Kim Il-sung als Vorsitzenden der Kommunistischen Partei (KP) Koreas. Die USA stützten ihrerseits im Süden Rhee Syng-man, das ehemalige Oberhaupt der provisorischen Exilregierung Koreas (1919-1945), der 1945 nach Korea zurückgekehrt war.

Nach dem Abzug des US-Militärs bemühten sich die Vereinten Nationen ab Anfang 1948, ein unabhängiges Südkorea zu schaffen. Trotz anhaltender Proteste fanden am 10. Mai 1948 Wahlen im Süden statt und Rhee Syng-man wurde zum Präsidenten gewählt. Er rief am 15. August 1948 die Republik Korea aus. Wenige Wochen später reagierte die Führung im Norden um Kim-Il-sung mit der Ausrufung der "Demokratischen Volksrepublik Korea". Beide beanspruchten für sich die alleinige Vertretung Koreas und wollten das Land – notfalls unter militärischem Einsatz – unter ihrer jeweiligen Regierung vereinen. Immer wieder kam es zu Gefechten an der Grenze bis schließlich am 25. Juni 1950 mit dem Einmarsch nordkoreanischer Truppen nach Südkorea der Krieg ausbrach.

Die Rolle der Vereinten Nationen

Nach Beginn der Kampfhandlungen forderten die USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Nordkoreas Vorgehen als Friedensbruch zu deklarieren. Sie setzten die Resolution 82 durch, auf deren Grundlage der Sicherheitsrat wenige Tage später einem Militäreinsatz zustimmte. Die Resolution konnte zustande kommen, da die Sowjetunion seit sechs Monaten den Sicherheitsrat boykottierte und somit nicht vom ihrem Vetorecht Gebrauch machen konnte.

Den Oberbefehl über die UN-Truppen übernahmen die USA. Bis zu 930.000 Soldaten aus Südkorea, den USA und weiteren Staaten waren zwischen 1950 und 1953 Teil des Kommandos der Vereinten Nationen (United Nations Command, UNC).

Kriegsverlauf

Im Oktober 1950 überschritten die UN-Truppen die Demarkationslinie, um Nordkorea zu besetzen. Sie drängten ihre Gegner bis an die Grenzen Chinas zurück. DochChinas kommunistische Führung unter Mao Tse-tung entsandte etwa 400.000 "Freiwillige" zur Unterstützung Nordkoreas. Außerdem schickte die Sowjetunion Kampfpiloten. Anfang Dezember eroberten sie Pjöngjang zurück.

Angesichts des sich gewendeten Kriegsverlaufs rief US-Präsident Truman am 16. Dezember 1950 in den USA den Notstand aus – erstmals in der Geschichte des Landes. Das Militärbudget wurde gesteigert, mehr Soldaten rekrutiert. Für die US-Regierung war die Unterstützung Südkoreas zu diesem Zeitpunkt auch innenpolitisch ein Symbol für einen entschiedenen Kampf gegen den Kommunismus.

Unterdessen verschlechterte sich die Situation für die UN-Soldaten und die südkoreanischen Streitkräfte in Korea: Sie wurden bis an den 38. Breitengrad zurückgedrängt. Im Anschluss überschritten die Chinesen und Nordkoreaner die Demarkationslinie und besetzten die Stadt Seoul. Einen von General MacArthur geforderten Einsatz von Atombomben gegen China lehnte Truman letztlich ab. MacArthur wurde 1951 durch Matthew Ridgway ersetzt.

Hohe Opferzahlen, kaum Landgewinn

Die UN-Truppen unter Führung der USA drängten die nordkoreanischen und chinesischen Truppen im weiteren Verlauf des Krieges erneut zurück. Ab Juli 1951 wurden Waffenstillstandsverhandlungen geführt, die aber zunächst scheiterten.

Der Krieg war in der Mitte der koreanischen Halbinsel zum Stellungskrieg ohne nennenswerte Gebietsgewinne erstarrt. Exakte Opferzahlen des Koreakrieges gibt es nicht, doch Schätzungen zufolge starben in dem Krieg zwischen 1950 und 1953 insgesamt 3,5 bis 4,5 Millionen Menschen, darunter hunderttausende Zivilisten, die bei Flächenbombardements ums Leben kamen. Denn der Koreakrieg wurde vor allem als Luftkrieg geführt: Nahezu alle Städte Nordkoreas und zahlreiche Dörfer wurden zumindest teilweise zerstört, was tausende Menschen zur Flucht Richtung Süden zwang.

Massaker wurden von beiden Seiten verübt: Auf ihrem Rückzug nach Norden nahmen die Nordkoreaner Geiseln und Zwangsarbeiter und töteten Tausende. Auch die Gegenseite tötete Zivilisten; viele wurden als vermeintliche nordkoreanische Partisanenkämpfer ermordet.

Am 27. Juli 1953 endete der Koreakrieg mit einem von den USA und der Sowjetunion initiierten Waffenstillstand. Ein wichtiger Faktor dafür war der Tod Stalins, in dessen Folge sich der außenpolitische Kurs der Sowjetunion kurzzeitig änderte. Das Abkommen besiegelte die Teilung der koreanischen Halbinsel: Eine etwa 250 Kilometer lange und vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone wurde in etwa entlang der ursprünglichen Demarkationslinie eingerichtet. Sie trennt beide Landesteile bis heute.

Korea-Konflikt bleibt ungelöst

Die Folgen des Koreakriegs reichen bis in die Gegenwart. Erstens dauert die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen bis heute an. 2005 wurde dazu eine Wahrheits- und Versöhnungskommission nach südafrikanischem Vorbild eingesetzt. Zweitens ist der Krieg bis heute nicht offiziell beendet; ein Friedensvertrag ist auch fast 67 Jahre nach Ende der Kampfhandlungen nicht geschlossen. Seit 1990 gab es zwar immer wieder Phasen der Annäherung zwischen den beiden koreanischen Staaten, doch die Verständigung erwies sich stets als brüchig.

Hinzu kommt, dass die nordkoreanische Atompolitik seit Jahrzehnten das Verhältnis überschattet: 2003 trat Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus; 2007 unterzeichneten die Staatschefs beider Länder eine Friedenserklärung, in der Nordkorea zusagte, sein Kernwaffenprogramm zu beenden. Zum Friedensvertrag kam es dennoch nicht, da Nordkorea zwei Jahre später abermals Kernwaffentests durchführte und Kurzstreckenraketen abfeuerte.

Auch internationale Bemühungen um eine Entspannung des Konflikts scheiterten bislang. 2013 stieg Nordkorea aus dem Waffenstillstandsvertrag aus und drohte mit einem Atomkrieg, was international scharf verurteilt wurde. Im Juni 2018 gaben US-Präsident Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un eine gemeinsame Erklärung ab, wonach sich Nordkorea im Gegenzug für US-amerikanische Sicherheitsgarantien zur Entnuklearisierung verpflichtete. Dazu ist es jedoch bis heute nicht gekommen. Im Juni 2020 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea erneut, als Nordkorea sein Verbindungsbüro im Süden sprengen und Soldaten an die Grenze verlegen ließ – als Reaktion auf die Sanktionen der USA.

Unklar ist, welche Rolle China in Zukunft bei der Befriedung des Konfliktes spielen könnte. Das Land unterhält weiterhin Beziehungen zu Nordkorea.

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