👨👩👧👦 Familienpolitik
Interner Link: #22 Bekommen Familien zu wenig staatliche Unterstützung?
et la France? Hat mich doch sehr gewundert, dass das Land nicht auftaucht. Nach meinem Wissen wird Familienpolitik dort als staatliche Aufgabe zur Bereitstellung von Infrastruktur und Personal verstanden - nicht als finanzielle Förderung Erziehungsberechtigter. [...]
Guter Hinweis! Auch in Frankreich verläuft die Entwicklung der Geburtenrate ähnlich wie in Deutschland, wenngleich auf einem etwas höheren Niveau von 1,6 statt 1,4 Kindern. Dieses höhere Niveau Externer Link: erklärt sich das Handelsblatt auch mit der besseren Infrastruktur in der Kleinkindbetreuung – die übrigens auch zu niedrigeren Teilzeitquoten unter Frauen führt. Doch führt auch das nicht zu einer Trendumkehr, denn die Probleme – veränderte Lebensmodelle, hohe Preisniveaus, unsichere Zukunft – sind an beiden Rheinufern dieselben. Aus diesen Gründen haben wir uns im letzten Newsletter für Beispiele entschieden, die sich noch mehr von Deutschland unterscheiden.
Ich habe den Artikel "Interner Link: #22 Bekommen Familien zu wenig staatliche Unterstützung?“ gelesen und muss sagen, dass ich echt verärgert bin. In gewisser Weise spiegelt der Artikel die gesellschaftliche Haltung und Ignoranz in Deutschland gegenüber Familien und Kindern wieder: Ein bisschen Elternzeit da, ein bisschen Elterngeld hier und noch etwas Kindergeld - das muss doch reichen. Aber Politik für Familien bedeutet so viel mehr. Warum sollte es nicht genauso wie „Health in all policies" ein Querschnittsthema sein, dass alle Ressorts von Bundesebene bis Kommune gemeinsam und mit ihren eigenen Möglichkeiten voranbringen?
Wie unglaublich ist es, dass in vielen Bundesländern mehrere hundert Euro jeden Monat für einen Kitaplatz bezahlt werden müssen? Warum wird das in dem Artikel nicht benannt? Wie unglaublich ist es, dass Familien in großen Städten ein krasses Problem haben einen passenden Wohnraum zu finden, der bezahlbar ist? Wie unglaublich ist es, dass Kinder sobald sie älter werden in vielen öffentlichen Einrichtungen, im ÖPNV usw. mitbezahlen müssen? [...] All diese Aspekte würden den Familien deutlich mehr Sicherheit geben, um verlässlich in die Familienplanung gehen zu können.
Familienpolitik hört nicht bei dreijährigen Kindern auf. [...] Es ist heute leichter mit Elterngeld (das bisher noch nie (!) erhöht wurde) und Elternzeit usw. Ohne Frage. Aber Kinder bleiben nicht drei Jahre alt. Kinder werden älter und das wird in dem Artikel total ausgeblendet.
Du hast Recht, die Familienpolitik hört selbstverständlich nicht mit drei Jahren auf. Auch der Vorschlag, Familienpolitik analog zum HiaP-Ansatz als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ zu begreifen, hört sich sehr spannend an. Wir hoffen aber auch auf dein Verständnis dafür, dass wir bei den Themen die wir behandeln, nicht alle Aspekte mit aufnehmen können. Da wir ja versuchen, jeden Monat Hintergrundinformationen zu einer gerade laufenden wirtschaftspolitischen Diskussion aufzubereiten, beziehen wir uns größtenteils auch auf die Hauptpunkte dieser politischen Debatten, die sich hier vor allem ums Kindergeld drehten.
Zur Familienpolitik, zur Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland gibt es auf bpb.de aber noch einiges an weiterführenden Infos:
Ihr schreibt, dass vor allem die vergangenen Ereignisse, wie Inflation/Krieg/Pandemie dafür gesorgt haben, dass Kinderwünsche „aufgeschoben“ wurden. Dabei habt ihr den Klimawandel gar nicht erwähnt. War das Absicht oder gibt es dazu wirklich keine Datenlage?
Meine Freundin sagt nämlich beispielweise, dass sie keine Kinder bekommen möchte, wenn die Welt bald quasi zur Wüste wird und durch Wasserknappheit Kriege entstehen. Das hat gar nicht so viel mit der aktuellen politischen Lage zu tun und ist auch deutlich schwieriger „abzuwarten, bis es besser wird“, weil sich diese Probleme ja auch eher immer weiter zuspitzen.
Eine belastbare Datenlage dazu gibt es bislang nicht. Zwar Externer Link: schrieb etwa das Handelsblatt 2023 unter Berufung auf eine nicht-repräsentative Umfrage eines Online-Marktforschungsunternehmens, dass die Hälfte der 16- bis 24-Jähringen in Deutschland ihren Kinderwunsch im Lichte des Klimawandels aufgegeben oder abgeschwächt hätten. Repräsentative Langzeitstudien wie zum Beispiel die „Shell Jugendstudie“ kommen aber zu dem Ergebnis, dass die Kinderwünsche von Jugendlichen in Westdeutschland seit 2002 sogar gestiegen sind, während sie im Osten gesunken sind (Westdeutschland: 64 % in 2002 vs. 69 % 2024; Ostdeutschland: 75 % vs. 65 %). Die Hauptgründe, warum viele junge Menschen keine Kinder haben wollen: der Wunsch nach Ungebundenheit und die Angst vor finanziellen Risiken, Externer Link: so die Studie. Gerade junge Frauen belastet außerdem die mangelhafte Vereinbarkeit von Beruf und Familie und „die Vorstellung einer Welt voller Krisen“. Was die Studie auch herausgefunden hat: nur knapp die Hälfte der Jugendlichen blickt optimistisch auf die eigene Zukunft.
🧓 Rente
Interner Link: #13 Wie sicher ist die Rente?
Zur Zeit werden die gesetzliche Rente und Betriebsrenten aus Mitteln gezahlt, die von Arbeitnehmern jeweils sehr zeitnah erwirtschaftet und als Rentenbeitrag vom Lohn direkt und erkennbar abgeführt werden.
Bei einer kapitalgedeckten Rente wird das Geld der Arbeitnehmer über lange Zeit am Kapitalmarkt angelegt und bringt Erträge, aus denen dann diese Art von Rente gezahlt wird. Die Erträge aus den Anlagen - und damit die ausgezahlten Renten - werden auch hier zeitnah von Arbeitnehmern erwirtschaftet, die das aber nicht direkt merken, weil das Geld über andere Kanäle fließt [...]. Es scheint, das Geld käme woanders her, ist aber auch hier das Ergebnis zeitnaher, menschlicher Arbeit.
Kurz gesagt: Renten können auf Dauer nur gezahlt werden, wenn die Mittel dafür zeitnah erwirtschaftet werden, und das erledigen in beiden Fällen die Erwerbstätigen. - Wo ist da grundsätzlich ein Unterschied?
Du spielst hier auf das Mackenroth-Theorem an:
Externer Link: Kritiker berufen sich auf Mackenroth, um gegen die kapitalgedeckte Rente zu argumentieren, denn in ihren Augen – wie du das richtig zusammenfasst – erwirtschaften immer die gerade Erwerbstätigen die Bezüge der derzeitigen Rentner. Individuelles Sparverhalten lässt sich hier nicht Interner Link: auf die gesamtwirtschaftliche Ebene übertragen, und auch ein Aktiensystem ist in dieser Sichtweise am Ende einfach ein modifiziertes Umlageverfahren.
Für Befürworter des Kapitalverfahrens gibt es aber doch einen Unterschied zwischen beiden Systemen: „Denn umlagefinanzierte Renten werden aus den Einkommen der beitragspflichtigen Erwerbstätigen einer Volkswirtschaft finanziert, während kapitalgedeckte Systeme aus Unternehmens- und Vermögenseinkommen gespeist werden, die häufig im Ausland erwirtschaftet wurden. Die Ansprüche an ein kapitalgedecktes System werden also aus anderen Quellen und von einem anderen Personenkreis bedient als die umlagefinanzierten Renten.“, Externer Link: schreibt etwa Bert Rürup.
💶 Zentralbanken
Interner Link: #12 Was macht eigentlich eine Zentralbank?
Die EZB hat doch eine geraume Zeit Anleihen gekauft - sie hat jetzt damit aufgehört - was passiert denn jetzt mit diesen gekauften Anleihen in sehr großer Zahl?
Die EZB hält die Anleihen generell bis zur Fälligkeit. (Dadurch vermeidet sie auch Abschreibungen, die ja ansonsten bei steigenden Renditen fällig würden.) Auslaufende Anleihen wurden zunächst durch neue ersetzt. Das ist nun nicht mehr der Fall. Dadurch sinken die Bestände tatsächlich („Externer Link: Quantitative Straffung“). 3,35 Billionen Euro – das ist etwas mehr als die Hälfte der Bilanzsumme des Eurosystems. Siehe Externer Link: hier unter Punkt 7.1.
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