In Politik und Öffentlichkeit scheinen derzeit andere Fragen drängender. Doch der hinter uns liegende Sommer hat gezeigt: Der Klimawandel ist da und macht nicht vor Europa halt. Deshalb fragen wir uns heute bei "Zahlen, bitte!": Wie ist der Stand beim Klimaschutz? Wie entwickeln sich die Emissionen und was hindert die Welt, sie zu reduzieren? Hoffnung liegt vielleicht im technologischen Fortschritt – doch auch der muss erstmal weltweit kommen.
Hinter uns liegt ein weiterer sehr warmer, niederschlagsarmer Sommer. In Europa herrschte Trockenheit. Die Flüsse führen wenig Wasser. Der Rhein ist seit Monaten kaum schiffbar. Im Himalaya-Land Nepal kam es vor einigen Wochen zu einer verheerenden Flutkatastrophe – Folge von schmelzenden Gletschern und starken Regenfällen. Der Klimawandel geht weiter und scheint sich zu beschleunigen. Europa gilt inzwischen als besonders stark betroffen.
Im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger und auch in der Politik hat das Thema allerdings an Dringlichkeit verloren. Die Externer Link: Sorgen in Europa und auch der Deutschen drehen sich inzwischen eher um steigende Preise, schwache Wirtschaft und internationale Konflikte.
Klima und Umwelt waren noch vor wenigen Jahren ganz oben auf der Agenda. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und dem folgenden Inflationsschock von 2022 sind unmittelbarere Probleme in den Vordergrund gerückt. Das heißt nicht, dass die Klimaerwärmung keine Rolle mehr spielen würde. Eher ist sie Teil einer neuen Normalität geworden.
Entsprechend verschieben sich auch politische Prioritäten. Während lange Zeit die weitere Verringerung des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen im Mittelpunkt stand, geht es nun – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen westlichen Ländern – verstärkt um Maßnahmen des Klimamanagements und der Klimaanpassung: Schatten und Grünflächen in Städten, Kühlung in Krankenhäusern und Altenheimen, Schutz vor Überflutungen und Wasserspeicherung für längere Trockenperioden.
Tatsächlich haben viele Länder in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Ausstoß von Klimagasen zu senken, so auch Deutschland. Die sogenannte Energiewende, eingeleitet von der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000, hat den Interner Link: Ausbau erneuerbarer Energien (Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse) frühzeitig forciert. CO2-Abgaben auf Benzin und Diesel haben die Kraftstoffpreise deutlich erhöht. In der EU gibt es seit 2005 ein Handelssystem für Emissionsrechte.
All diese und viele weitere Maßnahmen sind teuer – für die Bürger als Verbraucher und als Steuerzahler. Frühe (wenn auch umstrittene) Kalkulationen kamen auf Größenordnungen von Externer Link: rund 500 Milliarden Euro, die die Energiewende allein in Deutschland bislang gekostet haben soll.
In diesem Zusammenhang bleibt der Atomausstieg umstritten: 2023 wurden die letzten deutschen Interner Link: Kernkraftwerke abgeschaltet, also eine Technologie, die in anderen Ländern eine Renaissance erlebt, weil sich damit die schwankende Wind- und Sonnenenergieproduktion emissionsarm stabilisieren lässt (die aber natürlich auch von staatlichen Subventionen getragen und ebenfalls nicht günstig ist). Deutschland hingegen setzt auf den Zubau von Gaskraftwerken und Energiespeichern.
Trotz der Bemühungen in vielen Ländern reichert sich die Erdatmosphäre weiter mit Gasen an, die den Treibhauseffekt befördern (siehe Grafik 1).
Dabei geht es vor allem um CO2, das beim Verbrennen von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas freigesetzt wird. Der Anstieg der weltweiten Emissionen hat sich immerhin seit dem Jahr 2000 abgeflacht. Aber vom Ziel „Net-Zero“ – was einen Zustand beschreibt, in dem genauso viele Klimagase eingefangen wie ausgestoßen werden – ist die Welt weit entfernt.
Es stimmt also nicht, dass bisher nichts getan wurde, wie von Klimaaktivisten gelegentlich behauptet. Aber klar ist, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Die Treibhausgasemissionen steigen wieder, nach einem kurzen Absacken während der Corona-Pandemie. Der neuaufkommende Energiehunger beim Rennen um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz tut ein Übriges, zumal in den USA, wo Techkonzerne auf die Schnelle gigantische Kraftwerkskapazitäten für ihre Rechenzentren mobilisieren wollen.
⚠️ Wo ist das Problem?
Die Erdatmosphäre ist ein globales Gemeinschaftsgut. Die Gashülle, die unseren Planeten umgibt, gehört keinem Land exklusiv, wird von allen genutzt. Es gibt auch keine Weltbehörde, die die Atmosphäre im Sinne der gesamten Menschheit verwalten würde.
Das bedeutet: Selbst, wenn eines der rund 190 Länder auf der Erde sich sehr anstrengt und zu hohen Kosten die Emissionen herunterbringt, womöglich sogar auf Netto-Null, ändert das an der Anreicherung der Atomsphäre mit Klimagasen quasi nichts. Die Bürgerinnen und Bürger dort hätten deutlich spürbare Einbußen beim Lebensstandard, aber der Nutzen für die Welt als ganze wäre minimal.
Das gilt jedenfalls für die meisten Länder, auch für Deutschland übrigens, das lediglich 1,2 Prozent der weltweiten Klimagase ausstößt. Bei sehr großen Verschmutzern wie China liegen die Dinge etwas anders, dazu etwas weiter unten mehr.
Wir haben es mit einem globalen „Collective-Action-Problem“ zu tun, wie Ökonomen das nennen. Diverse Akteure müssen sich zusammenfinden und sich langfristig dem gleichen Ziel verpflichten, damit sich spürbare Ergebnisse erzielen lassen. Das ist extrem schwierig.
Selbst, wenn globale Absprachen gelingen, bleibt ein strategisches Dilemma: Jeder einzelne Staat hat einen Anreiz, sich als Trittbrettfahrer zu verhalten, also weniger bis gar nichts zu tun. Wenn sich die jeweils anderen anstrengen, das Klima zu schonen, kann man davon profitieren, ohne die Kosten tragen zu müssen.
Aber: Verhalten sich alle derart egoistisch, gibt es keinen effektiven Klimaschutz, und die Erderwärmung verschlimmert sich. Die Folge wären Belastungen, die großenteils für künftige Generationen anfallen – während die Kosten der Emissionsvermeidung hier und jetzt anfallen.
Auch die Bevölkerungszunahme spielt eine Rolle. Seit 1950 sind die weltweiten Emissionen auf das Sechseinhalbfache gestiegen. Damals lebten 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde. Heute sind es mehr als 8 Milliarden. Dass sie mehr Energie verbrauchen, ist nicht verwunderlich.
Dazu kommen Gerechtigkeitsargumente. Die entwickelten (überwiegend westlichen) Länder verdanken ihr heutiges Wohlstandsniveau ihrer frühen Industrialisierung – und dem damit verbundenen Treibhausgasausstoß. Lange Zeit standen dafür fast ausschließlich fossile Energieträger zur Verfügung, zunächst Kohle, später Öl und Gas. Für die Anreicherung der Atmosphäre mit klimaschädlichen Gasen sind deshalb historisch zunächst mal Europa und Nordamerika verantwortlich.
Ärmere Länder leiten daraus eine Art Anrecht auf nachholende Verschmutzung ab. China etwa nimmt für sich in Anspruch, sich bis 2060 Zeit nehmen zu wollen, um „CO2-Neutralität“ zu erreichen.
Das Argument mag nachvollziehbar sein, bringt die Welt einer Lösung aber auch nicht näher. Chinas Mega-Ökonomie ist inzwischen zwar Externer Link: führend im Ausbau der Erneuerbaren, aber eben auch der mit Abstand größte Emittent von Treibhausgasen. Falls auch die beiden anderen asiatischen Großvolkswirtschaften, Indien und Indonesien, diesen Weg gingen – und sich als nächstes Afrika entlang der gleichen, schmutzigen Pfade entwickelt –, wäre das desaströs.
📰 Ist das neu?
Ja und nein.
Nein. Denn der Klimawandel ist seit langem eine anerkannte Realität. 1992 fand die erste Klimakonferenz in Rio de Janeiro statt. Seither ist ein eingespielter diplomatischer Prozess entstanden, der von den Vereinten Nationen geleitet wird. Jährlich finden Klimakonferenzen statt, Externer Link: dieses Jahr im türkischen Antalya.
Und ja. Denn die technologischen Bedingungen haben sich dramatisch verbessert. Aber: Das heutige konfliktreiche geopolitische Szenario erschwert ein gemeinsames Vorgehen.
Zunächst die Technologie: Effizienzgewinne und Kostensenkungen verschaffen Sonne und Wind Wettbewerbsvorteile gegenüber fossilen Energieträgern. Das liegt vor allem an der chinesischen Massenproduktion bei Solarzellen, Batterien und bei E-Autos. Da die laufenden Kosten der Erneuerbaren nahe Null sind, wäre eine Energieinfrastruktur, die vor allem auf Wind, Sonne, Biomasse und Stromspeichern fußt, in der Lage, sehr günstige Energie zu erzeugen. Auf die teure Phase des Wechsels vom fossilen System zum erneuerbaren – der Prozess, in dem wir gerade stecken – folgt die Aussicht auf eine Zukunft mit billiger und reichlicher Energie.
Diese relativ neue Entwicklung eröffnet ärmeren Ländern die Möglichkeit, das fossile Zeitalter zu überspringen. Statt in Kohle, Gas und Öl zu investieren, könnten sie direkt in die öko-elektrische Zukunft starten. Das gilt gerade für Afrika.
China und inzwischen auch Indien investieren massiv in die Elektrifizierung durch Erneuerbare. Das hat noch zwei weitere Vorteile: Sie senken unmittelbar die Abgasbelastung in den überfüllten Metropolen. Und sie erhöhen die Interner Link: Versorgungssicherheit im Konfliktfall. Man braucht kein Klimaaktivist mehr zu sein, um Sonne und Wind gut zu finden.
Und dann ist da noch der Faktor Geopolitik. Prinzipiell könnte eine Klimakoalition der zehn größten Emittenten einen großen Unterschied machen. Diese Gruppe, nennen wir sie die „Schmutzigen Zehn“ (Grafik 2), stößt zusammen rund 70 Prozent aller Treibhausgase aus, dabei entfallen aber auch 70 Prozent der Weltwirtschaftsleistung auf sie.
Beim Blick auf die Länderliste erkennt man schnell, woran die Zusammenarbeit scheitert.
Denn die Staaten verfolgen ganz unterschiedliche Interessen: Russland lebt überwiegend vom Öl- und Gasexport und hofft, von einem Auftauen des Nordpols und der sibirischen Permafrostböden sogar zu profitieren. Saudi-Arabien, lange größter Ölproduzent der Welt, versucht seine Wirtschaft zu diversifizieren, bleibt aber auf absehbare Zeit auf Öl und Gas als Basis angewiesen. Die USA setzen unter Präsident Donald Trump, der den Klimawandel einen „Schwindel“ genannt hat, wieder massiv auf heimische Öl- und Gasvorkommen.
Die EU ist bei der Dekarbonisierung weiter fortgeschritten und hat deshalb ein Interesse daran, dass die anderen nachziehen. Brüssel ist im Begriff, Klimazölle (Carbon Border Adjustment Mechanism, CBAM) einzuführen, die verhindern sollen, dass sauberer produzierende europäische Unternehmen Wettbewerbsnachteile erleiden und schmutzige Produktion einfach ins Ausland abwandert.
Der oben geschilderte Befund, wonach kein Land allein das Klima retten kann, gilt nicht für die allergrößten Emittenten. China ist in einer Schlüsselrolle. In den vergangenen 25 Jahren ist China zum mit Abstand größten Klimaverpester herangewachsen. 28 Prozent des globalen Ausstoßes entfallen auf die - dem Namen nach kommunistische – Riesenökonomie. Aber wie bei Indien, steht das Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung im Zentrum. Beide Länder verzichten deshalb keineswegs auf Kohleverstromung, obwohl sie zugleich auch massiv in Erneuerbare investieren.
Während in Europa und den USA der Ausstoß an Treibhausgasen pro Kopf in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, ist er in China massiv gestiegen. Auch in Indien und Indonesien haben die Werte zugelegt – zuletzt auch in Russland, wo man nun so klimaintensiv lebt wie in den USA, bei deutlich niedrigerem Lebensstandard (siehe Grafik 3).
⏩ Was passiert als nächstes?
Positiv gewendet muss man sagen: Es gibt eine gewisse Entkopplung vom Wirtschaftswachstum. Deutschland stößt heute viel weniger Treibhausgase aus als 1990, während die Wirtschaftsleistung seither um etwa 50 Prozent gewachsen ist. Ähnliches gilt für andere europäische Länder. Sogar China wird zunehmend klimaeffizient, auch wenn es immer noch vergleichsweise viele Treibhausgase ausstößt. (siehe Grafik 4).
Die Gründe für diese Entwicklung liegen im allmählichen technischen Fortschritt, wodurch sich in kleinen Schritten die Energieeffizienz erhöht. Der Strukturwandel vermindert den Anteil von abgasintensiven Industrien zugunsten von Dienstleistungen.
Dies sind gute Nachrichten. Denn sie legen die prinzipielle Erwartung nahe, dass der Weg zur Klimaneutralität bei moderatem Wirtschaftswachstum – vorzugsweise im Dienstleistungssektor – möglich ist. Damit wäre Klimapolitik mit demokratischen Prozessen vereinbar.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ökonomische Stagnation und sinkende Realeinkommen die gesellschaftliche und politische Stimmung vergiften. Die Erfolge der Populisten von rechts und links in vielen Ländern, auch in Deutschland, wurzeln auch in den Verteilungskämpfen, in die sich stagnierende Volkswirtschaften verstricken. Dekarbonisierung ohne Wachstum ist deshalb theoretisch vorstellbar, politisch aber vermutlich nicht erreichbar.
Klar ist aber auch: Die Entwicklung geht viel zu langsam. Die Emissionen müssen runter, damit eine weitere Anreicherung der Atmosphäre mit Klimagasen wie CO2 gestoppt wird.
Dafür braucht es technologische Sprünge. Die Verbreitung der Erneuerbaren ist dabei ein wichtiger Faktor. Dass die Kosten der Emissionsvermeidung stark zurückgegangen sind, verschafft Solar- und Windenergie Wettbewerbsvorteile, die sich umso stärker zeigen werden, je weiter der Netzausbau samt Speicherkapazitäten für wind- und sonnenarme Zeiten fortschreitet.
Sollte Strom sehr reichlich und billig werden, wird auch die Produktion von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen („E-Fuels“) immer günstiger. Damit wären Bedingungen geschaffen, den Flugverkehr sowie industrielle Prozesse sukzessive zu dekarbonisieren.
Um die Kernfusion gibt es momentan einen gewissen Hype. Dabei handelt es sich um ein wissenschaftliches Experimentierfeld, das anstatt aus der Spaltung von Atomkernen aus deren Verschmelzung Energie erzeugen will. Risikofinanzierer wagen sich auf dieses Geschäftsfeld, wo nach Jahrzehnten des Experimentierens die realweltliche Nutzbarkeit in den Bereich des Möglichen rückt. In einigen Jahrzehnten soll sie emissions- und strahlungsfrei verfügbar sein. Wann das tatsächlich gelingt, ist aber Externer Link: schwer vorherzusehen.
Größere Bedeutung dürfte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten anderen Technologien zukommen. Zum Beispiel Direct Air Capture (CO2-Entfernung aus der Luft) und Carbon Capture and Storage (CCS, Einfangen des CO2 bei industriellen Prozessen). Die Technologien gibt es. Voraussetzung dafür wäre allerdings ein (globales) System des CO2-Emissionsrechtehandels.
Geoengineering könnte ein weiteres Feld künftiger Klimaaktivitäten sein. Sollte es zu einer extremen Erwärmung kommen, könnten Partikel in der Atmosphäre oder künstliche Reflektoren allzu intensive Sonneneinstrahlung abhalten. Risiken, Nebenwirkungen und global gesteuertes Management solcher Maßnahmen sind offene Fragen. Am besten, die Menschheit lässt es nicht so weit kommen.
Die Kosten eines verspäteten Ausstiegs aus der Karbonökonomie steigen massiv und dürften noch deutlich weiter zunehmen. Anpassungsmaßnahmen werden immer teurer.
Aber: Guter Wille allein ändert nichts an der Lage. Deutschland ist bei der Energiewende über viele Jahre ineffizient vorgegangen. Wir sind immer noch (nach Russland) der größte Emittent in Europa, viel schmutziger als Frankreich, Großbritannien oder Skandinavien. Was wir tun können: neue Technologien zur Marktreife vorantreiben, ein Beispiel geben in Sachen Kosteneffizienz.
Auch wenn das Thema derzeit auf der politischen Agenda nach hinten gerückt ist, so verändert es doch sichtbar die Gesellschaften. Viele Bürger sind beseelt von dem moralischen Impuls, sich individuell nicht mitschuldig machen zu wollen. Ein nachhaltiger Lebensstil gehört inzwischen für viele zu einem sinnerfüllten Leben dazu. Andere fühlen sich persönlich bevormundet, wenn sie sich durch Politik und Öffentlichkeit zu Einschnitten bei Urlaub, Mobilität und Ernährung gedrängt sehen.
Die großen Entwicklungslinien jedoch sind politisch. Das heißt: Sie müssen auf politischer Ebene durch und zwischen Staaten gelöst werden – mit einer Mischung aus Anreizen, Ver- und Geboten. Und zwar im weltweiten Maßstab.
🧐 Wer weiß mehr?
Bundeszentrale für Politische Bildung. Themenseiten im Interner Link: Dossier Wirtschaftspolitik zu Ursachen, Folgen und zur Ökonomik des Klimawandels. Zum Beispiel hier:
Climate Action Tracker. Website, die von mehreren NGOs betrieben wird und eine Vielzahl von aktuellen Informationen bereitstellt, unter anderem eine Externer Link: aktualisierte Datenbank zu klimapolitischen Zusagen einzelner Länder und deren kritische Bewertung.
Munich Re. Die größte Rückversicherung der Welt sorgt sich vor steigenden Versicherungsschäden als Folge der Erderwärmung. Seit Jahren trägt das Unternehmen deshalb Externer Link: Expertise zu Schäden und möglicher Vorsorge zusammen.
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Externer Link: Climate Change 2023. Synthesis Report. Das Expertengremium der Vereinten Nationen legt alle paar Jahre Berichte zum Stand der Forschung und der gemessenen Entwicklung des Klimawandels vor. Auf der IPCC-Website www.ipcc.ch finden sich weitere interessante Ressourcen für diejenigen, die sich tiefgehender mit dem Thema befassen möchten.
Und hier gibt's die Antworten zu euren neuesten Fragen.
Warum wird nie der Kaufkraftvergleich bei der Bewertung der Lebensverhältnisse in den ost- und den westdeutschen Bundesländern herangezogen?
Die Mieten sind z.B. erheblich günstiger, die Speisen und Getränke im Restaurant auch. Das gilt wahrscheinlich auch für Dienstleistungen, Handwerker etc. Ein paar Prozente weniger Lohn oder Rente wird unter Umständen weit überkompensiert und durch günstigere Lebenshaltungskosten.
Im Prinzip ist der Osten günstiger, aber auch hier muss man differenzieren. Das regionale Preisniveau ist vor allem in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Teilen Sachsens um bis zu 10 Prozent niedriger als im Bundesschnitt. Dagegen sind die Preise in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nah am Durchschnitt und teilweise auch darüber.
Das IW Köln hat die Externer Link: Einkommen jeder Region mit ihrem Preisniveau verglichen – heraus kommt das sogenannte Kaufkraft-Ranking. Und in dem hat sich die krasse Ost-West-Spaltung, die sich aus den Datensätzen zum Realeinkommen herauslesen lässt, tatsächlich ein wenig ausgeglichen. Von flächendeckender „Überkompensation“ kann trotzdem nicht die Rede sein: die verfügbaren Einkommen sind fast im ganzen Osten unterdurchschnittlich, und die wohlhabendste ostdeutsche Region, der Landkreis Leipzig, liegt bundesweit bloß auf Platz 122. (um in unseren interaktiven Diagrammen mehr Informationen herauszufinden, empfehlen wir die Interner Link: Webversion dieser Ausgabe). Davon abgesehen: die erheblichen Unterschiede in Vermögen und Erbschaften sind in dieser Rechnung gar nicht mit drin.
Der Osten hat ca. 2,5 Millionen Menschen verloren, doch diese gingen in den Westen und erwirtschafteten für den Westen viel Geld. Wie viel eigentlich genau?
Tja, gute Frage, eine befriedigende Antwort scheint es aber (noch) nicht zu geben. Auf der einen Seite Interner Link: ging der Soziologe Steffen Mau jüngst davon aus: „Knapp zwei Millionen Menschen gingen seit 1989/90 im Saldo von Ost nach West […]. Die im Westen generierte Wertschöpfung dieser Zuwanderer ist erheblich. Selbst wenn man konservativ rechnet, lässt sich für die Gegenwart eine Größenordnung von 80 bis 100 Milliarden Euro pro Jahr plausibilisieren […].“ Wie er auf diese Zahlen kommt, erklärt er dabei leider nicht. Die andere Seite betont hingegen: Der Arbeitskräftezuzug nach Westen wäre auch ohne Einheit gekommen. Den Arbeitskräftefortzug aus der Noch-DDR zu verhindern, wäre ja gerade das Ziel der schnellen Einheit gewesen. Solide Rechnungen dazu stehen wie gesagt noch aus. Zur großen Ost-West-Wanderung hat „Zeit Online“ Externer Link: hier ein schönes Datenprojekt veröffentlicht.
Es ist bekannt, dass die meisten Sozialleistungen dann, wenn dazu ein Antrag gestellt werden muss, einen hohen bzw. sehr hohen Anteil der Nichtinanspruchnahme bei denen haben, die gesetzlich einen Anspruch dafür haben. Ist bekannt, wie sehr sich die Zahlen in den Bundesländern unterscheiden und welches anteilmäßig die Gründe sind, warum kein Antrag bei guter Erfolgsaussicht gestellt wird? Wie sehr kontrastiert dieser Befund die Ansicht, unser Sozialstaat sei gut aufgestellt? Gibt es Hinweise darauf, dass sich die Nichtinanspruchnehmer von ihnen zu Recht zustehenden Sozialleistungen innerlich von unserem Staatswesen entfernen?
Eine einheitliche Statistik über die Nichtinanspruchnahme von Sozialleistungen gibt es unseres Wissens nicht – auch, weil die Arten von Sozialleistungen und die behördlichen Strukturen und Zuständigkeiten, die sie verwalten, sehr vielfältig und unterschiedlich sind. Die Hauptgründe für die Nichtinanspruchnahme sind Externer Link: laut dem DIW komplexe Antragsprozesse, „geringe Ansprüche“ (also der Gedanke, mit seiner Situation auch selbst klarkommen zu müssen), gesellschaftliche Stigmatisierung – und Unwissenheit, dass man überhaupt Ansprüche auf Sozialleistungen hat.
Um das anzugehen und die krasse Quote von 40 bis 70 Prozent Nichtinanspruchnahme von Sozialhilfe, die Externer Link: manche Studien attestieren, zu senken, wird immer wieder eine Automatisierung bestimmter Sozialleistungen vorgeschlagen. In solchen Modellen würde das Finanzamt aus den Einkommensdaten automatisch den Anspruch auf Sozialleistungen berechnen und diese dann direkt und ohne Anträge überweisen. Das würde dieses Problem sicher ein Stück weit lösen.