Ein Schild mit Paragrafenzeichen beschützt eine symbolische Person.

10.3.2017 | Von:
Autorenteam iRights.Lab

Mobbing und Shitstorms

Belästigungen wie Mobbing oder üble Nachrede bekommen im Internet neue Dimensionen. Sie können zu jeder Uhrzeit und von überall aus losgehen, ihre Urheber sind oft nur schwer auszumachen. Zudem ist die Reichweite durch digitale Verbreitung sehr groß.

Persönlichkeitsrechte - Illustration - ShitstormPersönlichkeitsrechte - Illustration - Shitstorm Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (infografiker.com)

Konflikte und Auseinandersetzungen sind Bestandteil jedes Lebensbereichs. Gerade zwischen Kindern und Jugendlichen kommt es oft zu Streit. Sie sind oft noch nicht in der Lage einzuschätzen, welchen seelischen Schaden sie anrichten können. Andererseits muss nicht jede Beleidigung gleich als aggressives Verhalten aufgefasst werden. Es kann sich dabei auch bloß um einen Spaß-Streit beziehungsweise freundschaftliches Verhalten handeln, was gerade Erwachsenen schwer fällt nachzuvollziehen. Entscheidend ist immer die Perspektive des Opfers. Von Mobbing ist auszugehen, wenn jemand über einen längeren Zeitraum hinweg meist von mehreren wiederholt beleidigt, bedroht, verhöhnt oder bloßgestellt wird.

Erfolgt dieses Verhalten mithilfe des Internets, zum Beispiel auf sozialen Netzwerken, Blogs, Video-/Fotoplattformen etcetera, oder über Instant-Messaging-Dienste, spricht man von Cyber-Mobbing beziehungsweise Cyber-Bullying. Der Unterschied zum "analogen" Mobbing besteht jedoch nicht nur im geänderten Kommunikationsmedium. Die Täter können zu jeder Uhrzeit und von überall aus zuschlagen. Einen privaten Rückzugsraum, in dem man in Ruhe gelassen wird, gibt es nicht. Auf das Internet einfach zu verzichten, hilft nicht weiter, weil die Verletzungen trotzdem begangen werden, zum Beispiel in speziellen Hass-Gruppen.

Hinzu kommt, dass die Bedrohungen und Demütigungen mit wenigen Klicks rasend schnell verbreitet sind, sodass ein unüberschaubar großer Personenkreis von ihnen erfährt. Auch Gerüchte können dadurch viel einfacher und nachhaltiger gestreut werden. Da das Internet nur sehr schwer vergisst, können einen all die Gemeinheiten jederzeit wieder einholen, sodass auch ein Umzug oft keine Lösung ist. Die Täter fühlen sich sicher, weil sie (vermeintlich) anonym oder pseudonym vorgehen. Außerdem sehen sie nicht, wie das Opfer reagiert. Das Ausmaß der eigenen Verletzungshandlung wird ihnen dadurch gar nicht bewusst.

Zahlreiche weitere Informationen und Hinweise, wie man sich wehrt, findet man im Themenbereich "Cyber-Mobbing" von klicksafe.de, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz.

Wenn lawinenartige Wellen der Empörung durch die sozialen Netzwerke rollen und sich dabei verselbstständigen, spricht man von einem Shitstorm (entschärft: Sturm der Entrüstung). Ausgangspunkt ist in der Regel eine einzelne Aussage einer Person oder ein bestimmtes Bild, kann aber auch eine Werbung oder eine Ankündigung sein. Auch Unternehmen, die wegen vermeintlicher zwielichtiger Geschäftsgebaren in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken, haben damit zu kämpfen. Dabei muss ein Shitstorm nicht zwingend Persönlichkeitsrechte verletzen. Mitunter machen die Kritiker lediglich ihrer Verärgerung oder Entrüstung Luft, indem sie sich missfällig oder polemisch äußern, und das ist nicht verboten, sondern von der Meinungsfreiheit gedeckt. Beleidigungen und Schmähungen überschreiten jedoch die Grenze des Erlaubten. Solche Äußerungen können oftmals die große Mehrheit ausmachen. Doch selbst wenn nicht, fühlt sich der Betroffene wie in einem Albtraum, wenn Hunderte oder Tausende ihrem Unmut freien Lauf lassen, sich immer mehr durch teilen oder weiterleiten der Posts dem Sturm anschließen und am Ende die Medien darüber berichten. Rechtlich wehren kann man sich aufgrund der Schnelligkeit erst im Nachhinein.

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Autor: Autorenteam iRights.Lab für bpb.de


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