Projekt Mobbing - bei uns nicht ?!

30.6.2010 | Von:
Wolfgang Sander
Julia Haarmann
Sabine Kühmichel

Baustein 5: Was tun bei Mobbing? - Gegenmaßnahmen

Mobbing verhindern – Präventiv aktiv werden

Liegt kein akuter Mobbingfall vor, macht es dennoch Sinn, auf Grundlage der Befragungsergebnisse zu eruieren, ob es vielleicht Bereiche gibt, an denen gearbeitet werden müsste, um Mobbing keine Chance zu geben.

Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen
  • ...auf Grundlage der Befragungsergebnisse über das Thema Mobbing und Gewalt reflektieren,
  • ...Ideen und Maßnahmen sammeln, die Mobbing verhindern können.

Ein gutes Miteinander – eine gemeinsame Aufgabe für die ganze Klasse

Hauptvoraussetzung für die Prävention von Mobbing ist eine gute Klassengemeinschaft und ein angenehmes Klima in der Klasse, was nicht mit einer Maßnahme allein zu lösen ist, sondern sukzessiver Reflexion und Kommunikation in der Klasse bedarf. Mit der Durchführung der Befragung sind Sie dabei schon aktiv in die Diagnose eingetreten. Sie haben den Ist-Zustand ermittelt, beobachtetes Verhalten, Einschätzung des eigenen Verhaltens, Beurteilung des Verhaltens der Lehrerinnen und Lehrer bei Mobbing etc.

Wichtig ist es dabei, dass die Schülerinnen und Schüler merken, dass Selbstevaluation, hier in Form einer Befragung, nicht folgenlos bleibt, ihre Meinung und Einstellungen gefragt sind und Grundlage für Veränderungen sein können.

Was wollen wir ändern? – Schwerpunktsetzung

"Gerüchteküche" und "Stille Post" sind häufig Nährboden für Mobbing."Gerüchteküche" und "Stille Post" sind häufig Nährboden für Mobbing. (© digitalstock)
Anknüpfend an die Präsentation der Ergebnisse der Gruppenarbeit in Baustein 4 sollte in einem nächsten Schritt in der Klasse thematisiert werden, welche Bereiche schwerpunktmäßig bearbeitet werden sollen.

Diese Fokussierung auf abgegrenzte Bereiche soll helfen, in der Klasse geeignete Vereinbarungen und Maßnahmen zu besprechen und zu ergreifen. Veränderungen lassen sich besser im Kleinen und in begrenzten, überschaubaren Bereichen erreichen.

Eine solche Schwerpunktsetzung kann zum einen im Unterrichtsgespräch vorgenommen werden, aber auch mit einer einfachen Punkteabfrage und anschließendem Gespräch vollzogen werden. Hier kann jede Schülerin und jeder Schüler drei Punkte vergeben für Bereiche, die sie oder er für besonders wichtig und veränderungsbedürftig betrachtet.

Kategorien des Fragebogens – Anhaltspunkt für Diskussion

Bei der Strukturierung der Diskussion können Sie auf die Kategorien des Fragebogens, die auch Grundlage für die Auswertung der Daten sein konnten, zurückgreifen:
  1. Beobachtetes Verhalten im Umgang miteinander,
  2. Wahrnehmung von Mobbing,
  3. Eigenes Verhalten,
  4. Verhalten der Lehrkräfte.

Gemeinsames Planungsgespräch

Wenn Sie sich mit Ihren Schülerinnen und Schülern auf einen oder mehrere Bereiche des Fragebogens geeinigt haben, die Sie vertiefend besprechen und verändern wollen, gilt es als nächstes gemeinsam das weitere Vorgehen zu planen. Da dies ein sehr individueller auf die jeweilige Datenlage und konkrete Klasse abgestimmter Prozess ist, sollen an dieser Stelle lediglich einige mögliche Optionen für das weitere Vorgehen und Planen vorgestellt werden.

Schritt 1: Benötigen Sie mehr Informationen?

Wenn Sie feststellen, dass zu den ausgewählten fokussierten Teilbereichen mehr oder detailliertere Informationen notwendig sind, können Sie weiterführende Befragungen und Gespräche durchführen. Dies kann gelingen durch:
  1. Gespräche oder Interviews mit beteiligten Personen,
  2. eine weiterführende (anonyme) Befragung (z.B. mit Kartenabfrage),
  3. ein stummes Schreibgespräch zu bestimmten Aspekten,
  4. ein durch Leitfragen gestütztes Unterrichtsgespräch.
Schritt 2: Wo liegt das genaue Problem?

Gemeinsam im Unterrichtsgespräch oder auf Basis einer weiterführenden Kartenabfrage soll in einem nächsten Schritt das genaue Problem eingekreist bzw. eingegrenzt werden. Es kann dabei hilfreich sein, nicht mit einer rein negativen Formulierung zu arbeiten, sondern ein Ziel bspw. in Form eines positiven Satzes in Ich oder Wir-Form zu formulieren.

Beispiel:

In unserer Klasse achten wir darauf, dass wir freundlich und respektvoll miteinander umgehen.

Schritt 3: Konsequenzen, Vereinbarungen und Maßnahmen

In einem nächsten Schritt müssen Sie als Lehrer entscheiden, ob Sie
  • ...selbst geeignete Maßnahmen auswählen und durchführen,
  • ...eine Auswahl von Maßnahmen Ihren Schülerinnen und Schülern zur Auswahl stellen,
  • ...die Schülerinnen und Schüler selbst mit dem Studium der dargestellten Maßnahmen betrauen und dann gemeinsam entscheiden.


Als Lehrer sollten Sie hier schon einmal mitbedenken: Was kann ich gemeinsam mit der Klasse lösen? Was kann die Klasse selbst lösen? Wo muss ich mir Hilfe von Dritten holen bzw. Dritte zur Durchführung von Maßnahmen hinzuzuziehen?

In diesem Baustein finden Sie beispielhaft ausgearbeitete Maßnahmen sowie eine Reihe von kommentierten Internetlinks, welche auf mögliche Maßnahmen verweisen. Dabei können verschiedene Strategien und Herangehensweisen gewählt und kombiniert werden.

Externe Coaches statt Lehrkräfte

Es kann manchmal sinnvoll sein, solche Methoden von Personen durchführen bzw. reflektieren zu lassen, die die Gruppe noch nicht lange kennen. Lehrerinnen und Lehrer haben nämlich oft schon ein festgefahrenes Bild von einer Gruppe, beeinflussen und kommentieren das Gruppengeschehen dann mehr oder weniger unbewusst ("Das war ja klar, dass X wieder die ganze Zeit..." oder "Ja, unsere Y ist unser ruhiges Mäuschen..." etc.). Folge: Schülerinnen und Schüler sind dann oft gehemmt oder können schon während der Methode gar nicht über sich hinauswachsen. Von externen Leitern oder Coaches fühlen sich die Jugendlichen häufig viel ernster genommen.

Oft freuen sie sich auch, diese Chance zu haben, von fremden Personen beobachtet und geleitet zu werden; sie fragen oft, wie ihre Gruppe denn auf Fremde wirkt. Die Hemmschwelle, ehrlich zu sich selbst zu sein, sinkt durch den Einsatz externer Leiter oder Coaches und zeigt oft, dass Gruppen erst dann bereit sind, einen "professionellen" und objektiveren Blick auf sich zu werfen, der im Schulalltag häufig nicht eingenommen werden kann.

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