30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Die Logos deutscher Parteien: CDU, SPD, DIE LINKE, GRÜNE, CSU, AfD, BIW, Die PARTEI, Die Tierschutzpartei, FAMILIE, FDP, FREIE WÄHLER, NPD, ÖDP, PIRATEN und SSW.

counter
1.9.2020 | Von:
Frank Decker

Kurz und bündig: Die GRÜNEN

DIE GRÜNEN sind aus dem Protest gegen Umweltzerstörung, die Nutzung der Kernenergie und die atomare Hochrüstung entstanden. 1983 gelang der Partei erstmals der Einzug in den Bundestag. Zwischen 1998 und 2005 waren die Grünen Teil einer Bundesregierung mit der SPD. Entgegen ihrer pazifistischen Tradition stimmen die Grünen auch den Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu.

Das Logo der Partei Bündnis 90/ Die Grünen, aufgenommen am 14.06.2017 in Berlin, bei der Vorstellung der Eckpunkte für die Bundesdelegiertenkonferenz, die vom 16. bis 18. Juni in der Hauptstadt stattfindet.Das Logo der GRÜNEN auf einer Pressewand. (© picture-alliance/dpa)

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) waren bis zur Entstehung der AfD die erfolgreichste Neugründung einer Partei in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit den 1980er-Jahren konnten sie sich neben Union, SPD und FDP als vierte Kraft im Parteiensystem dauerhaft etablieren. Dabei gelang es ihnen in den 1990er-Jahren, die FDP vom dritten Platz zu verdrängen. Auf der Landesebene bildeten die Grünen 1985 in Hessen die erste rot-grüne Koalition, die zum Vorbild für zahlreiche weitere Regierungsbeteiligungen und ihre siebenjährige Regierungszeit (1998 bis 2005) im Bund wurde. Ab 2008 begannen sie sich auch für Koalitionen mit der CDU zu öffnen und dadurch eine Scharnierfunktion bei der Regierungsbildung einzunehmen. Landeten die Grünen bei der Bundestagswahl 2017 noch auf Platz sechs, ist es ihnen seit Ende 2018 gelungen, nicht nur sämtliche Oppositionsparteien, sondern auch die SPD als bisher zweitstärkste Kraft in bundesweiten Umfragen zu überflügeln.

Die Grünen sind ein Produkt der Neuen Sozialen Bewegungen, die sich in den 1970er-Jahren aus Protest gegen die wachsende Umweltzerstörung, die Nutzung der Kernenergie und die atomare Hochrüstung gebildet hatten. Weitere Wurzeln liegen in der Studentenbewegung und der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Seit Mitte der 1970er-Jahre waren in vielen Bundesländern grüne und sogenannte bunte Listen entstanden. Diese schlossen sich 1979 vor der Europawahl zur Wählergruppe "Sonstige Politische Vereinigung DIE GRÜNEN" zusammen. Am 12./13. Januar 1980 wurde daraus die bundesweite Partei "Die Grünen". 1993 vereinten sich die Grünen mit dem ostdeutschen Bündnis 90 und nennen sich seitdem offiziell: "Bündnis 90/Die Grünen".

In den 1980er-Jahren war die Entwicklung der neuen Partei von heftigen Richtungskämpfen begleitet. Die konservativ-bürgerlichen Vertreter, die mit zu ihrem Gründungsspektrum gehört hatten, kehrten den Grünen schon zu Beginn der 1980er-Jahre den Rücken. Im Zentrum der anschließenden Auseinandersetzungen stand die Frage einer möglichen Regierungsbeteiligung, die von den gemäßigt linken "Realpolitikern" ("Realos") prinzipiell angestrebt und von den radikal-linken "Fundamentalisten" ("Fundis") ebenso entschieden abgelehnt wurde. Bis 1991 sollte sich die realpolitische Linie dabei soweit durchsetzen, dass ein Großteil der fundamentalistischen Kräfte die Grünen verließ.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Etappen der Parteigeschichte der Grünen.

Programmatisch drückte sich die Entradikalisierung darin aus, dass die Grünen von systemfeindlichen Positionen Abstand nahmen. Sie akzeptierten die parlamentarische Demokratie vorbehaltlos und strebten nicht mehr nach der Überwindung der kapitalistischen bzw. marktwirtschaftlichen Ordnung, sondern nach deren ökologischer Reform. Die hierzu entwickelten Konzepte (Förderung erneuerbarer Energien, Atomausstieg, Agrarwende, Umbau des Steuersystems) leiteten ihr eigenes Regierungshandeln und bewirkten zugleich, dass sich die anderen Parteien für die Umweltschutzziele öffneten. Entgegen ihrer pazifistischen Tradition stimmten die Grünen später auch den Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Programmatik der Grünen.

Eine programmatische Herausforderung für die Partei stellt die veränderte Zusammensetzung ihrer Wählerschaft dar. Einerseits bewegen sich die Wähler, die den Grünen schon vor dreißig Jahren die Stimme gaben und ihnen seither treu geblieben sind, heute in überwiegend privilegierten Lebensumständen, sodass sie durch allzu linke Positionen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik abgeschreckt werden könnten. Andererseits gelingt es den Grünen weiterhin, in der Gruppe der Jungwähler überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen. Traditionell starken Zuspruch finden sie bei den Frauen.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Wahlergebnissen und der Wählerschaft der Grünen.

Gescheitert ist der Versuch der Grünen, eine basisdemokratische Alternative zu den "Altparteien" zu entwickeln. Mit der Trennung von Amt und Mandat und dem Prinzip der Doppelspitze hat sich die Partei dennoch manche Eigenarten bewahrt. Ob sich diese mit den Notwendigkeiten politischer Führung vereinbaren lassen, wird unterschiedlich bewertet. Die ideologischen Strömungen, die das Innenleben der Grünen in den 1980er-Jahren prägten, haben an Bedeutung stark eingebüßt. Fundamentalistische Positionen sind heute kaum noch vertreten. Auch deshalb zeichnet sich die Partei inzwischen durch eine vergleichsweise hohe personelle und inhaltliche Geschlossenheit aus.

Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Organisation der Grünen.

i

Literatur zu den GRÜNEN

Anan, Deniz (2017), Parteiprogramme im Wandel. Ein Vergleich von FDP und Grünen zwischen 1971 und 2013, Wiesbaden.

Fücks, Ralf (2013), Intelligent wachsen. Die grüne Revolution, München.

Klein, Markus / Jürgen W. Falter (2003), Der lange Weg der Grünen. Eine Partei zwischen Protest und Regierung, München.

Kleinert, Hubert (1992), Vom Protest zur Regierungspartei. Die Geschichte der Grünen, Frankfurt a.M.

Kronenberg, Volker, Hg. (2016), Schwarz-Grün. Erfahrungen und Perspektiven, Wiesbaden.

Mende, Silke (2011), "Nicht links, nicht rechts, sondern vorn". Eine Geschichte der Gründungsgrünen, München.

Probst, Lothar (2013), Bündnis 90/Die Grünen (GRÜNE), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 509-540.

Probst, Lothar (2015), Bündnis 90/Die Grünen: Absturz nach dem Höhenflug, in: Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2013, S. 135-158.

Raschke, Joachim (1993), Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind, Köln.

Raschke, Joachim (2001), Die Krise der Grünen. "So kann man nicht regieren", Frankfurt a.M.

Switek, Niko (2012), Bündnis 90/Die Grünen: Zur Entscheidungsmacht grüner Bundesparteitage, in: Karl-Rudolf Korte / Jan Treibel (Hg.), Wie entscheiden Parteien? (ZPol-Sonderband), Baden-Baden, S. 121-154.

Walter, Franz (2010), Gelb oder Grün? Kleine Parteiengeschichte der besserverdienenden Mitte in Deutschland, Bielefeld.

Walter, Franz / Stephan Klecha / Alexander Hensel, Hg. (2015), Die Grünen und die Pädosexualität. Eine bundesdeutsche Geschichte, Göttingen.


Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Decker für bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.


Zahlen und Fakten

Bundestagswahlen

Knapp 62 Millionen Wahlberechtigte durften sich an der Bundestagswahl 2013 beteiligen, 30 Parteien traten mit einer Landesliste zur Wahl an. Die meisten Zweitstimmen konnte die CDU für sich verbuchen, gefolgt von der SPD, der Partei DIE LINKE, den GRÜNEN und der CSU.

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Europawahl

Zwischen dem 22. und 25. Mai 2014 fand zum achten Mal die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Welche Fraktionen durften ins Parlament einziehen? Wie hoch war die Wahlbeteiligung? Und wie viele Bürger repräsentiert ein Abgeordneter?

Mehr lesen