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26.8.2020 | Von:
Oskar Niedermayer

Mitgliederentwicklung der Parteien

Nach Hochzeiten der Mitgliedergewinnung entwickelten sich die Mitgliederzahlen der einzelnen Parteien bis zum Ende der alten Bundesrepublik unterschiedlich. Nach der Wiedervereinigung verloren alle Parteien mit Ausnahme der Grünen und der 2013 gegründeten AfD mehr oder minder stark an Mitgliedern.

Die Hochzeiten der Gewinnung neuer Mitglieder durch die Parteien in der alten Bundesrepublik lagen zum einen in den ersten Nachkriegsjahren und zum anderen in der Zeit von Ende der 1960er bis zur Mitte der 1970er-Jahre.

Die CDU hatte 1948 etwa 360.000 Mitglieder. Danach setzte ein Abschwung ein und erst in den 1960er-Jahren begann ein kontinuierlicher Aufschwung, der Ende der 1960er-Jahre in einen regelrechten Mitgliederboom überging. Von Ende 1968 bis Ende 1976 konnte die CDU ihre Mitgliederzahl um 128 Prozent steigern. Danach verlangsamte sich der Zuwachs und 1983 wurde mit 734.555 Mitgliedern der Höhepunkt erreicht. Danach ging der Bestand bis auf 662.598 im Jahr 1989 zurück.

Die SPD hatte ihre erste Mitgliederhochphase 1947 mit 875.479 Mitgliedern. Im nächsten Jahrzehnt gingen die Zahlen zurück und erreichten 1954 mit 586.143 Mitgliedern ihren Tiefststand. Danach folgte ein mehr oder minder kontinuierlicher Aufschwung, der sich ab Ende der 1960er-Jahre deutlich beschleunigte. Von Ende 1968 bis Ende 1976 gewann die SPD 40 Prozent neue Mitglieder hinzu. Ihren Höhepunkt erreichte sie 1976 mit 1.022.191 Mitgliedern. Danach ging der Bestand mit Ausnahme von 1980 und 1988/89 bis zur Wiedervereinigung jedes Jahr weiter zurück; 1989 gab es noch 921.430 Mitglieder.

Die anfängliche Mitgliederentwicklung von CSU und FDP lässt sich aufgrund der schlechten Datenlage für die Zeit bis Mitte der 1960er-Jahre schwerer nachvollziehen. Auch hier gab es jedoch in den ersten Nachkriegsjahren eine Hochzeit der Mitgliedergewinnung. Die CSU erreichte 1948 mit 85.247 Mitgliedern ihren ersten Höhepunkt, danach gingen die Zahlen bis 1953 auf unter 33.000 zurück. Nach einem Aufschwung in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre kehrte sich die Mitgliederentwicklung in der zweiten Hälfte wieder um. Auch in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre erlebte die CSU einen Mitgliederboom, der danach zwar abebbte, jedoch nicht in einen Abschwung überging. 1989 erreichte die CSU daher mit 185.703 ihren Mitgliederhöchststand in der alten Bundesrepublik.

Die FDP hatte 1952 über 66.000 Mitglieder, 1971 waren es nur noch 53.986. Danach begann ein Mitgliederaufschwung, der in abgeschwächter Form auch noch in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre anhielt und 1981 zum Höchststand von 86.073 Mitgliedern führte. Danach gingen die Mitgliederzahlen bis 1989 auf 65.150 zurück.

Die Grünen hatten nach ihrer Gründung 1980 einen Mitgliederstand von 20.520. Im Folgejahr mussten sie einen deutlichen Mitgliederrückgang auf knapp 18.200 hinnehmen, danach stieg die Mitgliedschaft jedoch kontinuierlich bis zum Höchststand 1987 (42.419) und fiel bis 1989 (41.171) nur leicht zurück.

Die Wiedervereinigung 1990 bescherte den Parteien zunächst, wenn auch in sehr unterschiedlichem Ausmaß, neue Mitglieder. In den nächsten zwei Jahrzehnten gingen die Mitgliederzahlen jedoch bei allen Parteien außer den Grünen und der 2013 gegründeten AfD zum Teil deutlich zurück. Die CDU konnte durch den Beitritt der CDU der ehemaligen DDR, der sich kurz zuvor noch der Demokratische Aufbruch (DA) und die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) angeschlossen hatten, ihre Mitgliederschaft um gut 20 Prozent auf 789.609 steigern. Seither gehen die Mitgliederzahlen jedoch - mit Ausnahme von 1999 - kontinuierlich zurück. Ende 2019 hatte die CDU nur noch 405.816 Mitglieder, d.h. sie musste seit 1990 einen Mitgliederverlust von fast 49 Prozent hinnehmen.

Die SPD gewann durch ihr im Rahmen der Wende in der DDR neu gegründetes Pendant nur 2,5 Prozent Mitglieder hinzu, sodass sie 1990 auf 943.402 Mitglieder anwuchs. Seitdem gehen die Mitgliederzahlen der SPD Jahr für Jahr zurück, und seit gut einem Jahrzehnt liefert sie sich mit der CDU einen Kampf um Platz 1 beim Mitgliederstand. Ende 2019 lag sie mit 419.340 Mitgliedern knapp vor der CDU. Seit 1990 hat sie allerdings fast 56 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Bei den kleineren Parteien haben die CSU, die FDP und DIE LINKE seit 1990 in unterschiedlichem Maße Mitglieder verloren. Die CSU konnte, da sie nur in Bayern verankert ist, als einzige von der Wiedervereinigung nicht profitieren. Im vereinten Deutschland ging ihre Mitgliedschaft fast kontinuierlich von 186.198 (1990) auf 139.130 (2019) zurück. Sie verlor in diesem Zeitraum daher gut ein Viertel ihrer Mitglieder.

Der Mitgliederbestand der FDP wuchs 1990 durch den Beitritt mehrerer Parteien der ehemaligen DDR um fast 160 Prozent auf 168.217. Vor allem durch einen dramatischen Mitgliederrückgang in den neuen Bundesländern war der enorme Zuwachs jedoch bald wieder aufgezehrt: Bis Ende 2015 (Stand: 53.197) hatte die FDP über 68 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Danach gingen die Mitgliederzahlen wieder leicht - im Bundestagswahljahr 2017 mit 17 Prozent sehr stark - nach oben. Dennoch hat die FDP bis Ende 2019 gut 61 Prozent ihrer Mitglieder verloren.

Im Rahmen der Wiedervereinigung blieben die westdeutschen Grünen als einzige Partei von ihrem ostdeutschen Pendant, der Listenvereinigung Bündnis 90/Grüne-BürgerInnenbewegung, zunächst noch getrennt und vereinigten sich erst im Jahre 1993 mit dem zur Partei umgewandelten, mitgliederschwachen Bündnis 90. Die Mitgliederentwicklung von Bündnis 90/Die Grünen war in der Folgezeit durch Auf- und Abschwungphasen gekennzeichnet. Insgesamt gingen die Zahlen jedoch nach oben, und das Jahr 2019 war mit einem Zuwachs von 28 Prozent - einer in ihrer gesamten Geschichte nur 1983 übertroffen Steigerung - für die Grünen extrem erfolgreich. Insgesamt konnten die Grünen seit 1990 ihre Mitgliederschaft um knapp 134 Prozent steigern.

Die PDS als Nachfolgerin der DDR-Staatspartei SED, die 1989 noch ca. 2,3 Mio. Mitglieder hatte, startete Ende 1990 mit etwa 281.000 und verlor bis Ende 2006 fast vier Fünftel ihrer Mitgliederschaft. Nach der Vereinigung mit der WASG zur Partei DIE LINKE 2007 hatte sie 71.711 Mitglieder, Ende 2019 stand sie bei 60.862. Dies bedeutet im Vergleich zu 1990 einen Mitgliederverlust von über 78 Prozent.

Die erst im Februar 2013 gegründete AfD hatte Ende 2013 schon 17.687 Mitglieder, verlor 2015 durch die Abspaltung des Flügels um den Parteigründer Bernd Lucke etwa ein Fünftel ihrer Mitgliederschaft und steigerte sich danach wieder bis Ende 2019 auf 34.751 Mitglieder. Sie konnte daher ihre Mitgliederschaft gegenüber ihrem Gründungsjahr fast verdoppeln. Die Gesamtzahl der Mitglieder der im Bundestag vertretenen Parteien stieg im Bundestagswahljahr 2017 um 1,8 Prozent. Das war der erste deutliche Zuwachs seit 1990. Der langfristige Trend des Abschmelzens der Parteimitgliedschaften wurde dadurch jedoch nicht umgekehrt: Sowohl 2018 als auch 2019 sank die Gesamtzahl wieder leicht, und im gesamten Zeitraum seit 1990 ist sie um knapp die Hälfte gesunken.

Bei den nicht im Bundestag vertretenen Parteien ist die bisherige Mitgliederentwicklung sehr unterschiedlich verlaufen.

Die mitgliederstärkste der aufgeführten Parteien ist die 2005 gegründete "Die PARTEI". Im Jahr ihres ersten Einzugs ins Europäische Parlament 2014 hatte sie bereits über 14.000 Mitglieder. Bis Ende 2018 stieg die Mitgliederzahl auf 31.400 an. Die seit Ende 2006 existierende Piratenpartei konnte im Rahmen ihrer Erfolge bei den verschiedenen Wahlen bis 2012 ihre Mitgliederzahl deutlich steigern. Den Höhepunkt erreichte sie 2012 mit 25.548 Mitgliedern. Danach setzte jedoch eine Marginalisierung der Partei in den Umfragen ein, was sich auch negativ auf die Mitgliederzahlen auswirkte. Ende 2018 gehörten ihr nur noch knapp 8.300 Mitglieder an, davon waren nur knapp 4.400 stimmberechtigt.

Seit den frühen 1980er-Jahren ist die ÖDP aktiv. Die Zahl der rund 6.100 Mitglieder aus dem Jahr 2014 konnte sie bis Ende 2018 moderat auf über 6.600 steigern. Die Mitgliederschaft der FREIEN WÄHLER erhöhte sich 2011 durch die Verschmelzung mit den FW Bayern und Schleswig-Holstein drastisch und Ende 2018 hatten sie knapp 5.100 Mitglieder.

Eine lange Historie besitzt der SSW als Partei der dänischen und der friesischen Minderheit in Schleswig. Anfang der 1990er-Jahre lagen ihre Mitgliederzahlen über 5.000. Seit 2004 ist die jedoch unter 4.000 Mitglieder gesunken und gibt Ende 2018 eine Mitgliederzahl von knapp 3.400 an. Eine ansteigende Kurve gibt e dagegen bei der Tierschutzpartei: Hatte sie 2014 noch etwas weniger als 1.200 Mitglieder, so konnte sie die Zahl bis Ende 2018 auf fast 1.600 steigern.

Deutlich niedrigere Zahlen führt die BVB/FREIE WÄHLER, die seit 2014 im Landtag von Brandenburg vertreten ist, an. Seit dem Einzug in das Parlament kreisen ihre Mitgliederzahlen mit leicht sinkender Tendenz um 700. In einer ähnlichen Größenordnung ist auch die FAMILE einzuordnen: Seit 2014 konnte sie ihre Mitgliederanzahl von knapp 600 auf 668 im Jahr 2018 steigern.

Datenquellen

Im Bundestag vertretene Parteien: Mitgliederdatenbank des Verfassers. Exakte Zahlen ab 1990 und Grafiken zur Entwicklung bis 1989 sind enthalten in: Niedermayer, Oskar, 2020: Parteimitglieder in Deutschland: Version 2020, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Nr. 31, Berlin. Kleinparteien: auf der Webseite des Deutschen Bundestags einsehbare Rechenschaftsberichte der Parteien.

Begriffe, methodische Anmerkungen oder Lesehilfen

In den Grafiken werden die Mitgliederzahlen jeweils zum 31.12. eines Jahres wiedergegeben. Die Daten für die CDU sind bis zum Beginn der 1960er-Jahre lückenhaft und beruhen zum Teil auf Schätzungen. Bei der SPD sind durch eine EDV-Umstellung Anfang 1998 insgesamt 5.240 Mitglieder verlorengegangen. Für die CSU liegen von 1954 bis 1959 und für 1962 keine Daten vor, Daten für die FDP gibt es - mit Ausnahme von 1951 und 1952 - erst ab 1967. Bei der Linkspartei (PDS) bestanden 1990 noch keine westdeutschen Landesverbände, daher Schätzung der westdeutschen Mitgliederzahl (etwa 600).

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Dieser Text und der Medieninhalt sind unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Oskar Niedermayer für bpb.de

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