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Akzeptanz als Gradmesser der Energiewende

Franziska Mey

/ 11 Minuten zu lesen

Der Klimawandel ist spürbar und so steigt der Handlungsdruck für die Energiewende weiter. Doch ihr Erfolg hängt nicht allein an der technischen Umsetzung, auch die gesellschaftliche Akzeptanz ist entscheidend. Sie schafft Legitimität für politische Maßnahmen und fördert deren Umsetzung.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende hängt maßgeblich von den Einstellungen und Wahrnehmungen der Bevölkerung ab. (© picture-alliance/dpa, Marijan Murat)

Die Einstellung der Öffentlichkeit dient (oft) als ein Gradmesser für die gesellschaftliche Akzeptanz politischer Maßnahmen und deren Umsetzbarkeit. Insbesondere die Energiewende ist zu einem zentralen Schauplatz gesellschaftlicher Auseinandersetzung geworden. Es geht um die Richtung und das Tempo eines allgemeinen Veränderungsprozesses. Die grundlegende Legitimation des Ausbaus erneuerbarer Energien und der Netzinfrastruktur speisen sich aus den politischen Zielsetzungen zum Klimaschutz. Das gilt sowohl auf international-europäischer als auch nationaler Ebene. Dazu gehört insbesondere Deutschlands Ziel, die Energieversorgung bis 2045 treibhausgasneutral zu gestalten, d. h., dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als gleichzeitig gebunden oder ausgeglichen werden (Bundesumweltministerium, 2026). Erneuerbare Energien spielen dabei sowie für die nationale und europäische Energiesicherheit eine zentrale Rolle. An den Ausbau der Erneuerbaren knüpfen sich Hoffnungen auf eine Verringerung fossiler Importabhängigkeit, auf wirtschaftliche Entwicklung und regionale Wertschöpfung. Die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten hat zu einer höheren Geschwindigkeit im Ausbau erneuerbarer Energien und ihrer unmittelbaren Erlebbarkeit beigetragen: Wind-, Solar- und andere Energieanlagen verändern Landschaften und lokale Strukturen und sind mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Erwartungen verbunden.

Unverändert werden die übergeordneten Ziele der Energiewende von einer Mehrheit der Bevölkerung unterstützt (Wolf et al. 2023, Renn 2026, Ebersbach et al. 2026). Zugleich kommt es bei der konkreten Umsetzung vor Ort zu Konflikten, insbesondere wenn die eigene Lebenspraxis betroffen ist (Eversberg & Holz, 2024). Tatsächlich haben Kritikerinnen und Kritiker von Windenergie-, Solarenergie- und Netzausbauprojekten in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit gewonnen (Langer et al., 2017). Die Entwicklung offenbart eine zunehmende Diskrepanz zwischen zentralen Klima- und Energiemaßnahmen und lokal-territorialen Realitäten (Evensen et al., 2018; Wolsink, 2018). Oftmals wird dies als Ausdruck mangelnder lokaler Akzeptanz interpretiert. Hinzu kommt ein allgemeiner Vertrauensverlust in politische und institutionelle Akteure der Demokratie (Zick et al., 2025). Polarisierung, soziale Ungleichheit und politische Ermüdung verändern die Bedingungen, unter denen Infrastrukturprojekte diskutiert und wahrgenommen werden.

In diesem Kontext hat die sozial-gesellschaftliche Dimension der Energiewende deutlich an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Einstellungen und Wahrnehmungen der Bevölkerung sind dafür entscheidend, ob politische Maßnahmen und Transformationsprozesse als legitim angesehen und vor Ort mitgetragen werden. Ohne entsprechende gesellschaftliche Zustimmung und lokale Unterstützung sind umfassende Veränderungsprozesse in demokratisch verfassten Gesellschaften kaum umsetzbar.

Akzeptanz als Leitmotiv für eine erfolgreiche Energiewende

Allgemein wird Akzeptanz als eine positive oder zustimmende Haltung gegenüber einer Technologie, einer Infrastruktur oder einem konkreten Projekt definiert (Upham et al., 2015). Dabei zeigt sie sich nicht nur in Einstellungen und Meinungen, sondern auch in der Unterstützung und Nutzung eines Vorhabens. Dies kann etwa die Wahrnehmung und Bewertung von erneuerbaren Energietechnologien meinen. Darunter fallen etwa die Unterstützung oder Ablehnung von Wind- oder Solaranlagen oder auch Stromnetzen. Allerdings wird in neueren Forschungen betont, dass Akzeptanz nicht mehr nur als ein zweigeteiltes Konzept verstanden werden kann. Sie kann sich als Zustimmung, Duldung, Aushandlung, Kritik oder auch aktive Aneignung äußern und ist stets kontextabhängig (Batellier, 2015; Simard, 2021). Akzeptanz spiegelt eine tiefere Auseinandersetzung mit den Werten, Erwartungen und Alltagserfahrungen von Gemeinschaften wider (Fournis & Fortin, 2016; Wüstenhagen et al., 2007).

(© bpb)

Akzeptanz kann in drei verschiedene Dimensionen unterschieden werden: die sozio-politische Akzeptanz bezieht sich auf die Haltung von Gesellschaft, Politik und von Stakeholdern gegenüber Technologien, politischen Maßnahmen und energiepolitischen Zielen. Die Akzeptanz des Marktes (market acceptance) umfasst die Verbreitung und Nutzung von Technologien durch Investoren, Unternehmen und Verbraucher. Die Akzeptanz in lokalen Gemeinschaften (community acceptance) richtet sich hingegen auf die individuelle Wahrnehmung und Bewertung konkreter Projekte durch die unmittelbar davon betroffenen Menschen vor Ort.

Insbesondere community acceptance hat in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit gewonnen. Denn insbesondere im Rahmen des Windenergieausbaus haben zunehmende lokale Konflikte zu Projektverzögerungen oder sogar deren Verhinderungen beigetragen. In der Tat zeigt die sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forschung, dass politische Maßnahmen oft scheitern, wenn sie menschliches Verhalten und unterschiedliche Lebensrealitäten nicht berücksichtigen. Dementsprechend wird gesellschaftliche Akzeptanz in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft häufig als ein wichtiger Einflussfaktor für das Gelingen von Transformationsprozessen verstanden. Bereits 2011 hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen betont, dass die Bürgerschaft keine passive Rolle einnehmen darf. Sie müsse als Mitgestalterin für das Gelingen des Transformationsprozesses anerkannt werden (WGBU, 2011). Allerdings entstehen Akzeptanz und Beteiligungskompetenz im Kontext der Energiewende nicht automatisch, sondern sind das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener individueller, sozialer und institutioneller Faktoren.

Faktoren, die Einstellungen in der Energiewende bedingen

Die Umsetzung der Energiewende erfolgt in räumlichen Kontexten, die durch soziale Bedeutungen, emotionale Bindungen und historische Erfahrungen geprägt sind. Diese beeinflussen die Wahrnehmung und Akzeptanz von Transformationsprozessen (Alpuche-Alvarez, 2026). Im Laufe ihres Lebens sammeln Menschen Erfahrungen und leben in sozialen Kontexten, durch die sie typische „Gesamthaltungen“ entwickeln – gegenüber sich selbst, anderen Menschen, der Gesellschaft, der Natur und dem Weltgeschehen. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen und gesellschaftliche Gruppen die Welt wahrnehmen, über Entwicklungen nachdenken und auf Veränderungen reagieren.

Nach Boudet (2019) werden Einstellungen und Wahrnehmungen zur Energiewende von vier zentralen Einflussfaktoren bestimmt.

1. Technologie

Ein wesentlicher Faktor ist die Technologie selbst – also Windkraftanlagen, Freiflächensolaranlagen oder auch Übertragungsnetze. Diese entfaltet ihre Wirkung durch räumliche Präsenz, etwa durch ihren Flächenbedarf und ihre ästhetische Wirkung im Landschaftsbild. Die Einschätzung von Risiken und Nutzen spielt zudem eine Rolle, wie mögliche Auswirkungen auf Energiepreise sowie weitere Kostenaspekte. Auch gefühlte „Risiken“ und Unsicherheiten im Umgang mit neuen oder wenig bekannten Technologien fließen ebenso in die Bewertung durch die Bevölkerung ein, sowie deren direkte Sichtbarkeit im Alltag

2. Soziales

Wahrnehmungen werden außerdem von individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen beeinflusst, aber auch von Werten und Normen. Beispielsweise zeigt die PACE (Planetary Health Action Survey)-Studie, dass jüngere Personen eine höhere Bereitschaft haben, sich politisch für Klimaschutz einzusetzen (z.B. durch Demonstrationen), wohingegen ältere Menschen eher Maßnahmen zum Klimaschutz unterstützen (Pace 2025). Ebenso prägen das Vertrauen in Politik, Behörden und Unternehmen die Wahrnehmung, sowie die politische Einstellung oder Parteipräferenz.

Die Forschung zeigt, dass auch das soziale Umfeld einen wichtigen Einfluss auf die Einstellung zur Energiewende hat (Huttarsch et al., 2025). Das gilt vor allem für die Erwartungen und sozialen Normen sowie die Zugehörigkeit bzw. Identifikation mit relevanten Bezugsgruppen. Familie, Freundeskreis oder Arbeitsumfeld können die eigenen Wahrnehmungen und Bewertungen mitprägen. Entscheidend ist auch, wie die Einstellungen anderer interpretiert werden (Betsch et al., 2023; Drews et al., 2022; Sparkman et al., 2022). Beispielsweise zeigt die Studie von Wolf et al. (2023), dass Menschen die Unterstützung für Windkraftanlagen im eigenen Wohnumfeld im Durchschnitt um 27 Prozentpunkte niedriger einschätzen, als sie tatsächlich ist. Die Forschung bezeichnet diese Fehleinschätzung als pluralistische Ignoranz – also die falsche Wahrnehmung der Einstellungen anderer innerhalb einer Gruppe.

3. Lokalität

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Ort, an dem Veränderungen stattfinden. Wie neue Energieprojekte bewertet werden, hängt nicht nur vom Projekt selbst ab, sondern auch von den lokalen Gegebenheiten. Dazu zählen frühere Erfahrungen mit ähnlichen Vorhaben, die wirtschaftliche Situation einer Region, das gewohnte Landschaftsbild und die Verbundenheit der Menschen mit ihrem Wohnort (Devine-Wright, 2020). Werden neue Infrastrukturen als Eingriff in vertraute Landschaften oder die lokale Identität empfunden, können Vorbehalte und Widerstände entstehen. Entscheidend ist daher, ob ein Vorhaben als passend für die Region wahrgenommen wird und mit den Vorstellungen ihrer Bewohnerinnen und Bewohner vereinbar ist.

4. Prozess und Gerechtigkeit

Auch die Art und Weise, wie Menschen in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden, beeinflusst maßgeblich ihre Haltung gegenüber Energiewendeprojekten. Transparente Verfahren, eine frühzeitige Information und Beteiligung sowie echte Mitsprachemöglichkeiten können das Vertrauen in Projekte und die verantwortlichen Institutionen stärken. Studien zeigen, dass dabei nicht nur das Ergebnis zählt, sondern auch der Weg dorthin. Menschen akzeptieren Entscheidungen häufig eher, wenn sie den Entscheidungsprozess als fair, nachvollziehbar und respektvoll wahrnehmen – selbst, wenn sie nicht vollständig mit ihnen einverstanden sind.

Fragen der Gerechtigkeit spielen dabei eine zentrale Rolle (Heffron & McCauley, 2017). Sie gelten als wichtige Grundlage für Akzeptanz und Legitimität und sind zugleich ein Kernprinzip demokratischer Gesellschaften. Dabei geht es sowohl um die Beteiligung der Betroffenen (prozedurale Gerechtigkeit) als auch um die gerechte Verteilung von Nutzen, Lasten und Pflichten (Verteilungsgerechtigkeit).

Tatsächlich ist seit einigen Jahren ein zunehmender Rückgang des Gerechtigkeitsempfindens im Kontext der Energiewende zu beobachten (Ebersbach et al., 2026; Wolf et al., 2023). Dies spiegelt sich u.a. in einer wachsenden Unzufriedenheit mit der konkreten Umsetzung von Energiewendemaßnahmen und einem deutlichen Vertrauensverlust gegenüber politischen und institutionellen Akteuren wider (Zick et al., 2025). Soziale Ungleichheiten, die sich in unterschiedlichen Lebensbedingungen und Teilhabechancen niederschlagen, bergen dabei besondere Sprengkraft. Aus diesen Ungleichheiten können Konflikte entstehen. Populisten machen sich diese zunutze, indem sie gesellschaftliche Gruppen über besonders aufgeladene - also kontroverse und emotional besetzte - Themen (auch „Triggerpunkte“) gegeneinander ausspielen und so lokale Konflikte weiter anheizen können (Mau et al., 2023).

Das Gerechtigkeitsempfinden lässt sich durch eine bürgerzentrierte Gestaltung der Energiewende vor Ort stärken. Dies umfasst insbesondere Beteiligungsmaßnahmen der lokalen Bevölkerung. Bundes- und Landesregierungen haben diese Entwicklung aufgegriffen und entsprechende Beteiligungsgesetze für den Ausbau von Wind- und Solarenergieprojekten etabliert (Mey 2026, im Erscheinen). Diese umfassen insbesondere Formen der finanziellen Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Kommunen. Sie folgen maßgeblich der Absicht, die gesellschaftliche Akzeptanz von Ausbauvorhaben zu erhöhen und Konflikte im Zuge der Umsetzung erneuerbarer Energieprojekte zu reduzieren.

Kritik und Alternativen zur Akzeptanzmotivation

In den vergangenen Jahren haben neue theoretische und empirische Erkenntnisse zu einer Weiterentwicklung der Einstellungs- und Akzeptanzforschung beigetragen. Ein zentraler Kritikpunkt richtet sich gegen lineare Erklärungsansätze. Diese sind stark von der Annahme geprägt, dass sich Akzeptanz durch gezielte Information und die Beeinflussung individuellen Verhaltens herstellen lässt.

Das „Defizit-Modell“ wurde in den 1980er Jahren als ein zentrales Konzept für die Erforschung des öffentlichen Verständnisses von Wissenschaft (Public Understanding of Science) entwickelt (Miller (1983), Bauer et al. (2007), Bidwell (2016), Suldovsky (2017)). Dem zufolge lassen sich Einstellungen oder Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit durch ein vermeintliches Wissensdefizit erklären, welche durch mehr Informationen korrigiert werden könnten. Opposition wurde dabei häufig als Problem verstanden, das sich durch Kommunikation und Informationsvermittlung überwinden lasse. Das Modell wird inzwischen weitläufig dafür kritisiert, dass es ein zu enges Verständnis der Meinungsbildung hat und hierbei die psychologischen, sozialen und institutionellen Kontexte, in denen sich Einstellungen herausbilden, nicht ausreichend berücksichtigt (Bidwell 2016). Zudem ist das binäre Verständnis einer Befürwortung oder Ablehnung zu einseitig. Andere Reaktionsformen wie ambivalente Haltungen, Gleichgültigkeit oder situativ unterschiedliche Bewertungen werden oft weniger berücksichtigt. Allerdings zeigen viele Studien, dass Einstellungen deutlich komplexer sind. Wie die sogenannte bedingte Akzeptanz-These (conditional acceptance) nahelegt, hängt die Bewertung erneuerbarer Energien häufig von verschiedenen Bedingungen ab. Menschen können Technologien unter bestimmten Voraussetzungen akzeptieren, sie unter anderen jedoch ablehnen (Batel, 2020; Batel et al., 2016). Akzeptanz ist damit selten eindeutig, sondern oft abhängig von Kontext, Gestaltung und konkreten Rahmenbedingungen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet in Deutschland voran. Dieser dient dem Klimaschutz, führt jedoch auch zu Veränderungen lokaler Strukturen. (© picture-alliance, Jochen Tack)

In einer Studie des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit (RIFS) wurden Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, Dänemark, Polen und Portugal befragt. Daraus geht hervor, dass die Befragten Energiesysteme nicht anhand einzelner Merkmale bewerten, sondern bereit sind, zwischen verschiedenen Eigenschaften abzuwägen. (Mey et al., 2024). Weniger bevorzugte Elemente können durch andere, positiv bewertete Aspekte ausgeglichen werden, sodass unterschiedliche Ausgestaltungen eines Energiesystems insgesamt ähnlich attraktiv erscheinen. Dies deutet darauf hin, dass Bürgerinnen und Bürger durchaus kompromissfähig sind. Auch wenn einzelne Technologien – etwa Windenergie – kritischer bewertet werden als andere, bedeutet dies nicht zwangsläufig eine generelle Ablehnung. Vielmehr können weniger präferierte Bestandteile akzeptiert werden, wenn sie mit anderen erwünschten Eigenschaften wie geringeren Kosten, niedriger Importabhängigkeit oder einer insgesamt ausgewogenen Systemgestaltung verbunden sind. Die Ergebnisse zeigen damit, dass Akzeptanz nicht als starres Ja oder Nein verstanden werden sollte. Sie ist das Ergebnis von Abwägungs- und Aushandlungsprozessen, in denen unterschiedliche Interessen und Präferenzen miteinander in Einklang gebracht werden müssen.

Energiewende am Scheideweg?

Externer Link: Die aktuelle Umfrage im Rahmen des Nachhaltigkeitsbarometers (Ebersbach et al., 2026) zeigt: Die Bevölkerung nimmt die Zielkonflikte der Transformation durchaus wahr. Sie hat insgesamt ein differenziertes Verständnis für die Herausforderungen des Wandels. Trotz mehrerer gegenwärtiger Krisen wird der Klimawandel von einer Mehrheit der Bevölkerung weiterhin als eine ernste Bedrohung wahrgenommen. Die Besorgnis über die Auswirkungen des Klimawandels prägt das Bild für entsprechende Maßnahmen, die allerdings zunehmend in die Kritik geraten.

Wie bereits in den vorherigen Umfragen des Nachhaltigkeitsbarometers aus den Jahren 2022 (69 Prozent) und 2023 (67 Prozent) befürwortet auch in 2026 weiterhin eine Mehrheit (59 Prozent) der Deutschen die Energiewende – jedoch zeigt sich eine abnehmende Tendenz.

Die Umsetzung der Energiewende wird zunehmend negativ wahrgenommen. Dies zeigt sich insbesondere in der Unzufriedenheit mit dem staatlichen Handeln sowie der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung (Betsch et al., 2026; Ebersbach et al., 2026). Die Unzufriedenheit über den derzeitigen Fortschritt der Energiewende ist 2026 gegenüber 2022 weiter gewachsen (Ebersbach et al., 2026). Eine Ursache kann in den Sorgen über die Auswirkungen der Energiewende liegen. Hier zeigen sich ein wachsendes Gefühl von Ungerechtigkeit und der Eindruck, dass die Interessen der Bürgerinnen und Bürger bei ihrer Umsetzung zu wenig berücksichtigt werden.

Allerdings verbinden die Befragten mit der Energiewende auch wirtschaftliche Chancen, etwa durch Investitionen, Innovationen und den Ausbau von Beschäftigungsmöglichkeiten in Zukunftsbranchen. Tatsächlich ist die Beschäftigung in Bereich erneuerbare Energien zwischen 2010 und 2023 um 2,3 Prozent auf 276.000 (in 2023) Beschäftigte gestiegen (UBA, 2025). So bewertet auch eine Mehrheit, dass heutige Investitionen notwendig sind, um langfristig Kosten zu senken. Sie nimmt das Potenzial der Energiewende für eine größere Energieunabhängigkeit wahr.

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre verdeutlichen, dass die Zustimmung gegenüber der Energiewende insgesamt abnimmt (Betsch et al., 2026; Ebersbach et al., 2026). Die gestiegenen Energiekosten der zurückliegenden Jahre haben zudem wirtschaftliche Unsicherheiten verstärkt. Mit den damit verbundenen Herausforderungen und Ängsten ist Kritik an energiepolitischen Maßnahmen gestiegen. Diese ist nicht zwangsläufig Ausdruck einer politischen Polarisierung. Sie kann jedoch von politischen Akteuren aufgegriffen und unterschiedlich zugespitzt werden. Insbesondere rechte Akteure setzen dort an. So entsteht eine zunehmende kommunikative Polarisierung – bei welcher es nicht per se um auseinanderdriftende Einstellungen geht. Es geht vielmehr darum, dass gegensätzlichen Positionen als strukturierendes Prinzip in der Art und Weise, „wie Publikum und Politik sich […] beobachten“ (Kumkar, 2025 S. 158) genutzt werden. In der öffentlichen Debatte werden Meinungsunterschiede häufig als zunehmende Polarisierung gedeutet. Diese Interpretation greift jedoch oft zu kurz. Sie bildet die vielfältigen und differenzierten Einstellungen in der Bevölkerung nur unzureichend ab (Eversberg & Holz, 2024).

Allerdings liegt hierin dennoch eine größere Problematik. Diese Tendenzen erschweren eine sachliche und lösungsorientierte Aushandlung von Klimapolitik und können dazu führen, dass Maßnahmen nicht mehr als gerecht oder effizient wahrgenommen werden. In der Folge wird nicht nur die Akzeptanz konkreter Klimaschutzmaßnahmen geschwächt, sondern auch das Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit politischer Institutionen insgesamt beeinträchtigt. Das kann langfristig die Legitimität des politischen Systems untergraben.

Einstellungen sind vielschichtig

Einstellungen spielen eine zentrale Rolle in der politischen Debatte. Sie werden häufig als Grundlage für die gesellschaftliche Legitimation klimapolitischer Maßnahmen herangezogen. Gleichzeitig zeigt sich, dass diese Einstellungen keineswegs einheitlich sind, sondern von einer Vielzahl von Faktoren geprägt werden: Dazu zählen die persönliche sozio-ökonomische Situation, Ortsverbundenheit sowie die Wahrnehmung der Technologie und ihrer Risiken. Auch Gerechtigkeitsfragen, Kosten und Umsetzbarkeit politischer Maßnahmen sowie das Vertrauen in politische und gesellschaftliche Institutionen fallen darunter.

Insgesamt zeigen diese Zusammenhänge deutlich, dass öffentliche Zustimmung zu differenziert zu betrachten ist und von vielfältigen sozialen, institutionellen und kontextuellen Einflüssen abhängt. Ein besseres Verständnis dieser Nuancen ist entscheidend, um klimapolitische Maßnahmen so zu gestalten, dass sie sowohl wirksam als auch gesellschaftlich tragfähig und legitim sind.

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