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1.9.2019 | Von:
Dr. Roland Götz

Russlands Volkswirtschaft

Vor Stagnation oder Aufschwung?

Status und Strukturen

Russland rangiert 2017 mit seinem Bruttoinlandsprodukt, wenn „Kaufkraftparitäten“ (Preise wie in den USA) zugrunde gelegt werden, hinter Deutschland an sechster Stelle in der Welt (Tabelle 3). Bei der Förderung von Rohstoffen und der landwirtschaftlichen Erzeugung rangiert Russland weit oben, während das Land bei Erzeugnissen der zivilen Industrie zurückbleibt (Tabelle 4). Bei den Rüstungsausgaben steht Russland 2017 dagegen nach den USA und China, gleichauf mit Saudi-Arabien, an dritter Stelle der Weltrangliste.





In den Betrieben, die der Staat ganz oder mehrheitlich besitzt, wird nach Berechnung des Internationalen Währungsfonds rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts erzeugt. Alleiniger Eigentümer ist der Staat bei den Betrieben der Rüstungs- und Atomindustrie und Weltraumtechnik. Überdurchschnittlich hoch ist er in den Wirtschaftszweigen Verkehrswesen, Energieerzeugung, Förderung von Bodenschätzen sowie Banken und Versicherungen engagiert.

In Russland hatte die "Schattenwirtschaft" nach Berechnungen von Experten im Jahr 2015 einen Anteil von 34 Prozent an der Entstehung des Bruttoinlandsprodukts. Dabei handelte es sich um nicht offiziell registrierte Tätigkeiten vor allem in der Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor sowie die in allen Branchen verbreiteten Lohnzahlungen "im Briefumschlag", womit die Beschäftigten Lohnsteuern und Sozialabgaben sparen. Nur die Hälfte dieses Schätzwerts berücksichtigt der Russischen Statistische Dienst in seiner Berechnung des Bruttoinlandsprodukts.

Das zu Inlandspreisen (und nicht zu Kaufkraftparitäten) berechnete Bruttoinlandsprodukt Russlands weist 2017 und 2018 folgende Struktur auf: Rund die Hälfte wird von den privaten Haushalten konsumiert. Rund 18 Prozent werden vom Staat für Gehälter und den laufenden Verbrauch in Verwaltungen, dem Militär und den Sicherheitsdiensten verwendet. Einen geringfügig höheren Umfang haben die Bruttoinvestitionen in Sachanlagen (Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge, Verkehrswege) der Unternehmen und des Staats einschließlich des Wohnungsbaus. Da der Export von Waren und Dienstleistungen deren Einfuhr übersteigt, kann im Inland entsprechend weniger verwendet werden. Diese Proportionen entsprechen weitgehend denen in Deutschland (Tabelle 5).



Außenhandel

Russlands Exporte werden vom Rohstoffexport dominiert, bei dem Erdöl mit einem Anteil von einem Viertel am gesamten Warenexport die größte Rolle spielt (Tabelle 6). Da der Wert des Erdölexports stark von den Schwankungen des Ölpreises bestimmt wird, schwanken entsprechend auch der Rubelkurs und damit die Kosten für Importgüter. Der mit rund 70 Prozent hohe Anteil von Energieträgern und Metallen am Gesamtexport resultiert einerseits aus dem Reichtum des Landes an diesen Rohstoffen, andererseits aber auch an der geringen Konkurrenzfähigkeit der Erzeugnisse der verarbeitenden Wirtschaftszweige Russlands auf dem Weltmarkt. Die von der Weltbank berechnete "Ölrente" (die Differenz zwischen dem Wert der Ölförderung zum Weltmarktpreis und den Förderkosten) lag in Russland beim Höchststand des Ölpreises 2011 bei 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während sie in typischen "Petrostaaten" wie Kuwait, Saudi-Arabien, Irak oder Aserbaidschan 2011 zwischen 30 und 60 Prozent betrug.



Größter Außenhandelspartner Russlands ist die EU, auf die rund 40 Prozent der Warenexporte sowie Warenimporte Russlands entfallen. Aus China bezieht Russland rund 20 Prozent seiner Einfuhrgüter und liefert dorthin rund 10 Prozent seiner Exportwaren.

In der amtlichen Statistik nicht eigens ausgewiesen ist der Waffenexport Russlands, den Präsident Wladimir Putin für 2017 mit 15 Milliarden US-$ bezifferte, was mit Trendangaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) übereinstimmt. Mit ihm steht Russland an zweiter Stelle hinter den USA.

Russland ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), der außerdem Armenien, Belarus Kasachstan und Kirgistan angehören und die hauptsächlich als Zollunion fungiert. Auf sie entfallen sechs Prozent des Außenhandelsumsatzes Russlands.

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