GrafStat Fußball

21.7.2014

Dr. D. Pfeiffer im Rückblick auf die WM 2014

Die WM 2014 in Brasilien: Fakten und Impressionen

von Dr. Dietmar K. Pfeiffer

Die Fußball WM ist zu Ende und wie immer wird nach einem solchen Großereignis Bilanz gezogen. Diese fällt natürlich je nach Perspektive, unterschiedlich aus. Für die brasilianische Präsidentin war es die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten („a copa das copas“), für die brasilianischen Fans war es die größte Schande aller Zeiten („a maior vergonha da história centenária da seleção brasileira“) und für die deutsche Mannschaft und ihre Fans machte der „Jahrhundertsieg“ gegen Brasilien und der Glanz des vierten Sterns diese WM zu einem unvergesslichen Erfolgserlebnis, das Begeisterung und Euphorie auslöste.

Die schönste Nachricht von allen war aber sicherlich, dass die von den Medien weltweit im Vorfeld entwickelten Horrorszenarien vom Typ „Tod und Spiele“ (Der Spiegel vom 12.05.14) sich nicht verwirklichten. Massive Krawalle, ein Zusammenbruch der Verkehrssysteme und ausufernde Kriminalität blieben aus. Sicherlich kam es hier und da zu unerfreulichen Zwischenfällen (ein abgefackeltes Busdepot in Sao Paulo nach dem verlorenen Spiel gegen Deutschland, eine wegen Baumängeln eingestürzte Brücke in Belo Horizonte und ein Geflecht von Betrug und Schwarzhandel beim Ticketing). Insgesamt aber herrschte ein störungsfreies und positives Klima und wer, wie ich, die Gelegenheit hatte, Spiele live im Stadium zu verfolgen, war angenehm überrascht von der Begeisterung der Zuschauer, der guten Organisation und dem friedlichen Nebeneinander der nationalen Fangruppen in und um das Stadion. Es bedarf hier gar nicht unbedingt des viel strapazierten Begriffs der Völkerverständigung, es genügen auch Begriffe wie Respekt und Anerkennung des Gegners zur Beschreibung der Atmosphäre. Aus manchen deutschen Stadien ist man heutzutage Anderes gewohnt.

Das massive polizeiliche Sicherheitsaufgebot, dessen Präsenz unübersehbar war und das vereinzelte Protestaktionen bereits im Vorfeld isolierte, hat sicherlich dazu beigetragen, dass es, außer der üblichen Kleinkriminalität, zu keinen gravierenden Zwischenfällen kam. Und das Bemühen der Brasilianer um ihre Gäste aus aller Welt verdient große Anerkennung. Entsprechend äußerten sich in einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 2000 Ausländern aus 60 verschiedenen Ländern 83% der Befragten positiv zur Organisation; bei Sicherheit und Transportwesen wurden die Erwartungen mehrheitlich übertroffen. Kritik gab es, wie zu erwarten, an überzogenen Preisen und Mängeln im Kommunikationssektor.

Diese WM gestemmt zu haben, wenn auch mit etwas Druck und Unterstützung von außen, war für das nach dem Katastrophenspiel gegen Deutschland stark ramponierte Selbst-bewusstsein der Brasilianer wichtig und half dabei, den Frust zumindest etwas abzubauen. Die Erkenntnis, dass es Ziele gibt, die nicht zu erreichen sind, war bitter, und die Hoffnung durch sportliche Topleistungen die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes vergessen zu machen, erwies sich als trügerisch.

Wie aber geht es nun weiter, nachdem Ernüchterung an die Stelle von Euphorie getreten ist? Die fußballerische Formkrise des Landes lässt sich vermutlich leichter überwinden als die wirtschaftliche und soziale. Ob die enormen Gesamtkosten von rund 10 Milliarden Euro einen positiven Return aufweisen werden, ist ungewiss. Die entsprechenden ökonomischen Analysen hierzu sind widersprüchlich. Sicher ist, dass die Folgekosten für den Unterhalt von kaum genutzten Stadien, für Hotelkapazitäten, die keiner braucht, und für die Fertigstellung von noch nicht abgeschlossenen Projekten erheblich sein werden. Sicher ist auch, dass die Probleme im Bildungs- und Gesundheitsbereich, die Ineffizienzen in Wirtschaft, Politik und Verwaltung weiterhin erhebliches Konfliktpotential in sich bergen Ob es während der Wahlkampfphase in den kommenden Wochen zu neuerlichen Unruhen kommen wird, lässt sich jedoch kaum prognostizieren.

Aus deutscher Sicht ist - neben dem Titelgewinn - der große Sympathiegewinn erfreulich, den sich die Mannschaft durch ihre Leistung und ihr Auftreten innerhalb und außerhalb der Stadien erworben hat. Dass die Mehrzahl der brasilianischen Zuschauer beim Endspiel, trotz der bitteren Niederlage, die deutsche Mannschaft unterstützt hat, ist sicherlich zum Teil den nationalen Animositäten zwischen Argentinien und Brasilien geschuldet, aber auch Ausdruck der Anerkennung, die dem deutschen Team und Deutschland insgesamt entgegen gebracht wurde.


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