GrafStat Fußball

10.8.2014 | Von:
Wolfgang Sander
Cornelius Knab
Timo Kramp
Jan Schröter

Rückblick WM 2014

  • Internationale Pressestimmen:

    Zwei Tage nach dem Endspiel am 13. Juli 2014 kommentierte die internationale Presse den deutschen Sieg euphorisch:

    Sportzeitung "Olé"(Argentinien): "Uns wurde die Hoffnung gestohlen - ein nationaler Schlag. Die Nationalelf verlor das Finale in der Verlängerung durch ein hervorragendes Tor Götzes, und Deutschland hat uns wieder wie 1990 besiegt. Argentinien hat ein sehr ehrenhaftes Spiel gezeigt. Der italienische Schiedsrichter hat in der zweiten Halbzeit ein klares Elfmeterfoul an Higuaín nicht gepfiffen. Trotz des Schmerzes muss man den Jungs Applaus spenden."

    Estadão (Brasilien): "Die Deutschen kamen nach Brasilien, um Geschichte zu Schreiben. Sie haben ihren vierten WM-Titel erobert, sich haben als erstes europäisches Team den Pokal in Amerika in die Höhe gestemmt, und sie haben Miroslav Klose als WM-Rekordtorjäger unsterblich gemacht. Und zum guten Schluss ließen sie Messi, bei seinem dritten Versuch, eine WM zu gewinnen, außen vor."

    "El País" (Spanien): "Deutschland benötigte für seinen vierten WM-Titel 120 Minuten, viel Schweiß und die Treffsicherheit eines Götze, der in der WM bis dahin kaum in Erscheinung getreten war. Argentinien hatte eine stabile Abwehr, aber es fehlte das Schießpulver im Angriff."

    "La Gazzetta dello Sport" (Italien): "Germania über alles! (auf Deutsch). Vierter WM-Titel für Deutschland, es entscheidet die Magie des Bayern-Angreifers Götze, vorgelegt von Schürrle. Zwei Jungs, die von der Bank kommen und zeigen, wie stark der deutsche Kader ist und wie verdient dieser Erfolg einer wahren Mannschaft am Ende war. Eine Mannschaft, die seit Jahren zusammenspielt und jetzt die Früchte erntet."

    "Corriere dello Sport" (Italien): "Triumph für Deutschland. Mario Götze entscheidet die WM in Brasilien. Eine spannende und umkämpfte Partie in Rio de Janeiro, aber am Ende triumphieren die Deutschen über ein zu limitiertes Argentinien, das zu abhängig von einem nicht wieder zu erkennenden Messi ist, der komplett aus dem Spiel war. Am Ende erobert Deutschland den Pokal: erfahrener, bestimmter, deutscher. Alles in allem die stärkste Mannschaft."

    De Volkskrant (Niederlande): "Deutschland Weltmeister dank eines 'messianischen' Tores. Hinreißend, spannend und hart war das WM-Finale zwischen dem kombinierenden Kollektiv aus Deutschland und den Argentiniern, die auf eine Erlösung durch Messi spekulierten. Als die Dämmerung über Rio de Janeiro gefallen war und die Ausdauer fast verbraucht war, gewann Deutschland. Es ist der verdiente Lohn für den neuen Weg, basierend auf Technik und Mumm."

    "Kurier"(Österreich): "Ganz Deutschland ist Weltmeister. Sternstunde für den deutschen Fußball. Eine echte Willens- und Energieleistung in einem Endspiel, das viele Stolpersteine und Hürden für die Mannschaft von Joachim Löw vorgesehen hatte."

    The Guardian (Großbritannien): "Super-Mario hilft Deutschland zum Triumph. Götzes Volley stellt Rio in eine Reihe mit Bern 1954, München 1974 und Rom 1990. Die Deutschen sind verdiente Weltmeister, auch wenn sie nicht mit der Überlegenheit des Halbfinals aufgetreten sind. Es ist der Gipfel einer Geschichte, die für andere eine Inspiration sein sollte. Diese Mannschaft entwickelt sich immer weiter, und doch hat sie weiterhin die Qualitäten, die den Grundstein für die früheren Erfolge deutscher Mannschaften gelegt haben."

    "Rzeczpospolita" (Polen): "Gewonnen hat der schöne Fußball, Mario Götze ist der Held des Finales. Leo Messi wird kein Gott wie Diego Maradona sein. Das war ein großes Finale, das dieser WM würdig war. Sowohl die Deutschen als auch die Argentinier wussten, dass dies ihre einzige Chance sein kann, in die Geschichte einzugehen. Die Schritte des argentinischen Tango verwoben sich auf dem Spielfeld mit dem Samba der Deutschen. Und die Deutschen tanzen Samba sieben Mal besser als die Brasilianer."

    "Sport-Express" (Russland): "Der Fußball lebt! Deutschland hat es verdient. Die Deutschen waren ihrem Gegner fast in allem überlegen. Das Bundesteam wurde nicht nur zum vierten Mal Weltmeister, sondern stellte nebenbei auch einen Rekord auf: Drei Titel hintereinander für Europa. Auf Wiedersehen in Russland!"

  • Kontroverse um den „Gaucho“-Tanz

    Im Anschluss an die WM-Feier entstand eine große Diskussion im Feuilleton der Zeitungen über den Auftritt der Hausgemeinschaft um Roman Weidenfeller, André Schürrle, Skhodran Mustafi, Miroslav Klose, Mario Götze und Toni Kroos (die Spieler wohnten im Campo Bahia in Gruppen in einem Haus). Sie haben auf die Melodie von dem Kinderlied „So reit‘ der Cowboy“ eine Variante zum WM-Finale erdichtet. Dabei sind sie in gebeugter Haltung gegangen und haben „So gehen die Gauchos“ gesungen, als der Text zu „So gehen die Deutschen“ umschlug, sind sie aufgesprungen und haben ihren Weg tanzend im aufrechten Gang fortgesetzt.
    In den Medien ist seitdem der „Gaucho-Dance“ omnipräsent. Der Begriff „Gaucho“ bezeichnet einen lateinamerikanischen Viehzüchter und zudem werden die Spieler der argentinischen Nationalmannschaft in Anknüpfung an diesen Ursprung „Gauchos“ genannt. Dennoch scheint es weit hergeholt zu sein, den deutschen Spielern eine Absicht der Diffamierung zu unterstellen. Neutralen Beobachtern wirft sich die Frag auf, ob dieser Tanz wirklich notwendig gewesen ist, schließlich birgt sich darin ein despektierlicher Vergleich des Siegers mit dem Verlierer. Regelmäßigen Stadiongängern war dieser Tanz allerdings bekannt, er wird in zahlreichen Stadien nach einem Sieg zelebriert und niemanden stört es. In einem Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft gegen eine argentinische befindet sich diese Art zu feiern auf einer neuen, politischen oder ethnischen Ebene. Es wird deutlich, dass mit „Gauchos“ nur und ausschließlich die Argentinier gemeint sind. Aber nicht mehr und nicht weniger. Das steht genauso für die argentinische Nationalmannschaft, wie „Three Lions“ für die englische, wie „Selecao“ für die brasilianische, wie „Equipe Tricolore“ für die französische. Deswegen muss die Frage gestellt werden, ob darin wirklich die Absicht steckt, ein Volk oder gar eine ethnische Gruppierung im nationalistischen Sinne herabzuwerten. Auch wenn dies nicht die Absicht einer Nationalmannschaft ist, so kann sich keine Sportart bei Länderspielen von einem nationsorientierten Charakter freisprechen, und ein Teil davon ist es, sich von anderen Nationen zu unterscheiden. Bei allem Verständnis für die Argentinier, wäre eine Meisterfeier der Argentinier, wenn sie und nicht Deutschland den Pokal gewonnen hätten, frei von solchen Jubel-Szenen gewesen? Die Argentinier, die dann ihren dritten WM-Titel ausgerechnet in Brasilien geholt hätten? Das bleibt zu bezweifeln.[2] Natürlich wird in Deutschland jetzt wieder über Nationalismus und Erniedrigung der Gegner gesprochen. Bis zu einem gewissen Punkt, an dem dieser Hinweis auf ein kritisches Betrachten des Tanzes berechtigt ist, ist diese Ansicht nachvollziehbar. Das Ausmaß der Debatte mag man für übertrieben halten, das sehen selbst viele Argentinier so.[3] Es ist und bleibt ein Spiel. Zu feiern, sich über einen Gewinn zu freuen, ist doch das Normalste der Welt. Dennoch ist es ein gutes Zeichen für eine sensible politische Kultur, wenn schon kleine Ausreißer, die z.T. auf Missverständnissen beruhen, kritisch angemerkt werden. Dass einige Unverbesserliche die Gelegenheit nutzen wollten, ihre nationalistische Suppe zu kochen, sollte von der politischen Bildung in ihren Auswirkungen im Auge behalten werden. Zwei Mainzer Studenten haben diese Phänomene auf Schland-Watch dokumentiert.[4]

    Weitere Literaturhinweise über den Gaucho-Tanz finden sich am Ende des Rückblicks.


  • Fußnoten

    2.
    Vgl. http://www.tagesspiegel.de/sport/wm-2014-argentinien-im-finale-von-rio-das-zweite-trauma-fuer-brasilien/10183344.html
    3.
    Vgl. http://www.sueddeutsche.de/sport/argentinische-reaktionen-zum-gaucho-tanz-viel-laerm-um-nichts-1.2050166
    4.
    Schlandwatch: https://www.facebook.com/schlandwatch.original?fref=ts

    Deutschland ist in diesem Jahr Gastgeber der Frauenfußball-WM. Die bpb informiert über die Geschichte des Frauenfußballs und berichtet über Hintergründe abseits der üblichen Sportberichterstattung. Außerdem: die wichtigsten Länderdaten zu allen Teilnehmern.

    Mehr lesen

    Mit Südafrika ist zum ersten Mal ein afrikanisches Land Ausrichter der Fußballweltmeisterschaft. Vor dem Hintergrund großer gesellschaftlicher Gegensätze kämpfen Teams aus 32 Ländern um den Titel.

    Mehr lesen

    2006 war die Fußball-Welt zu Gast in Deutschland. Die bpb stellt weiterhin alle Länder vor, die teilgenommen haben. Und in der Presseschau können Sie alles Wichtige zum Turnier nachlesen.

    Mehr lesen

    Grafstat Logo Service
    Wenn's Fragen gibt...

    Grafstat Service

    Für alle Fragen, die bei der Durchführung Ihres Projektes auftauchen, versucht das Team der Universität Münster eine Antwort zu finden - ganz gleich, ob Sie Fragen zur Software, zur Methodik oder zur Organisation Ihres Projektes haben.

    Mehr lesen

    Grafstat Logo Methoden
    Meinungsforschung im Unterricht

    Grafstat Methoden

    Die Attraktivität des Unterrichtsfaches Politik/Sozialkunde kann in erheblichem Maße dadurch gesteigert werden, dass den Jugendlichen motivierende Aufgaben gestellt und Raum für Eigenaktivitäten geschaffen wird. Die unterrichtsmethodischen Vorschläge haben das Ziel, die methodischen Handlungsmöglichkeiten der Lehrperson deutlich zu erhöhen.

    Mehr lesen