GrafStat Fußball

10.8.2014 | Von:
Wolfgang Sander
Cornelius Knab
Timo Kramp
Jan Schröter

Rückblick WM 2014

  • FIFA und DFB

    Deutschland ist Weltmeister. Da steht es natürlich außer Frage, dass der DFB einer der Gewinner dieser Weltmeisterschaft ist. Aber auch die Sponsoren der deutschen Mannschaft können sich darüber sehr freuen. Adidas ist der Ausrüster der Nationalmannschaft und in Deutschland ist nach dem WM-Titel ein großer Boom losgebrochen. Die Verkaufsläden werden gestürmt, um das neue deutsche Trikot zu ergattern, das Trikot mit dem vierten Stern. Dennoch sind die Adidas-Aktienkurse wenige Wochen später in den Keller gegangen, da im wichtigsten Markt der Sportartikelindustrie (USA) ein Umsatzrückgang von 14% zu verzeichnen war und der Russlandmarkt wegen der Ukrainekrise nicht wie erwartet wächst.[5]
    Vor allem aber kann sich die FIFA mal wieder zu dem Kreis derer zählen, die in einem besonderen Maße von dem großen Fußball-Event in Brasilien profitierten. Der Kontrast zwischen dem Gastgeberland Brasilien und der FIFA könnte nicht größer sein. Brasilien hat viel für die Weltmeisterschaft investiert, große Schulden gemacht, Stadien gebaut, die nach der WM kaum noch gebraucht werden. Die FIFA hingegen hat wieder große Einnahmen zu verzeichnen. Die Gewinnprämien, die an die teilnehmenden Nationen und die Vereine der Spieler ausgeschüttet werden, ist nur ein Bruchteil von dem Gewinn, den die FIFA machte. Sie hat ihren Gesamtumsatz auf 3,3 Milliarden Euro gesteigert und damit einen Rekordwert erreicht. Da die FIFA in Brasilien von Steuern befreit ist, bleibt ihr nach Auszahlung der Gewinnprämien und weiterer Ausgaben noch etwa 1,6 Milliarden Euro.[6]
    Allerdings hat die FIFA bei der WM ein blaues Auge davongetragen. Noch während der Weltmeisterschaft wurde publik, dass ein hochrangiger FIFA-Funktionär, der der Vorsitzende der FIFA-Ticketagentur war, Tickets für viel Geld auf dem Schwarzmarkt weiterverkauft hat.[7]
    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die FIFA und der DFB zwar wirtschaftlich enorm von der WM profitierten, aber die FIFA zugleich auch moralisch und im Ansehen nach all den vorhergehenden Korruptionsvorwürfen weiter verloren hat.

    Es war zudem sicherlich kein Zufall, dass der russische Staatspräsident Wladimir Putin während des WM-Finales auf der Tribüne des Maracana-Stadions zu Rio de Janeiro neben Sepp Blatter saß und wichtige Gespräche für die nächste WM in Russland 2018 geführt haben dürfte. So erstaunt es die Fußball-Welt, dass die drei Mannschaften von der völkerrechtswidrig einverleibten Halbinsel Krim bereits an russischen Wettbewerben teilnehmen. Ein Verbandswechsel ohne Zustimmung des abgebenden Landes (hier: die Ukraine) hätte Protest oder gar Sanktionen der FIFA auslösen müssen. Aber das unterblieb. Im Vorstand der FIFA (und UEFA) sitzen enge Vertraute des russischen Staatpräsidenten. Zudem haben beide Verbände mit dem russischen Gazprom-Konzern lukrative Sponsorenverträge abgeschlossen. So kann Sport zur faktischen Anerkennung der russischen Annexionspolitik beitragen.[8]
    Russland damit drohen, die WM 2018 zu nehmen, wie von Manchen gefordert, wäre wahrscheinlich politisch unklug. "Die maximale Brüskierung einer maximalen Zahl von Russen wäre das [...] Es zeigt, was Russen, Europäer und Amerikaner derzeit brauchen: so viele Begnungen wie nur möglich, ob bei einer WM oder bei einem "Russlandtag". Jeder Kontakt ist ein Wert an sich. Wer einen Konflikt kennt, der gelöst wurde, indem Menschen nicht mehr miteinander gesprochen haben, möge sich bitte melden."[9] Auch der Ukraine-Konflikt zeigt: Fußball kann immer noch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten - manchmal mehr, manchmal weniger.


  • Quellen:

    Fröschner, Joschka (2014)a: Fußball-WM, Woche 1: Party-Patriotismus fordert erstes Opfer in Nidda. Im Internet: http://www.fussball-gegen-nazis.de/beitrag/fu%C3%9Fball-wm-woche-1-party-patriotismus-fordert-erstes-opfer-nidda-9528
    Fröschner Joschka (2014)b: FIFA-WM, Woche 2: Blackface und andere Scheußlichkeiten. Im Internet: http://www.fussball-gegen-nazis.de/beitrag/fifa-wm-woche-2-blackface-und-andere-scheu%C3%9Flichkeiten-9542
    Grimm, Katharina (2014): Rechte Ausbrüche nach WM. Die Schlöcher aus Schland. Im Internet, http://www.stern.de/politik/deutschland/rechte-ausbrueche-nach-wm-die-schloecher-aus-schland-2123956.html
    Hermann, Boris (2014): Ha! Ho! Heja heja he!, in: Süddeutsche Zeitung vom 29.07.2014.
    Hugues, Pascale (2014): Nationalismus heute, in: Süddeutsche Zeitung vom 02.08.2014.
    Latsch, Marc (2014): FIFA-WM, Woche 3: Reichsflaggenjubel, Twitter-Rassismus und der Hakenkreuz-Cannabis-Papst. Im Internet, http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/fifa-wm-woche-3-reichsflaggenjubel-twitter-rassismus-und-der-hakenkreuz-cannabis-papst-haupt
    Hofmann, Paul/ Balzer, Anne-Sophie (2014): Der schmale Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus. Im Internet, http://www.zeit.de/sport/2014-06/fussball-wm-rassismus
    Rafael, Simeone (2014): Rassismus und aggressiver Patriotismus zum WM-Finale. Im Internet: http://www.netz-gegen-nazis.de/beitrag/rassismus-und-aggressiver-patriotismus-zum-wm-finale-9582
    Schlandwatch: https://www.facebook.com/schlandwatch.original?fref=ts
    Spiller, Christian (2014): „Die WM frisst alles auf“. Ein Interview mit Sportsoziologe Albrecht Sonntag. Im Internet, http://www.zeit.de/sport/2014-07/wm-brasilien-nationalismus-megaevent
    Spiegel-Online (2014): WM-Party in Berlin: Mustafi nennt Kritik am Gaucho-Tanz „respektlos“. Im Internet, http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/gaucho-tanz-in-berlin-shkodran-mustafi-findet-kritik-respektlos-a-981438.html
    Spiegel-Online (2014): WM-Party in Berlin: DFB-Präsident Niersbach verteidigt Gaucho-Tanz. Im Internet: http://www.spiegel.de/panorama/so-geh-n-die-gauchos-dfb-chef-niersbach-verteidigt-gaucho-tanz-a-981366.html
    Straud, Toralf (2012): Fußballtaumel und Fremdenfeindlichkeit. Im Internet, http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-zur-fussballweltmeisterschaft-fussballtaumel-und-fremdenfeindlichkeit-1.893255
    taz.de (2014): Gaucho-Tanz auf der WM-Party. Das war nicht die echte Mannschaft. Im Internet, http://www.taz.de/!142661/
    taz.de (2014): Nationalismus zur WM. Deutscher als die Polizei erlaubt. Im Internet, http://www.taz.de/!142457/
    Universität Marburg (2006): Wie Nationalismus, Patriotismus und Fremdenfeindlichkeit miteinander einhergehen. Im Internet, http://www.uni-marburg.de/aktuelles/news/2006/20061213studie/20061213studie

    Fußnoten

    5.
    vgl. SZ vom 08.08.2014
    6.
    Vgl. Spiegel Online (2014), http://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-weltverband-fifa-macht-53-millionen-euro-gewinn-in-2013-a-974627.html
    7.
    Vgl. Spiegel Online (2014), http://www.spiegel.de/sport/fussball/wm-ticketskandal-polizei-nimmt-direktor-von-fifa-agentur-fest-a-979778.html
    8.
    Vgl. SZ vom 12.08.2014
    9.
    Esslinger, Detlef (2014): Deutsche Botschaften, in: Süddeutsche Zeitung vom 07.08.2014

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