Projekt KlassenCheckUp

1.10.2008 | Von:
Wolfgang Sander
Julia Haarmann
Sabine Kühmichel

Sachanalyse

Von der Klassenklima-Forschung zum Musterfragebogen

Mit Hilfe des Online-Fragebogens können Sie die Befragung schnell und unkompliziert in der Klasse durchführen.In der Befragung zum Klassenklima wird versucht, eine Reihe von relevanten Einstellungsobjekten in Form einer Aussage (Item) zu benennen, wozu die Befragten ihre Zustimmung oder Ablehnung abgeben können (© BpB)
Der Schulforscher H. Fend hat sich schon früh mit dem Klima in der Schule beschäftigt, da er im Schulklima einen wichtigen Faktor sah, der das Lernen und das Zusammenleben von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern deutlich beeinflusst.

Wie beim Wetter sind unsere Stimmungen, Handlungen und Leistungen in der Schule vom empfundenen sozialen Klima abhängig. Schüler, Lehrer und Eltern sind sich hier einig: Wenn sich Schüler und Schülerinnen in der Klasse wohl fühlen, sind sie zufriedener und lernen dort auch lieber. In Analogie zur Großwetterlage setzt sich nach Fend das Klima in der Schule aus den verschiedenen Mikroklimazonen in den Klassen zusammen (vgl. Fend 1998, S. 174). Im Gegensatz zum Umweltklima kann das soziale Klima in der Klasse und Schule von den Akteuren selbst beeinflusst, verändert und verbessert werden. Denn sie machen das Klima.

Schulklima, Klassenklima, Unterrichtsklima

Aber das soziale Klima ist eine schwer fassbare Größe, zum einen, weil nicht klar ist, welche Faktoren relevant sind; zum anderen weil die Datenerhebung nur zusammen mit den Akteuren möglich ist. In der Schule kann das Klima auf verschiedenen Ebenen gemessen werden. So kann zwischen Schulklima, Klassenklima, Jahrgangsstufenklima oder Unterrichtsklima unterschieden werden. Außerdem kann dies aus der Perspektive der Lehrerinnen und Lehrer oder aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler ermittelt werden.

Als eine erste Definition kann mit Fend festgehalten werden: "Unter Schulklima verstehen wir (...) das, was Schüler und Lehrer schaffen, wenn sie die für sich allein toten gesetzlichen und institutionellen Regelungen von 'Schule halten' zu lebendigen Interaktionsformen des Lehrens und Lernens gestalten" (Fend 1975, S. 15). Die Definition deutet an, dass das Klassenklima nicht so sehr durch den formalen Rahmen der rechtlichen Bestimmungen bestimmt ist, sondern wie das Schulhaus durch die Interaktionen der Akteure mit Leben gefüllt wird. Aber die Definition lässt noch weitgehend offen, worauf im Einzelnen zu achten ist. Etwas genauer fällt die Definition von Eder aus, der seit knapp zehn Jahren empirische Untersuchungen zum Klassenklima durchgeführt hat. Bei ihm heißt es: Das Klassenklima ist die "subjektiv wahrgenommene spezifische Konfiguration wesentlicher Elemente des erzieherischen Verhältnisses zwischen Lehrern und Schülern, des Verhältnisses der Schüler untereinander sowie kollektiver Einstellungen und Verhaltensbereitschaften von Lehrern und Schülern innerhalb der jeweiligen Lernumwelt" (Eder 1996, S.26). Elemente des Klassenklimas sind demnach also das Lehrer-Schüler-Verhältnis, das Schüler-Schüler-Verhältnis sowie die gemeinsamen Einstellungen zur sozialen Umwelt Klasse.

Das Klassenklima wird dabei nicht mit dem Begriff Unterrichtsklima gleich gesetzt. Dieser beschreibt das spezifische Klima im Unterricht eines jeweiligen Fachlehrers. Bei verschiedenen Lehrkräften existieren somit unterschiedliche Unterrichtsklimata. Bei Ihrer Befragung sollte beachtet werden, ob diese Differenzierung von Bedeutung ist. Genauer ist es, nach dem Unterrichtklima zu fragen, aber dann müsste jeder Lehrer selbst nach dem Klima in seinem Unterricht fragen. Etwas allgemeiner und damit eher übertragbar auf das Klima in einer Klasse insgesamt ist es, wenn man die Schüler nach dem (Durchschnitts-)Klima in ihrer Klasse insgesamt befragt.

Das Klassenklima – eine ko-konstruierte soziale Wirklichkeit

Schülerinnen und Schüler melden sich am 18. November 2008 während einer Unterrichtsstunde in einer Schule in Bremen.Mit dem Klima in einer Klasse sind die gesammelten Wahrnehmungen einer Gruppe gemeint. (© AP)
Mit dem Klima in einer Klasse sind die gesammelten Wahrnehmungen einer Gruppe gemeint und es wird davon ausgegangen, dass hohe Überschneidungen in den Klimaeindrücken der Individuen bestehen können. Diese Überschneidungen könnten dann als ein kollektives Klimabild bezeichnet werden. In diesem Sinne können wir dann ko-konstruierte soziale Wirklichkeiten mit hoher Überstimmung unterscheiden von solchen, in denen es diese Übereinstimmung nicht gibt. Letzte könnten Hinweise auf problematische Bereiche im Klassenklima geben und z.B. Außenseiterpositionen sowie Grenzfälle deutlich machen.

Der Begriff des Klassenklimas kann weiter ausdifferenziert werden, indem auf die zentralen Dimensionen eingegangen wird. Gemeint ist zum einen die emotionale Qualität der sozialen Beziehungen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen sowie Schülern untereinder. Das Gefühl und die Stimmung in der Gruppe ist hier prägend. Weiterhin kann der Begriff auch zur Charakterisierung der in einem pädagogischen Umfeld dominierenden Werte und Normen genutzt werden (vgl. Eder 1998). Neben der Beziehungsebene ist auch immer die Inhaltsebene zu berücksichtigen: Was gefällt, was gefällt nicht? Worin stimme ich mit meinen Klassenfreunden und -freundinnen überein, was lehne ich ab? In der Befragung zum Klassenklima wird versucht, eine Reihe von relevanten Einstellungsobjekten in Form einer Aussage (Item) zu benennen, z.B. "In unserer Klasse gibt es klare Verhaltensregeln" (Frage 25)), wozu dann jeder Schüler/jede Schülerin seine/ihre Zustimmung oder Ablehnung auf einer Skala von 1 bis 5 abgeben kann.

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