Projekt KlassenCheckUp

1.10.2008 | Von:
Wolfgang Sander
Julia Haarmann
Sabine Kühmichel

Sachanalyse

Was ist ein "gutes" Klassenklima?

Mit einer Befragung zum Klassenklima möchten Sie als Lehrer nicht nur eine Bestandaufnahme ("Wasserstandsmeldung") erstellen, sondern sie soll Ihnen und den Schülerinnen und Schülern Anhaltspunkte geben, wie die Situation in der Klasse einzuschätzen ist und letztlich auch Hinweise geben, ob das Klassenklima gut ist. Es ist sehr schwierig, Orientierungsgrößen vorzugeben, wann ein Klassenklima gut, wann es normal oder wann es schlecht ist. Es kommt immer auf die Gesichtspunkte an, die Sie für wichtig halten und an Hand derer Sie (zusammen mit den Schülerinnen und Schülern) die Daten auswerten.

Auch diese Bewertungsgesichtspunkte und deren Gewichtung stehen nicht absolut fest, sondern sie können sich im Laufe der Zeit in Ihrer Klasse ändern. In der Klasse fünf dürfte alles, was mit Solidarität in der Klasse zusammenhängt, von großer Bedeutung für das Wohlbefinden sein, in der Klasse 7 nehmen Individualisierung und rivalisierende Kleingruppenbildung deutlich zu: In dieser Altersphase ist ein neues dynamisches Gleichgewicht zwischen Solidarität und Konkurrenz zu finden.

Merkmale eines guten Klassenklimas

Hilfreich für die weitere Klärung und Einordnung der Frage, wie dieses dynamische Gleichgewicht sich gestalten könnte, sind pädagogische und didaktische Ausführungen zum guten Klassenklima – zunächst unabhängig davon, ob diese Gesichtspunkte messbar sind. So wird vermieden, dass ein enges Messparadigma bestimmt, was untersucht wird und worauf bei möglichen Änderungen geachtet werden soll. Hier finden sich die beiden Dimensionen Solidarität und Konkurrenz wieder, allerdings eher verdeckt und ergänzt um andere wichtige Bereiche, die praxisrelevant sein können.

Nach Schneider (Schneider 2006, S. 40) kann von einem guten Klassenklima gesprochen werden, "wenn in der Klasse...
  • ...jeder das Gefühl hat, etwas leisten und erreichen zu können.
  • ...sich jeder emotional und physisch sicher fühlt.
  • ...wertschätzende, von gegenseitigem Respekt getragene Beziehungen aufgebaut werden.
  • ...gemeinsame Ziele entwickelt und benannt werden.
  • ...Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zur gegenseitigen Hilfe bestehen.
  • ...eigenständiges, selbstverantwortliches Handeln ermöglicht wird.
  • ...ein Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe entsteht."


Bei Hilbert Meyer ist mit dem Begriff Klassenklima die "Qualität des Lehrer-Schüler- und Schüler-Schüler-Verhältnisses" gemeint und eine unbedingte Voraussetzung für das Gelingen guten Unterrichts. Ein "gutes Klima" sei durch folgende fünf Merkmale bestimmt:
  • "gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz,
  • verantwortungsvoller Umgang mit Personen und Gegenständen,
  • eine zufriedene und fröhliche Grundeinstellung,
  • eine klar strukturierte Führung und Leitung,
  • Höflichkeit und Respekt" (Meyer 2003, S. 77, zitiert nach Minderop, in: Pädagogik 11/04, S. 4).
Ein gutes Schulklima ist stark von einem positiven Klima in den Klassen beeinflusst. Im Klassenverband "spüren die Schülerinnen und Schüler am Deutlichsten, in wie weit die [...] psychologischen Grundbedürfnisse nach Zusammengehörigkeit, Selbstbestimmung, Kompetenz und Sicherheit befriedigt werden" (Schneider 2006, S.12).

Standardisierung und "Output"-Orientierung

Häufige Leistungsüberprüfungen und Leistungsrückmeldungen gehören zum schulischen System. Mit Lernstandserhebung und zentraler Abschlussprüfung sind zu den normalen Klassenarbeiten und mündlichen Leistungen noch zwei Prüfungstypen hinzugekommen, die die Schule unter Stress setzten. Lehrerinnen und Lehrer vergeben Noten häufig gemessen an der Klassennorm und können so womöglich den Schülerinnen und Schülern vermitteln, dass man um gute Noten zu erhalten, vor allen Dingen besser als Andere sein muss (Pekrun 1985, S.232). Erleben Schülerinnen und Schüler solche kompetitiven Strukturen als sehr dominierend und notwenidig, kann ein Klima harter sozialer Vergleiche entstehen und individuelles Konkurrenzverhalten über Gebühr verstärkt werden, wodurch die einzelnen Schülerinnen und Schüler und das Klassenklima insgesamt belastet werden.

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