Polen
Wanda Wasilewska (1905 Krakau – 1964 Kyjiw)
Wanda Wasilewska, 1948 (© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
Wanda Wasilewska, 1948 (© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
Als Mitglied in der Führung der sozialistischen Partei Polens setzte sich Wanda Wasilewska bereits in der Zwischenkriegszeit für eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ein. Den sowjetischen Einmarsch begrüßte sie als Befreiung.
Sofort wurde sie sowjetische Staatsbürgerin und bezeichnete sich als „ehemalige Polin“. Ihr neuer Wohnsitz wurde das nun zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik gehörende Lwiw.
Nach dem Eintritt in die kommunistische Partei unterstützte sie als Zeitungsredakteurin den Pakt und zog damit den Hass ihrer im sowjetisch besetzten Polen lebenden Landsleute auf sich. Als ukrainische Deputierte zog sie bei den Wahlen 1940 in den Obersten Sowjet ein.
Nach dem Krieg blieb Wasilewska in der Sowjetunion. Dort wurde sie eine bekannte Schriftstellerin.
Die sozialistische Volksrepublik Polen benannte nach ihrem Tod zahlreiche Straßen und Schulen nach ihr.
In den 1990er Jahren verschwand ihr Name schnell aus der Öffentlichkeit.
Dora Blausztajn Libeskind (1910 Warschau – 1980 New York)
Dora Blausztajn floh nach dem deutschen Einmarsch aus Warschau nach Osten.
Dora Blausztajn Libeskind mit ihrem Mann Nachman und ihren Kindern Daniel (links) und Annette (rechts), 1946 (© Privatarchiv Annette Libeskind Berkovits / annetteberkovits.com )
Dora Blausztajn Libeskind mit ihrem Mann Nachman und ihren Kindern Daniel (links) und Annette (rechts), 1946 (© Privatarchiv Annette Libeskind Berkovits / annetteberkovits.com )
Dort wurde sie von den sowjetischen Besatzern wie viele Geflüchtete aus dem Westen interniert und zur Zwangsarbeit in ein Lager nach Sibirien deportiert.
Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion verbesserten sich die polnisch- sowjetischen Beziehungen, und sie kam 1942 frei. Unterdessen hatte im nun vollständig deutsch besetzten Polen die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung begonnen.
Blausztajn ließ sich in der Kirgisischen Sozialistischen Sowjetrepublik nieder, wo sie den polnischen Juden Nachman Libeskind heiratete. Nach dem Krieg kehrten sie in die Heimat zurück. Sie hatten in der Sowjetunion wie weitere 250.000 jüdische Menschen aus Polen den Holocaust überlebt. Die meisten ihrer in Polen gebliebenen Angehörigen waren jedoch von Deutschen ermordet worden.
Dora Blausztajns Tochter, Annette Berkowitz-Libeskind, hat später zwei Bücher über die Lebensgeschichte ihrer Mutter geschrieben. In the Unlikeliest of Places erzählt, wie Dora ihren Ehemann Nacham Libeskind traf und wie sie nach ihrem Leben im Gulag in Kirgistan und später in Polen und den USA lebte. Der Roman The Corset Maker ist inspiriert von und beruht teilweise auf Dora Blausztajns Lebensgeschichte.
Roman Zubyk (1902 Lwiw – 1941 Lwiw)
Roman Zubyk, 1930er Jahre (© unbekannt)
Roman Zubyk, 1930er Jahre (© unbekannt)
Roman Zubyk ermöglichte die sowjetische Annexion die lang erhoffte akademische Karriere. Im Januar 1940 wurde er stellvertretender Direktor für wissenschaftliche Angelegenheiten des Regionalarchivs in Lwiw.
Seit Langem war er Mitglied der nationalistischen ukrainischen Wissenschaftsgesellschaft Taras Schewtschenko, die sich im Polen der Zwischenkriegszeit nicht entfalten durfte. Ihre neue Unabhängigkeit währte jedoch nur kurz, denn rasch sollte die Schewtschenko-Gesellschaft Teil der sowjetischen ukrainischen Akademie der Wissenschaften werden. Zubyk widersetzte sich. Als Einziger stimmte er offen gegen die abverlangte Selbstauflösung.
Im März 1940 wurde er verhaftet. Zusammen mit weiteren 3.600 Gefangenen erschoss ihn der sowjetische Geheimdienst Ende Juni 1941, kurz vor der Einnahme Lwiws durch die Wehrmacht.
Die Schewtschenko-Gesellschaft entstand nach dem Krieg im Exil neu und kehrte 1989 nach Lwiw zurück. 2001 ernannte sie Roman Zubyk zu ihrem Ehrenmitglied.
Adam Heydel (1893 Radom – 1941 Auschwitz)
Adam Heydel, 1930er Jahre (© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
Adam Heydel, 1930er Jahre (© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
Anfang November 1939 wurde Professor Adam Heydel zusammen mit weiteren Angehörigen der traditionsreichen Krakauer Universität verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin verschleppt.
Die deutschen Besatzer wollten auf diese Weise Widerstand aus Kreisen der polnischen Elite sofort unterdrücken. Aufgrund internationaler Proteste kam der angesehene Wirtschaftswissenschaftler Anfang Februar 1940 wieder frei.
Schockiert von der deutschen Besatzungsherrschaft engagierte er sich nach seiner Rückkehr im polnischen Widerstand. Anfang 1941 wurde sein Netzwerk entdeckt und Heydel erneut verhaftet.
Die Möglichkeit, sich mit einem Bekenntnis zu den deutschen Wurzeln seiner Familie retten zu können, schlug er aus.
Als polnischer Widerstandskämpfer wurde Adam Heydel am 14. März 1941 im Konzentrationslager Auschwitz erschossen.
Elżbieta Magdalena Zawacka (1909 Toruń – 2009 Toruń)
Elżbieta Zawacka, 1946 (© Fundacja Generał Elżbiety Zawackiej, Toruń)
Elżbieta Zawacka, 1946 (© Fundacja Generał Elżbiety Zawackiej, Toruń)
Als Ausbilderin einer paramilitärischen Frauenorganisation entschied sich Elżbieta Zawacka mit dem deutschen Überfall für den Kampf. Sie organisierte den polnischen Widerstand in Schlesien, der sich im November 1939 mit der landesweiten Bewegung zusammenschloss.
1942 entstand daraus die Polnische Heimatarmee. Als Kurierin organisierte Zawacka die Verbindung zwischen dem Hauptquartier der Heimatarmee in Warschau und der Exilregierung in London.
Im August 1944 kämpfte sie im Warschauer Aufstand, den die deutschen Besatzer brutal niederschlugen und damit die Heimatarmee schwächten. Die Rote Armee nahm diese Schwächung in Kauf, weil sie als alleinige Befreierin Polens wahrgenommen werden wollte.
Elżbieta Zawacka entkam der Vernichtung der Heimatarmee durch die sowjetische Geheimpolizei.
Heute zählt sie unter ihrem Tarnnamen „Zo“ zu den bekanntesten Persönlichkeiten des polnischen Widerstands.
Henio Żytomirski (1933 Lublin – 1942 Majdanek)
Henio Żytomirski, 1939 (© Archiv des „Grodzka Gate – NN Theatre“ Centre in Lublin, Sammlung Neta Żytomirska)
Henio Żytomirski, 1939 (© Archiv des „Grodzka Gate – NN Theatre“ Centre in Lublin, Sammlung Neta Żytomirska)
Der deutsche Angriff verhinderte die Einschulung des sechsjährigen Henio am 1. September 1939.
Zwei Wochen später stand seine Heimatstadt Lublin unter deutscher Besatzungsverwaltung. Diese wollte den Distrikt Lublin ab Dezember für die massenhafte Ansiedlung der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich nutzten. In Lublin ernannte sie Henios Vater Shmul Żytomirski zum Mitglied des sogenannten Judenrates, der die deutschen Maßnahmen durchsetzen musste.
Im März 1941 zwangen die Besatzer Henio mit seiner Familie in das Ghetto Lublin umzuziehen. Ein Jahr später begann die systematische Ermordung der jüdischen Bevölkerung in Polen.
Mit der Auflösung des Ghettos im November 1942 wurde Henio gemeinsam mit seinem Vater in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek deportiert. Der Neunjährige wurde sofort getötet.
Heute lernt jedes Schulkind in Polen die Geschichte von Henio Żytomirski.
Litauen – Lettland – Estland
Olga Lauristin (1903 Kolga – 2005 Tartu)
Olga Lauristin, 1940 (© Estnisches Staatsarchiv, Tartu)
Olga Lauristin, 1940 (© Estnisches Staatsarchiv, Tartu)
Nach der Besetzung Estlands spielten estnische Kommunistinnen und Kommunisten, wie Olga Lauristin, eine wichtige Rolle bei der Durchsetzung einer neuen Ordnung.
Sie wurde in der gelenkten Wahl vom Juli 1940 in das scheinbar unabhängige Parlament gewählt. Als Leiterin der Abteilung Verlagswesen in der Kommunistischen Partei Estlands bestimmte sie, welche Bücher in Estland gelesen werden durften, und entfernte die, die nicht der neuen Politik entsprachen.
Im Juli 1941 evakuierte die Sowjetunion Staatsfunktionärinnen und Staatsfunktionäre wie Olga Lauristin, um sie vor der deutschen Besatzungsherrschaft zu schützen.
Nach der Rückkehr der Sowjetmacht im Sommer 1944 nahm auch Lauristin ihre Arbeit in Estland wieder auf, nun als estnische Ministerin für Soziales und ab 1947 für Kinematografie.
Ihre Tochter aber gehörte 1988 zu den Gründerinnen und Gründern einer estnischen Unabhängigkeitsbewegung.
Leonīds Breikšs (1908 Jelizarov – 1942 Saratow)
Leonīds Breikšs, 1935 (© Lettisches Staatsarchiv, Riga)
Leonīds Breikšs, 1935 (© Lettisches Staatsarchiv, Riga)
Leonīds Breikšs war ein nationalistischer lettischer Dichter, der großes gesellschaftliches Ansehen genoss.
Als Mitarbeiter des lettischen Ministeriums für öffentliche Angelegenheiten gab er kulturpolitische Schriften heraus.
Die sowjetischen Besatzer entließen Breikšs bereits kurz nach der Besetzung im Juli 1940. Der sowjetische Geheimdienst führte am 17. April 1941 eine Aktion gegen die führenden Intellektuellen Lettlands durch und verhaftete auch Breikšs. Am 20. Juni 1941 verurteilten ihn die sowjetischen Besatzer nach Artikel 58 des sowjetischen politischen Strafrechts wegen konterrevolutionärer Tätigkeit.
Wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde er eilig in ein Gefängnis nach Astrachan abtransportiert. Im September 1942 wurde auch dieses Gefängnis vor dem deutschen Angriff evakuiert. Auf dem Transport starb Breikšs in Saratow an Erschöpfung.
Sein 1989 vertontes Gedicht „Gebet“ wurde als Lied der Singenden Revolution in Lettland populär.
Vytautas Bulvičius (1908 Kunigiškiai – 1941 Gorki)
Vytautas Bulvičius, 1939 (© Litauisches Staatsarchiv, Vilnius)
Vytautas Bulvičius, 1939 (© Litauisches Staatsarchiv, Vilnius)
Major Vytautas Bulvičius musste als litauischer Berufsoffizier ab September 1940 zwangsweise seinen Dienst in der Roten Armee fortsetzen.
Dort gründete er innerhalb seines Truppenteils eine antisowjetische Widerstandsgruppe.
In Erwartung eines deutschen Angriffs auf die Sowjetunion wollte diese in einem bewaffneten Aufstand die Unabhängigkeit Litauens wiederherstellen. Die Gruppe flog jedoch auf, und ihre Mitglieder wurden am 9. Juni 1941 verhaftet, zwei Wochen vor dem deutschen Überfall. Als dieser begann, verlegte die sowjetische Geheimpolizei rasch über 600 Gefangene, unter ihnen Bulvičius, ins Innere der Sowjetunion.
Am 17. Dezember 1941 wurde Bulvičius wegen der Planung eines Militäraufstandes in Gorki (Nischni Novgorod) hingerichtet.
Heute erinnern die Litauerinnen und Litauer seine Gruppe als eine der Begründer des antisowjetischen Widerstands, der 1944 nach der erneuten Besetzung Litauens durch die Rote Armee aufflammte.
Finnland
Otto Wille Kuusinen (1881 Laukaa – 1964 Moskau)
Otto Wille Kuusinen, 1940er Jahre (© Archiv der Arbeiterbewegung, Helsinki)
Otto Wille Kuusinen, 1940er Jahre (© Archiv der Arbeiterbewegung, Helsinki)
Kuusinen war einer der Gründer der Kommunistischen Partei Finnlands.
Nach dem Bürgerkrieg in Finnland floh er ins Exil nach Moskau. Dort gehörte er zur Führung der von Stalin dominierten Kommunistischen Internationale.
Nach dem Beginn des Winterkriegs rief Kuusinen am 1. Dezember 1939 in Erwartung eines schnellen Sieges der Roten Armee auf Geheiß Stalins eine Gegenregierung aus. Doch der Kriegsverlauf erfüllte diese Hoffnungen nicht.
Nach dem Friedensvertrag vom März 1940 übertrug Stalin Kuusinen die Führung der Karelo-Finnischen Sozialistischen Sowjetrepublik, zu der zwischen 1940 und 1956 die eroberten finnischen Gebiete zusammengeschlossen wurden.
Bis zu seinem Tod nahm Kuusinen höchste Positionen in der sowjetischen kommunistischen Partei ein. Er erhielt in der Sowjetunion ein Staatsbegräbnis. Seine Urne wurde an der Kreml-Mauer in Moskau beigesetzt.
Kaija Pesonen (1923 Kestilä – 2009 Säynätsalo)
Ein halbes Jahr vor dem Beginn des Winterkriegs trat die 16-jährige Kaija Pesonen der Frauenorganisation „Lotta Svärd“ bei.
Kaija Pesonen, 1940 (© Aus dem Buch: „Kaija Pesosen talvisota“)
Kaija Pesonen, 1940 (© Aus dem Buch: „Kaija Pesosen talvisota“)
Ihr Traum war es, Krankenschwester zu werden. Nach dem sowjetischen Angriff wollte sie unbedingt an der Front helfen.
Schließlich nahm ein Sanitätsbataillon der Verteidigungstruppen Pesonen trotz ihres jungen Alters in ihre Reihen auf. Direkt an der Frontlinie versorgte sie schwer verwundete und sterbende Soldaten.
Die Friedensbedingungen am Ende des Winterkriegs schockierten Kaija. Als eine von über 100.000 „Lottas“ hatte sie ihr Leben für die Verteidigung ihrer Heimat riskiert. Daher kehrte sie im Fortsetzungskrieg im Sommer 1941 an die Front zurück.
Nach dem Krieg führte sie ein bescheidenes Leben. Ihr 2018 posthum veröffentlichtes Tagebuch ist bis heute Teil der finnischen Erinnerung an den Winterkrieg.
Anja Kesäläinen (1926 Hannukkala – 2021 Kaarina)
Mit dem sowjetischen Angriff auf Finnland wurde die karelische Heimat der dreizehnjährigen Anja Kesäläinen zum Kriegsgebiet.
Anja Kesäläinen, 1940 (© Muisti Center of War and Peace, Mikkeli)
Anja Kesäläinen, 1940 (© Muisti Center of War and Peace, Mikkeli)
Ihre Familie entschloss sich zur Flucht. Sie wurde in Südfinnland gut aufgenommen. Bald konnte sie ein sogenanntes Schwedenhaus beziehen, das Schweden Finnland für die finnischen Kriegsflüchtlinge in großer Stückzahl zur Verfügung stellte. Rasch erhielt ihr Vater eine gut bezahlte Arbeit. Trotz der neuen Sicherheit blieb die Hoffnung auf eine Rückkehr.
Im Sommer 1942, nachdem finnische Soldaten Karelien zurückerobert hatten, kehrte Anjas Familie, wie fast 300.000 weitere Evakuierte, in ihr Heimatdorf zurück.
Im Sommer 1944 musste Finnland Karelien abermals an die Sowjetunion abtreten. Die Familie verließ ohne Hoffnung auf eine Rückkehr endgültig ihre Heimat. Anja ging nach Südfinnland und heiratete. Als Evakuierte erhielten sie und ihr Mann von der finnischen Regierung zur Eingliederung einen Bauernhof.
Rumänien
Zakhar Benderskiy (1912 Chişinău – ?)
Zakhar Benderskiy, 1972 (© https://centropa.org)
Zakhar Benderskiy, 1972 (© https://centropa.org)
Als der Pakt unterzeichnet wurde, arbeitete Zakhar Benderskiy in der rumänischen Hauptstadt Bukarest.
Im Sommer 1940 kehrte er in seine Heimatstadt Chişinău zurück, um den drohenden antisemitischen Pogromen in Rumänien zu entgehen.
Chişinău war die Hauptstadt der nach der sowjetischen Okkupation neu geschaffenen Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Hier fühlte er sich als Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie sicher.
Benderskiy und seine Frau wurden sowjetische Staatsbürger. Er erhielt eine Anstellung in der Stadtverwaltung. Als Staatsangestellter wurden er und seine Frau im Sommer 1941 vor den heranrückenden deutschen und rumänischen Soldaten in die usbekische sozialistische Sowjetrepublik evakuiert.
Sein Vater, der sich aufgrund seiner positiven Erfahrungen mit den Deutschen im Ersten Weltkrieg zum Bleiben entschieden hatte, wurde Opfer des Holocaust.
Anna Korowski (1899 Molodija – 1944 Sucha)
Anna Korowski, Bild aus dem Umsiedlerausweis (© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin)
Anna Korowski, Bild aus dem Umsiedlerausweis (© Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin)
Nach dem sowjetischen Einmarsch verließ Anna Korowski zusammen mit ihrem Mann und den zwei Kindern das Dorf Tschahor in der Nordbukowina.
Sie gehörten der deutschen Minderheit an, die rasch und nahezu vollständig die besetzten Gebiete verließ. Bis auf Handgepäck ließen sie ihr Eigentum zurück.
Das Deutsche Reich versprach ihnen dafür eine Entschädigung und einen Arbeitsplatz. Die Behörden waren jedoch mit den rund 200.000 Umsiedlern aus der Bukowina und Bessarabien überfordert. Die Korowskis blieben für eineinhalb Jahre in verschiedenen Umsiedlungslagern.
Im Frühjahr 1942 bekamen sie eine Bäckerei im oberschlesischen Sucha zugewiesen. Vor den Augen der Familie wurde den polnischen Inhabern die Bäckerei entrissen. Aus Mitleid und aufgrund ihrer eigenen Fluchterfahrung erlaubten sie den polnischen Eigentümern jedoch weiterhin im Obergeschoss zu wohnen.
Im Frühjahr 1944 starb Anna Korowski an den Spätfolgen einer Lungentuberkulose, die sie sich im Umsiedlungslager zugezogen hatte.
Valentina Sturza ( 1929 Ciuciuleni)
Am 14. Juni 1941 deportierte die sowjetische Geheimpolizei die zwölfjährige Valentina Sturza mit ihrer Mutter nach Kasachstan.
Valentina Sturza, 1950 (© Nationales Museum für die Geschichte der Moldau, Chișinău)
Valentina Sturza, 1950 (© Nationales Museum für die Geschichte der Moldau, Chișinău)
Ihren Vater, Bürgermeister einer Kleinstadt in Bessarabien und rumänischer Parlamentsabgeordneter, trennte das NKWD von seiner Familie, um ihn in ein Arbeitslager nach Sibirien zu bringen.
Valentina und ihre Mutter konnten fliehen und kehrten auf eigene Faust 1944 nach Bessarabien zurück, das nach der deutschen Besatzung erneut von der Roten Armee erobert worden war.
Im Jahr 1949 fielen die beiden Frauen einer erneuten Sowjetisierungswelle zum Opfer und wurden abermals nach Kasachstan deportiert. Nach Stalins Tod 1953 kamen sie frei und kehrten in ihre Heimat zurück.
Valentina Sturza setzte sich nach dem Ende der Sowjetunion für eine Aufarbeitung der sowjetischen Repressionen ein und gründete 2000 die Vereinigung ehemaliger Deportierter und politischer Häftlinge aus Moldau.