Im September 1938 erreichte das nationalsozialistische Deutsche Reich mit dem
Hinweis zur quellenkritischen Einordnung der Bilder
Für die Einordnung von historischen Fotografien generell und insbesondere von Fotografien aus der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist eine sorgfältige Quellenkritik unbedingt erforderlich. Bilder sind nicht nur eine mögliche Quelle für die historische Erkenntnis (wer hat wann, was, wie mit welcher Absicht fotografiert?), sondern darüber hinaus auch Medien der Erinnerung und Instrumente der Politik. Bilder können durch erinnerungskulturelle Aufladung ikonischen Charakter bekommen oder durch politische Instrumentalisierung geradezu als Waffe eingesetzt werden. Viele der hier gezeigten historischen Fotografien sind ursprünglich von deutschen oder sowjetischen Fotografen zu Propagandazwecken aufgenommen worden.
Literatur:
Christoph Hamann: Fotografien im Geschichtsunterricht. Visual History als didaktisches Konzept, Frankfurt/Main 2019.
Ders.: Feindbilder und Bilder vom Feind. In: Margot Blank/Museum Berlin-Karlshorst. Berlin (Hrsg.): Beutestücke. Kriegsgefangene in der deutschen und sowjetischen Fotografie 1941-1945. Berlin 2003, S. 16-31.
Siehe auch:
Deutsch-sowjetische Kooperation
Der Pakt war für beide Seiten vorteilhaft. Im Herbst 1939 präzisierte eine gemeinsame Kommission die bei Vertragsabschluss mit rascher Hand auf einer Karte skizzierte Grenze. Eine weitere Kommission begann, die der deutschen Seite wichtige Umsiedlung deutscher Minderheiten in das Reichsgebiet zu organisieren. Abkommen im Februar 1940 und Januar 1941 vertieften die im August 1939 vereinbarten wirtschaftlichen Beziehungen. Deutschland erhielt für seine Kriegsindustrie dringend benötige Rohstoffe, die Sowjetunion Rüstungsgüter für die eigene Verteidigung. Im November 1940 reiste der sowjetische Außenminister Molotow nach Berlin, um die Zukunft des Bündnisses zu besprechen. Hitler empfing ihn nur widerwillig. Am 18. Dezember befahl er in seiner
(© Gerhard Baatz / Bundesarchiv, Bild 101I-001-0262-10)
(© Gerhard Baatz / Bundesarchiv, Bild 101I-001-0262-10)
Sitzung der deutsch-sowjetischen Grenzkommission,
Brest, Oktober 1939
Die Grenzziehung zwischen Deutschland und der Sowjetunion orientierte sich an der
(© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
(© Narodowe Archiwum Cyfrowe, Warschau)
Besuch der sowjetischen Umsiedlungsdelegation im Generalgouvernement,
Zakopane, Dezember 1939
Die Initiative für die Umsiedlung der Deutschen aus dem sowjetischen Machtbereich ging vom Deutschen Reich aus. Dahinter stand das Konzept, alle sogenannten Volksdeutschen „
(© Bundesarchiv, Bild 183-1991-0207-505)
(© Bundesarchiv, Bild 183-1991-0207-505)
Treffen der beiden Außenminister Wjatscheslaw Molotow und Joachim von Ribbentrop,
Berlin, 12. November 1940
Im Laufe des Jahres 1940 zeigte der Pakt Brüche. Das Deutsche Reich hatte ohne Rücksprache mit der Sowjetunion Truppen nach Rumänien und Finnland entsandt, während die Sowjetunion wider die Absprachen
Deutsches Reich
Der Pakt ermöglichte es dem Deutschen Reich, am 1. September 1939 einen
(© 7 Fotografisches Archiv des KARTA-Zentrums, Warschau)
(© 7 Fotografisches Archiv des KARTA-Zentrums, Warschau)
Verladung sowjetischen Öls auf deutsche Kesselwagen,
Przemyśl, 20. Februar 1940
In Wirtschaftsverträgen vom Februar 1940 und Januar 1941 wurden sowjetische Rohstofflieferungen vereinbart. Wichtig waren vor allem Öl, Eisenerz und Getreide. Sie stärkten die deutsche Kriegswirtschaft. Das Deutsche Reich schützte sich damit vor einer Seeblockade durch Großbritannien, wie es sie im Ersten Weltkrieg gegeben hatte.
(© Spahn / Bundesarchiv, Bild 137-058161)
(© Spahn / Bundesarchiv, Bild 137-058161)
Ankunft von deutschen Umsiedlerinnen und Umsiedlern,
Reichsgau Wartheland, Mai 1940
Die Gebietsannexionen in Folge des Pakts setzten große Umsiedlungsaktionen in Gang. Unter der Losung „Heim ins Reich“ siedelten deutsche Minderheiten aus der sowjetischen Interessensphäre in das Deutsche Reich über, vorzugsweise in die von Deutschland annektierten, zuvor polnischen Gebiete. Die dort ansässige polnische und jüdische Bevölkerung war zuvor vertrieben worden.
(© Bundesarchiv, Bild 146-2005-0003)
(© Bundesarchiv, Bild 146-2005-0003)
Rotterdam nach der deutschen Bombardierung,
14. Mai 1940
Das Kriegsziel Hitlers war die Weltherrschaft. Am 1. September 1939 begann Deutschland mit einem Überfall auf Polen den Krieg. Ein Jahr später folgten erfolgreiche Eroberungsfeldzüge in Nord- und Westeuropa. Das Ziel einer Eroberung Großbritanniens konnte Hitler aufgrund unerwartet großen Widerstands nicht erreichen. Daraufhin wandte er sich am 22. Juni 1941 mit dem Angriff auf die Sowjetunion erneut Osteuropa als Kriegsschauplatz zu.
Sowjetunion
Am 17. September 1939 marschierte die Rote Armee ohne förmliche Kriegserklärung in Polen ein. Stalin forderte weitere Gebiete zurück, die nach dem Zerfall des Russischen Kaiserreichs 1917 nicht mehr unter sowjetischem Einfluss standen. Das geheime Zusatzprotokoll des Pakts sicherte ihm die nötige Handlungsfreiheit. Diese nutzte er Ende November 1939 zu einem Krieg gegen Finnland. Daraufhin schloss der Völkerbund die Sowjetunion aus. Stalin blieb davon unbeirrt und annektierte im Sommer 1940 die baltischen Staaten und Teile Rumäniens. Der Nichtangriffsvertrag gab der Sowjetunion zudem die Zeit und die Mittel zur militärischen Aufrüstung. Stalin ging trotz des Pakts weiterhin von einem deutschen Angriff auf die Sowjetunion aus, die Hitler seit seinem Machtantritt 1933 zum ideologischen Hauptgegner erklärt hatte.
(© Hoover Institution Library and Archives)
(© Hoover Institution Library and Archives)
Heimliche Aufnahme des Kriegsgefangenenlagers im Optina-Kloster,
Kozelsk, 1940
Nach dem Einmarsch in Polen schuf das sowjetische Straf- und Arbeitslagersystem GULag im September 1939 für die polnischen Kriegsgefangenen eine eigene Lagerverwaltung. Zunächst entstanden diese Lager in enteigneten Klöstern der orthodoxen Kirche. Später wurde das Lagersystem für alle von der Sowjetunion bis 1945 gefangen genommenen Soldaten ausgebaut.
(© Institut für Militärgeschichte – Militärhistorisches Archiv, Bratislava)
(© Institut für Militärgeschichte – Militärhistorisches Archiv, Bratislava)
Sowjetische „Molotow-Linie“,
Sanok, Juni 1941
Im Sommer 1940 begann in den annektierten polnischen und litauischen Gebieten der Aufbau einer neuen befestigten Verteidigungslinie – die „Molotow-Linie“. Die knapp 300 Kilometer östlich gelegene „Stalin-Linie“ an der ehemaligen Grenze zu Polen wurde abgebaut. Als am 22. Juni 1941 der deutsche Angriff begann, waren beide Befestigungslinien unvollständig und wurden überrannt.
(© Nationales Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, Kyjiw)
(© Nationales Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, Kyjiw)
Sowjetisches Propagandaplakat auf Ukrainisch „Wir haben den Brüdern unsere Hand gereicht, damit sie sich aufrichten und die Peitschen des verachteten Reichs in die ewige Finsternis werfen“, 1939
Nach dem Ersten Weltkrieg erkannte die Sowjetunion die Grenzen seiner Nachbarländer an. Dennoch betrachtete sie Polen, die baltischen Staaten, Bessarabien und Finnland als verlorene Gebiete. Das geheime Zusatzprotokoll bot die Gelegenheit, diese Gebiete zurückzugewinnen. Die sowjetische Propaganda legitimierte den Einmarsch in Polen mit der Unterdrückung der ukrainischen und belarussischen Bevölkerung, denen die Sowjetunion angeblich half, sich zu befreien und sich ihr anzuschließen.
Erinnerung
Deutschland
Der Hitler-Stalin-Pakt hat
(© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn)
(© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn)
Titelseite der verbotenen Ausgabe des „Sputnik“,
Ost-Berlin, Oktober 1988
Während der als
(© Fischer Taschenbuchverlag)
(© Fischer Taschenbuchverlag)
Veröffentlichung zum 50. Jahrestag des Pakts,
Frankfurt am Main, 1989
Zum 50. Jahrestag und angesichts revolutionärer Umwälzungen in Ostmitteleuropa erfuhr die geschichtswissenschaftliche Erforschung des Pakts in Deutschland einen Aufschwung. Hauptsächlich konzentrierten sich die Arbeiten auf die diplomatischen Aspekte des Pakts und sein geheimes Zusatzprotokoll. Die Folgen für die ostmitteleuropäischen Staaten wurden dabei nur vereinzelt aufgegriffen.
(© Marko Priske / Stiftung Denkmal)
(© Marko Priske / Stiftung Denkmal)
Denkmal für die ermordeten Jüdinnen und Juden Europas,
Berlin, 2020
In Deutschland gibt es kein Museum, das ausschließlich die Geschichte des Zweiten Weltkriegs ausstellt. Aber es gibt zahlreiche Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Nur vereinzelt fordern Initiativen, den 23. August als Datum des Hitler-Stalin-Pakts und seiner Folgen zu erinnern. Die gegenwärtige Diskussion konzentriert sich auf die Verbrechen der deutschen Besatzungspolitik in Europa und deren Opfer.
Russland
Die sowjetische Geschichtsschreibung wertete den Nichtangriffsvertrag als von Stalin geschickt herausverhandelten Aufschub des deutschen Überfalls. Das geheime Zusatzprotokoll aber leugneten sowjetische Historikerinnen und Historiker. Das fiel ihnen leicht, weil das einzig erhaltene Originaldokument in einem Moskauer Archiv lag. Erst während der Reformen der Perestroika bestätigte eine sowjetische Untersuchungskommission die Existenz des Dokuments. Nach dem
(© Estnisches Nationalarchiv, Tartu)
(© Estnisches Nationalarchiv, Tartu)
Zweiter Kongress der Volksdeputierten der Sowjetunion,
Moskau, Dezember 1989
In der sowjetischen Reformzeit der Perestroika forderte die baltische und moldauische Protestbewegung Anfang 1989 eine staatliche Stellungnahme zum Pakt. Eine Untersuchungskommission nahm ihre Arbeit auf. Auf der Grundlage ihres Gutachtens erklärte der sowjetische Volksdeputiertenkongress am 24. Dezember 1989 den Nichtangriffsvertrag und das geheime Zusatzprotokoll rückwirkend für null und nichtig.
(© Daria Krotowa / Memorial International)
(© Daria Krotowa / Memorial International)
Aktion „Rückgabe der Namen“ am Denkmal für die Opfer des Stalinismus,
Moskau, 29. Oktober 2019
Die Aufarbeitung der Folgen des Pakts übernahm in Russland vor allem die 1989 gegründete Menschenrechtsorganisation
Seit den 2000er Jahren wurde Stalin in Russland zunehmend populärer. Der russische Staat bezeichnet die internationale Diskussion um Stalins historische Verantwortung für den Pakt und seine Folgen als Verfälschung der Geschichte. Ein Gesetz von 2014, das 2021 eine Erneuerung erfuhr, stellt das unter Strafe. Damit brach in Russland die Diskussion um die historische Verantwortung ab.
Feierlichkeiten zum Tag des Sieges,
Moskau, 9. Mai 2014