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Wahlergebnisse und Wählerschaft der Linken

Frank Decker

/ 5 Minuten zu lesen

Die Linke ist vor allem im Osten stark, inzwischen kommen aber drei Viertel ihrer Wähler aus dem Westen. Besonders bei jungen Wählergruppen erzielt die Partei heute hohe Zustimmungswerte.

Heidi Reichinnek wird im Wahlkampf 2025 auf einem Smartphone gefilmt: Besonders bei jungen Frauen erzielte die Partei 2025 Rekordwerte. Deren Mobilisierung gelang der Partei auch durch eine professionelle Social-Media-Kampagne. (© picture-alliance, SZ Photo | Florian Boillot)

Wahlergebnisse

Die Linke konnte sich im deutschen Parteiensystem erst mit ihrer faktischen Westausdehnung sicher etablieren. Ihre Wähleranteile liegen in den fünf neuen Ländern und Ost-Berlin zwar immer noch höher als in den alten (12,8 gegenüber 7,9 Prozent bei der Interner Link: Bundestagswahl 2025). Berücksichtigt man die unterschiedlichen Bevölkerungsgrößen, verlagerte sich die Wählerbasis seit der Fusion mit der WASG jedoch zunehmend in die westdeutschen Bundesländer. Entfielen bei der Bundestagswahl 2005 45,5 Prozent der Stimmen der Partei auf die alten Bundesländer (einschließlich West-Berlins), waren es beim Rekordergebnis 2009 bereits 57,7 Prozent. Bis 2025 sollte dieser Wert auf 75,2 Prozent steigen, womit die heutige Wählerschaft der Linken „westlastiger“ ist als die Wählerschaften von AfD und BSW.

In allen Landtagen der neuen Länder und Berlin seit 1990 ständig vertreten, gelang der Linken 2007 in Bremen erstmals der Sprung in ein westdeutsches Landesparlament. Außer dort war sie bis zu ihrer Renaissance bei der Bundestagswahl 2025 nur in Hamburg, im Saarland (bis 2002) und in Hessen (bis 2023) eine landespolitisch feste Größe. Ihre sich stetig verschlechternden Wahlergebnisse führten dazu, dass Die Linke 2024 in Ostdeutschland erstmals aus einem Landtag herausfiel (in Brandenburg). In Sachsen gelang ihr der Wiedereinzug nur wegen der Grundmandatsklausel.

In den neuen Ländern war es der PDS nach 1994 gelungen, ihre Stimmenanteile mehr als zu verdoppeln und dadurch sukzessive zur dritt- oder zweistärksten Kraft aufzusteigen. Wo die SPD sie als führende Regierungspartei in Koalitionen einbezog – wie in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg – führte das bei den nachfolgenden Wahlen zu Teils empfindlichen Rückschlägen. In den CDU-dominierten Ländern Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gelang es den Postkommunisten dagegen schon 1999 bzw. 2002, als Oppositionspartei die SPD zu überflügeln und zeitweise den zweiten Platz im Parteiensystem einzunehmen. Auch bei den Wahlen auf nationaler Ebene (Bundestags- und Europawahlen) lag die Linke von 2009 bis 2017 in Ostdeutschland vor den Sozialdemokraten.

Gefährdet wurde die bis dahin stabile Position seit 2013 durch die Konkurrenz der AfD. Konnten der Wahlerfolg und die Übernahme des Ministerpräsidentenamtes in Thüringen die Abwanderung eigener Wähler zur AfD bei den Landtagswahlen im Osten 2014 noch überdecken, erlebte die Partei 2016 in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern ein Debakel, als die Interner Link: Rechtspopulisten sie aus dem Stand als zweit- bzw. drittstärkste Kraft verdrängten. Ähnlich hohe Einbußen erlitt die Linke bei der Europawahl und bei den Landtagswahlen 2019 in Brandenburg und in Sachsen. Dort kam sie jeweils nur knapp über 10 Prozent, während sie in Thüringen dank der hohen Popularität des von ihr gestellten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow entgegen dem ostdeutschen Trend auf Platz eins blieb und ihr gutes Ergebnis von 2014 sogar übertraf (Träger 2020: 175 ff.).

Bei der Interner Link: Bundestagswahl 2021 und den 16 Landtagswahlen, die zwischen 2021 und 2024 stattfanden, setzte sich der Abwärtstrend mit einer Ausnahme (Baden-Württemberg 2021) fort. Wanderten viele ihrer Wähler bei der Bundestagswahl 2021 zu SPD und Grünen, kam es ab 2024 zu erheblichen Abflüssen in Richtung des abtrünnigen BSW. Bei derInterner Link: Europawahl 2024, wo sich ihr Stimmenanteil gegenüber 2019 nochmals halbierte, konnte die Linke die parlamentarische Präsenz nur dank der dort nicht geltenden Sperrklausel aufrechterhalten. In Ostdeutschland fiel sie bis zu ihrem Wiedererstarken ab Ende 2024 auf den dritten (Thüringen und Sachsen-Anhalt), vierten (Berlin, Mecklenburg-Vorpommern) oder sechsten Platz (Sachsen, Brandenburg) zurück.

Aktuelle Wahlergebnisse der Die Linke

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Sachsen-Anhalt06.06.202111,0%-5,3%116.927-66.363
Mecklenburg-Vorpommern26.09.20219,9%-3,2%90.881-15.375
Saarland27.03.20222,6%-10,3%11.689-56.877
Schleswig-Holstein08.05.20221,7%-2,1%23.054-32.964
Nordrhein-Westfalen15.05.20222,1%-2,8%146.634-269.302
Niedersachsen09.10.20222,7%-1,9%98.586-78.532
Berlin27.02.202312,2%-3,4%185.119-70.621
Bremen114.05.202310,9%-0,4%137.676-28.702
Bayern208.10.20231,5%-1,8%200.878-237.010
Hessen08.10.20233,1%-3,2%86.842-94.490
Europäisches Parlament09.06.20242,7%-2,8%1.091.586-964.463
Sachsen01.09.20244,5%-5,9%104.891-119.463
Thüringen01.09.202413,1%-18,0%157.689-186.091
Brandenburg22.09.20243,0%-7,7%44.706-90.852
Bundestag23.02.20258,8%3,9%4.356.5322.100.668
Hamburg302.03.202511,2%2,1%488.463119.780
Baden-Württemberg08.03.20264,4%0,8%236.97563.658
Rheinland-Pfalz22.03.20264,4%1,9%88.98340.777
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei Die Linke zwischen dem 06.06.2021 und dem 22.03.2026. Bei 14 von 18 Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum reduzierte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 13,1% bei der Wahl in Thüringen 2024, das niedrigste mit 1,5% bei der Wahl in Bayern 2023.

Fußnote: 1 Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Fußnote: 2 Bayern: Gesamtstimmen (bis zu zwei Stimmen je Wähler)

Fußnote: 3 Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Quelle: Die Bundeswahlleiterin und Landeswahlleitungen.

Wählerschaft

Der Aufstieg der PDS zur ostdeutschen Volkspartei spiegelt sich in der veränderten Zusammensetzung ihrer Wähler (Zettl 2014). Waren Gutverdiener und Träger höherer Bildungsabschlüsse bis 1994 deutlich überrepräsentiert, so näherte sich die Wählerstruktur dem Bevölkerungsdurchschnitt danach an; die PDS blieb dabei die bevorzugte Partei der früheren DDR-Eliten. Erst mit dem Zusammenschluss zur gesamtdeutschen Linken trat auch in den neuen Ländern eine Verschiebung in Richtung der Arbeiter und der - nach Einkommen, Bildung und Schicht - schwächer Gestellten ein, die im Westen den Kern der neu hinzugekommenen Wähler ausmachten (Neu 2025: 348 f.); diese Wähler kamen ihr später zu einem erheblichen Teil wieder abhanden – in Richtung der AfD, an die sie vor allem bei Bundestagswahl 2017 massiv Stimmen abgab, in Richtung der sozial- und arbeitsmarktpolitisch wieder nach links gerückten SPD sowie der erstarkenden Grünen, und – bei den Wahlen 2024 – in Richtung des BSW. Bei der Bundestagswahl 2025 kehrten sich die Wanderungsbewegungen teilweise um. Zur AfD wechselten kaum noch Wähler und zum BSW weniger, als die Partei nach den vorausgegangenen Landtagswahlen im Osten befürchten musste. Im Gegenzug konnte Die Linke mehr als eine halbe Million SPD-Wähler und sogar 700.000 Grünen Wähler für sich gewinnen – vor allem in deren Hochburgen im Westen (Zahlen von Infratest dimap).

Nach Geschlecht und Alter war die Wählerschaft bis Ende der 2010er-Jahre relativ ausgeglichen, allerdings auch hier mit Akzentunterschieden zwischen West und Ost: In den alten Ländern gab es einen stärkeren Überhang männlicher, in den neuen einen Überhang älterer Wähler. Bei der Bundestagswahl 2021 verzeichnete Die Linke in der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen die größten Verluste, während sie bei den 18- bis 24-Jährigen zulegen konnte. Der Zuwachs war dabei unter den weiblichen Wählern größer als unter den männlichen. Beide Tendenzen mündeten 2025 in eine fast erdrutschartige Verschiebung. Mit 27,3 Prozent erzielte Die Linke bei den 18- bis 24-Jährigen ihr mit Abstand bestes Ergebnis. In dieser Altersgruppe schnitt sie mehr als dreimal so stark ab wie im Gesamtergebnis. In der nächstälteren Gruppe der 25- bis 34-Jährigen die die Linke immerhin noch doppelt so stark vertreten wie im Gesamtergebnis, während sie bei den mittleren und höheren älteren Altersgruppen (ab 44 Jahre) deutlich unter dem Mittel blieb. In der jüngsten Wählergruppe lag sie dabei mit Abstand vor allen anderen Parteien. Der sich darin widerspiegelnde Abfluss vieler Grünen-Wähler lässt sich auch am gestiegenen Frauenanteil unter den Linken-Wählern festmachen, von denen ihr insgesamt 10,2 Prozent (gegenüber 7,3 Prozent bei den Männern) und in der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen sogar 37,1 Prozent (Männer: 17,6 Prozent) die Stimme gaben (Zahlen der Interner Link: repräsentativen Wahlstatistik).

Über die Einstellungen der Linken-Wähler liegen nur wenige Daten vor. Nach diesen hielten sich Protest bzw. Enttäuschung und Überzeugung als Wahlmotive lange Zeit die Waage, wobei in Ostdeutschland die Überzeugungswähler und in Westdeutschland die Protestwähler überwogen. Seither ist der Anteil der Überzeugungswähler deutlich gestiegen. Bei der Bundestagswahl 2025 lag er mit knapp 70 Prozent (gegenüber 27 Prozent, bei denen die Wahlentscheidung nach eigenen Angaben aus Enttäuschung erfolgte) höher als in der AfD- und BSW-Wählerschaft. Die größte Kompetenz wird der Partei im Bereich der sozialen Gerechtigkeit zugeschrieben, die von den meisten ihrer Wähler zugleich als das für ihre Wahlentscheidung wichtigste Thema genannt wird. Unter den Problemen, die ihnen Sorgen bereiten, nennen die Linken-Wähler etwa gleichrangig die Gefährdung von Demokratie und Rechtsstaat sowie den Klimawandel, aber auch – mit nur wenig Abstand dahinter – den zunehmenden Einfluss Russlands auf Europa und dass „wir Trump und Putin schutzlos ausgeliefert“ seien (Zahlen von Infratest dimap).

Quellen / Literatur

  • Decker, Frank (2013), Das Verhältnis der SPD gegenüber der LINKEN – Die offene Zukunft, in: Gerhard Hirscher / Eckhard Jesse (Hg.), Extremismus in Deutschland, Baden-Baden, S. 549-563.

  • Heinze, Anna-Sophie (2023), Die Linke im Wahljahr 2021: Vom Sinkflug in die Bedeutungslosigkeit?, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 221-241.

  • Holzhauser, Thorsten (2019), Die „Nachfolgepartei“. Die Integration der PDS in das politische System der Bundesrepublik Deutschland 1990 – 2005, Berlin / Boston.

  • Jesse, Eckhard (2015), Auf dem Weg ins Establishment? Das Abschneiden der PDS/Die Linke bei den Wahlen seit 1990, in: Recht und Politik 50 (2), S. 98-106.

  • Jesse, Eckhard / Jürgen P. Lang (2012), DIE LINKE – eine gescheiterte Partei?, München.

  • Meuche-Mäker, Meinhard (2005), Die PDS im Westen 1990-2005. Schlussfolgerungen für eine neue Linke, Berlin.

  • Neu, Viola (2025), Die Linke, in: Frank Decker / dies. (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 5. Aufl., Wiesbaden, S. 341-356.

  • Olsen, Jonathan / Nichael A. Hansen (2022), The Party without Qualities? Explaining the Left Party’s Electoral Disaster in the 2021 German Federal Election. In: German Politics and Society 40 (2), S. 1-22.

  • Oppelland, Torsten / Hendrik Träger (2014), Die Linke. Willensbildung in einer ideologisch zerstrittenen Partei, Baden-Baden.

  • Pfahl-Traughber, Armin (2013), Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)/DIE LINKE, in: Oskar Niedermayer (Hg), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 541-562.

  • Spier, Tim u.a., Hg. (2007), Die Linkspartei. Zeitgemäße Idee oder Bündnis ohne Zukunft?, Wiesbaden.

  • Träger, Hendrik (2020), Die Linke zwischen internen Konflikten, der ersten Koalition im Westen, Niederlagen im Osten und dem Ramelow-Effekt, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2017, Wiesbaden, S. 159-186.

  • Vollmer, Andreas M. (2013), Arbeit & soziale Gerechtigkeit – die Wahlalternative (WASG). Entstehung, Geschichte und Bilanz, Baden-Baden.

  • Wolf, Harald (2025), Auf Triggerpunkten tanzen. Wie die Linkspartei ihren Erfolg verstetigen kann, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 70 (7), S. 117-123.

  • Zettl, Christian (2014), Die Wähler der Linkspartei.PDS von 1994 bis 2009, Wiesbaden.

Fussnoten

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.

Die Partei WASG wurde 2005 als politisch linke Alternative zur Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) v. a. von ehemaligen SPD-Mitgliedern und Mitgliedern der Gewerkschaften gegründet, die mit der rot-grünen Regierungspolitik unzufrieden waren...

Interner Link: Kompletten Eintrag "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG)" lesen

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Die PDS (gegründet 1990, Sitz: Berlin) war die Nachfolgepartei der SED. 2005 Umbenennung in »Linkspartei.pds«. 2007 Neugründung der Partei DIE LINKE (gemeinsam mit der...

Interner Link: Kompletten Eintrag "Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS)" lesen

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Partei WASG wurde 2005 als politisch linke Alternative zur Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) v. a. von ehemaligen SPD-Mitgliedern und Mitgliedern der Gewerkschaften gegründet, die mit der rot-grünen Regierungspolitik unzufrieden waren...

Interner Link: Kompletten Eintrag "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG)" lesen

Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.

Die PDS (gegründet 1990, Sitz: Berlin) war die Nachfolgepartei der SED. 2005 Umbenennung in »Linkspartei.pds«. 2007 Neugründung der Partei DIE LINKE (gemeinsam mit der...

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Quelle: Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 7., aktual. u. erw. Aufl. Bonn: Dietz 2020. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.