Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen


Zukunft Schule: Den Vergangenheitsrucksack ablegen

Digitalisierung, Bildungsgerechtigkeit, Führung, Gender und New Work – die Tagung ZUKUNFT SCHULE am ZfL der Uni Köln war ein Ritt durch zentrale Trends und Themen für Bildung im 21. Jahrhundert. Die Werkstatt der bpb war einen Tag lang dabei.

Farbfoto: Drei große Buchstaben – ein gelbes "Z", ein blaues "f" und ein rosa "L" – mit leuchtender LED-Umrandung stehen vor einer Backsteinwand in einem Universiätsgebäude. Über den Buchstaben ist die Aufschrift "Hörsaal B" an der Wand zu lesen.Das ZfL der Universität zu Köln lud im August 2019 zur Tagung ZUKUNFT SCHULE Schule ein. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (bpb, Theresa Samuelis)

"Stellen Sie sich vor, hier ist die Zukunft, 2030." Myrle Dziak-Mahler, Geschäftsführerin des Zentrums für LehrerInnenbildung (ZfL) der Universität zu Köln, steigt mitten im Opening Talk der Tagung ZUKUNFT SCHULE mit dem Mikro in der Hand die Stufen des vollbesetzten Hörsaals hinauf. "Dort", sie zeigt zurück zu den anderen Gesprächsteilnehmenden des Podiums, bei denen auch sie gerade noch stand, "dort ist die Vergangenheit, und da oben", nun deutet sie hinauf zu den letzten Reihen des Hörsaales, "da liegt die Zukunft. Und jetzt kommen Sie hier an, im Jahr 2030, beladen mit Ihrem Vergangenheitsrucksack – den können sie hier abstellen, das sind all die Erfahrungen, die sie mitbringen – und drehen sich einmal um. Jetzt schauen Sie zurück, haben die Zukunft im Rücken, nicht die Vergangenheit. Und mit diesem Perspektivwechsel, dem Blick Ihres Zukunfts-Ichs im Jahr 2030, können Sie sich in der Gegenwart selbst beraten."

Dziak-Mahlers eingängiges Gedankenspiel erntete zustimmenden Zwischenapplaus beim Eröffnungs-Talk und schien fortan wie ein Wegweiser durch die gesamte Tagung ZUKUNFT SCHULE zu führen, die vom 28. bis 30. August 2019 am ZfL stattfand. Perspektivwechsel ermöglichen und offen bleiben, Experimente wagen und scheitern können, Ängste zugeben und gemeinsam Lösungen erarbeiten – so lauteten die zentralen Standpunkte des bereits genannten Opening Talks. Darin diskutierten neben Dziak-Mahler der Vorsitzende des Bundeselternrates Stephan Wassmuth, Dr. Hubertus Neuhausen (Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek der Uni Köln) sowie die Referatsleiterin Gender und Diversity Management an der Uni Köln, Dr. Britt Dahmen, die Themen des Tages.

Diese reichten von Digitalisierung und neuen Lern-Lehr-Formaten über Bildungsgerechtigkeit und Lehramtsausbildung, Fragen der Führung, Schul- und Organisationsentwicklung und Gleichberechtigung der Geschlechter bis hin zu Veränderungen der Arbeitswelt. Eingebettet in das ZfL-Themenjahr future19 – Learning from Utopia bot die Veranstaltung ein umfassendes Programm zum Kennenlernen, Testen und Diskutieren zukunftsweisender Trends und Themen für Bildung im 21. Jahrhundert. Dabei stand immer wieder auch die Frage im Mittelpunkt, wie sich diese Entwicklungen auf das "System Schule" auswirken.
Farbfoto: Hinter der Fensterfront über dem Eingang zum Hauptgebäude der Uni Köln ist während der Tagung ZUKUNFT SCHULE ein großes Werbebanner der Veranstaltung zu sehen.Die Fensterfront über dem Eingang zum Hauptgebäude der Uni Köln während der Tagung ZUKUNFT SCHULE. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de (bpb, Theresa Samuelis)

Wandel der Arbeitswelt und Schulentwicklung

Die Keynote der New-Work-Expertin Inga Höltmann skizzierte zum Einstieg Herausforderungen der Zukunft der Arbeit. Ihrer Ansicht nach müssten Menschen in Organisationen lernende Menschen sein, wenn Organisationen zu lernenden Organisationen werden wollten. Dies, so die Referentin, habe auch mit Schule zu tun. Die Arbeitswelt werde bestimmt von einem Werte- und Technologiewandel und sei in Zukunft auf Menschen angewiesen, die mit einem bestimmten Menschenbild, einer Lernbereitschaft gegenüber digitalen Tools und Entwicklungen sowie mit einem neuen Verständnis von Führung ihre Unternehmen selbst und eigenverantwortlich gestalteten, so Höltmann.

Im Workshop "Veränderungen in der Schule bewirken" von Dr. Alexandra Habicher vom ZfL und Heike Gleibs von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft stand die Entwicklung von Change-Projekten durch Studierende im Mittelpunkt.

Die beiden Institutionen haben einen Prototypen für ein gemeinsames Blended-Learning-Seminar entwickelt, in dem Studierenden ein umfassender Pool an digitalen Lernmaterialien zum System Schule und Schulentwicklung, zu Projekt- und Changemanagement, zu Kommunikation, digitalen Lernmaterialien und Methoden an die Hand gegeben wird (die Materialien sind als OER unter https://digilehre.zflkoeln.de zu finden). Mithilfe der Materialien sollen die Studierenden in Gruppen Konzepte für Schulentwicklungsprojekte erarbeiten.

Im Rahmen des Tagungsworkshops konnten die Workshop-Teilnehmenden nun Elemente aus dem Material-Portfolio des Seminars testen und Feedback geben.

Gesundheit am Arbeitsplatz und Unterrichtspraxis

Eine andere Richtung schlug der Talk von Dr. Jana Bauer ein, die als Psychologin zu Stress und Stressbewältigung im Lehrberuf und Lehramtsstudium referierte. Unter dem Titel "Gesund im Wandel durch Stresskompetenz für Studium und Beruf" beschrieb sie Stress zunächst als alltägliches Phänomen, das entstünde, wenn eine Person das Gefühl habe, Anforderungen nicht bewältigen zu können. Im Lehrberuf seien vor allem quantitative Gründe – zu viel Arbeit, zu wenig Zeit – oder Rollenkonflikte – mit herausfordernden Schülerinnen und Schüler, Eltern oder im Kollegium – die zentralen Parameter für Stressempfinden. Zur Prävention schlug sie eine Ressourcenstärkung bereits im Studium vor. Dies könne etwa durch Wahlmodule, übergeordnete Hochschulangebote wie Career Services oder auch webbasierte Angebote (bspw. studiecare.com) umgesetzt werden – und die Arbeit im Schulkontext ressourcenschonender und zukunftsfähiger gestalten.

Einen unterrichtspraktischen Ansatz verfolgte wiederum der Workshop der Duisburger Lehrerin Nina Toller. Zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern erläuterte sie anhand einer Präsentation und praktischen Tools das Unterrichten mit 4K. Das Modell basiert auf der Vermittlung der überfachlichen Kompetenzen Kommunikation, Kreativität, kritisches Denken und Kollaboration (ein Interview mit Frau Toller zum Thema finden Sie hier).

Lernen ohne Limits

Darüber hinaus standen Themen wie digitale Feedback-Tools, Fake News, Talentförderung, (digitale) Projektvorstellungen unterschiedlicher Bildungsinitiativen und vieles mehr auf dem Programm (zur Programmübersicht). Die Fülle an Angeboten stand dabei sinnbildlich für das Motto der Tagung: ZUKUNFT SCHULE: Lernen ohne Limits. Es war kaum möglich, alles mitzunehmen und zu erfassen – hängen bleibt vor allem der Impuls, den Vergangenheitsrucksack einmal abzunehmen und sich auf neue Gedankenexperimente einzulassen.

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Hintergrundinformationen zur Veranstaltung

Die Tagung "ZUKUNFT SCHULE: Lernen ohne Limits" fand vom 28. bis 30. August 2019 am Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) der Universität zu Köln statt. Die Veranstaltung ist eingebettet in das ZfL-Themenjahr 2019 future19 – Learning From Utopia. Auf dem Programm standen über 60 Vorträge und Workshops von und mit mehr als 70 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft & Praxis, sowie Austausch und Networkingangebote. Schwerpunktthemen, auch auf Twitter, waren #diggi19, #bildungschancen, #genderlead und #arbeitsmarkt.

Mehr Informationen sowie das Programm finden Sie auf der Tagungsseite.


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