Bildung im digitalen Wandel


Bildungshacks: Tipps für Social Media im Unterricht

Die Werkstatt-Community wollte wissen: Wie kann man Lernende dort abholen, wo sie sowieso unterwegs sind? Lehrer Dejan Mihajlović und Pädagogin Mandy Schiefner-Rohs über Soziale Medien im Unterricht zwischen Medienkompetenz und Datenschutz.

In der dritten Folge Bildungshacks spricht Filli Montag mit dem Expertenteam über Social Media im Unterricht. (© 2021 Bundeszentrale für politische Bildung)

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Mehr zum Thema:

Rechtliche Lage zur Erstellung von fiktiven Profilen

Das Erstellen von Fake Profilen, die sich als real existierende Personen ausgeben, wird als Identitätsdiebstahl gewertet und ist verboten. Anders sieht es wiederum bei fiktiven Profilen aus: diese bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone. Die Nutzungsbedingungen der jeweiligen Plattformen sehen zwar keine Erstellung von fiktiven Profilen vor, nach deutschem Recht sind diese jedoch nicht verboten. Die Nutzerinnen und Nutzer machen sich somit nicht strafbar, Profile könnten jedoch von den Plattformen gelöscht werden.

Mehr Infos: 
https://www.internetrecht-nuernberg.de/internetrecht/strafbarkeit_fake_facebook_profil.html 
https://www.recht.help/fake-account-profil-auf-instagram-melden-und-l%C3%B6schen/

Social Media-Profile von Schulen

Social Media-Profile von Schulen müssen hinsichtlich der Veröffentlichung von personenbezogenen Daten dieselben Richtlinien einhalten wie beispielsweise Schulhomepages.

Mehr Infos: https://datenschutz-schule.info/themen/schule-und-social-media/facebook-und-instagram-zur-aussendarstellung/

Kultur der Digitalität

Der Begriff "Kultur der Digitalität" geht auf das gleichnamige Buch von Felix Stalder aus dem Jahr 2016 zurück. Seine Kernthese ist, dass die Digitalisierung Auslöser für den Einsturz alter kultureller Ordnungen und den Aufbau einer neuen Kultur sei.

Mehr Infos:
https://agora42.de/grundformen-der-digitalitaet-felix-stalder/

Angebote für Lehrende zur Medienbildung in der Schule

Neben den Landesmedienzentren der jeweiligen Bundesländer, gibt es auch private Träger, die Workshops zur Medienbildung von Lehrpersonen oder Schülerinnen und Schüler mit dem Fokus auf soziale Netzwerke anbieten.

Für Lehrende:
https://www.digitaltraining.de/vortraege-workshops/fuer-lehrer/ https://klickwinkel.de/initiative/fortbildungen-fuer-lehrkraefte/

Für Schülerinnen und Schüler:
https://www.social-web-macht-schule.de/veranstaltungen/schuelerworkshops/ https://www.futuroworkshops.ch/workshops/social-media-workshop

Weitere Tipps unseres Expertenteams

Mandy Schiefner-Rohs empfiehlt zum Beispiel lehrer-online.de oder klicksafe.de, wo unter anderem Stundenentwürfe zur Einbettung von Themen wie "Social Media" in den Unterricht zu finden sind.

Dejan Mihajlović empfiehlt außerdem, die Methodik des Dagstuhl-Dreiecks als Grundlage für die Unterrichtsvorbereitung zum Thema "Social Media" zu nutzen:

"Beim Thema Social Media im Unterricht wird häufig nach Anleitungen und Listen gesucht, die einem erklären, welches Verhalten richtig oder falsch ist oder vor welchen Gefahren Schülerinnen und Schüler geschützt werden müssen. Statt solche Schutzaspekte in den Vordergrund zu stellen, sollten junge Menschen vielmehr zu einer mündigen und souveränen Teilhabe in einer Kultur der Digitalität befähigt werden, indem sie ein Verständnis davon aufbauen und notwendige Kompetenzen erwerben. Einen aus meiner Sicht gelungener Ansatz, wie man sich den komplexen Prozessen nähern kann, ist das Dagstuhl-Dreieck. Mit Hilfe dieses Prinzips kann man sich komplexen Zusammenhängen über offene und zentrale Fragen nähern. Zudem hilft es dabei, verschiedene Perspektiven und ihre gegenseitige Wechselwirkung zur berücksichtigen und wiederzugeben. Bei der Wirkung und Anwendung muss jeweils die Perspektive des Individuums und der Gesellschaft mitgedacht werden. Zentral sind dabei ein ergebnisoffener Einstieg über eine der drei Betrachtungswinkel bzw. Fragen: Wie funktioniert das? Wie wirkt das? und Wie wird das genutzt? Wählt man zum Beispiel TikTok als zu untersuchenden Gegenstand aus, stellt man fest, dass allein die unzähligen Funktionen, die diese Software leisten kann, viele Fragen aufwirft. Diese zu klären, ist die Grundlage für ein notwendiges Verständnis und eine seriöse Handlungsempfehlung.

In der Mitte ist ein Dreieck zu sehen, über dem linken Schenkel des Dreiecks steht die Frage "Wie funktioniert das?", darunter sind zwei Zahnräder abgebildet, über dem rechten Schenkel steht die Frage "Wie wirkt das?", darunter sind zwei ineinandergreifende Pfeile zu sehen, unten steht die Frage "Wie wird das genutzt", dazu abgebildet ist eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger.Das Dagstuhl-Dreieck kann helfen, Wechselwirkungen zwischen Funktionalität, Nutzung und Wirkung Sozialer Medien zu erkennen. (© Dejan Mihajlović)

So kann mit Wie funktioniert TikTok? ein technisches Verständnis erarbeitet werden, das auch die zugrundeliegenden Algorithmen untersucht. Welche Beiträge erhalten (weshalb) viel Aufmerksamkeit und Reichweite? oder Welche Hashtags funktionieren (wie) gut? sind beispielsweise gängige Fragestellungen von Schülerinnen und Schülern. Wie wirkt das auf mich und die Gesellschaft? ermöglicht eine Selbstreflexion und Austausch mit der Klasse und kann so eine psychologische und gesellschaftlich-kulturelle Auseinandersetzung bieten. Gleiches gilt für auch für die Fragen Wie nutze ich und wie nutzen die anderen TikTok?, die darüber hinaus auch aufzeigen, dass alle drei Perspektiven im Wechselspiel zueinander stehen.

Ergebnis der dahinterstehenden Untersuchung und Reflexion kann sein: TikTok ist so konzipiert Menschen möglichst lange auf der Plattform zu halten. Algorithmen erfassen dafür, wie lange etwas betrachtet wird, wo Likes gesetzt und Kommentare hinterlassen werden, wer abonniert oder welcher Ton für einen Betrag verwendet wird. Der Vorteil beim Einsatz des Dagstuhl-Dreiecks im Unterricht ist, dass Lernende sich über ihre eigenen Fragen einer Thematik nähern, ihr bereits bestehendes Wissen einbringen und kollaborativ im und mit dem Netz arbeiten können. So werden sie befähigt und unterstützt, mündig und souverän in sozialen Netzwerken aufzutreten."

Creative Commons License

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