Gründung als christliche Milieu- und Volkspartei
So wie das katholische Zentrum verstand sich die CDU von Anfang an als „Volkspartei“, die die Angehörigen unterschiedlicher sozialer und Berufsgruppen unter einem gemeinsamen christlichen Dach versammeln wollte. Mit der konfessionellen Öffnung wurde dieser Anspruch auf den nicht-katholischen Teil des Bürgertums ausgeweitet. Dabei kamen der CDU mehrere Umstände zugute: Erstens hatte sie durch ihre Regierungsmacht die Möglichkeit, die grundlegenden Weichenstellungen der neugegründeten Bundesrepublik vorzunehmen. Zweitens konnte sie auf ein noch weithin intaktes Vorfeld aus Vereinen und Verbänden des konservativ-katholischen Milieus zurückgreifen, das eine erfolgreiche Wähleransprache auch ohne ausgebaute Parteiorganisation garantierte. Und drittens profitierte sie von einer Auflösung der einstmals starren Milieugrenzen im christlich-konservativen Lager, dessen Zusammenwachsen nicht zuletzt durch den gemeinsam geteilten Antisozialismus erleichtert wurde (Walter / Werwarth / D'Antonio 2014: 21 ff.).
Als Milieupartei, die zugleich an den Hebeln der Regierung saß, finanzierte sich die CDU in hohem Maße aus Unternehmensspenden (Bösch 2001: 195 ff.). Um die vom Grundgesetz geforderte Offenlegungspflicht zu umgehen, gelang es ihr, die gesetzliche Regelung der Parteienfinanzierung bis zum Jahre 1967 zu verschleppen. Die unter Adenauer eingeführte Praxis, die Herkunft der steuerbegünstigten Spenden durch eigens dafür eingerichtete Fördergesellschaften zu verschleiern, wurde auch nach der Verbreiterung der staatlichen Finanzierungsquellen fortgeführt. Die Folgen dieser Praxis wurden mit der 1999 aufgedeckten Parteispendenaffäre sichtbar, die einen dunklen Schatten auf die Ära Helmut Kohls als Parteivorsitzender warf und die CDU kurzzeitig in eine tiefe Krise stürzte.
Mit dem Abschmelzen der christlichen Milieus begannen die natürlichen Machtressourcen der CDU ab den 1960er-Jahren allmählich zu versiegen. Nachdem sie die Bundestagswahlen 1969 und 1972 verloren hatte, reagierte die Partei auf diese gesellschaftlichen Veränderungen mit einer nachholenden Modernisierung ihrer Organisation. Dies schlug sich einerseits im Ausbau des Parteiapparats, andererseits in einem rasanten Anstieg der Mitgliederzahl nieder. Diese stieg von rund 300.000 Mitgliedern gegen Ende der Adenauer-Ära auf 730.000 Mitglieder nach Kohls Übernahme der Kanzlerschaft im Jahr 1982. Damit einher ging eine Öffnung und Demokratisierung der innerparteilichen Willensbildungsprozesse, die auch in der nachfolgenden Regierungszeit für ein gewisses Gegengewicht zu der ansonsten dominanten Führung der Partei aus dem Kanzleramt heraus sorgte.
Konstante Führung und föderale Prägung
Straffe Führung und einheitliches Handeln verbinden sich in der CDU mit einem stark föderativ geprägten und pluralistischen Aufbau der Organisation. Das erstgenannte lässt sich an der hohen Konstanz der Führungsspitze ablesen. In 59 von 76 Jahren ihrer Geschichte wurde die Partei von nur drei Vorsitzenden geführt - Adenauer, Kohl und Merkel. Parteivorsitz und Kanzleramt (bzw. in Oppositionszeiten: der Fraktionsvorsitz) lagen dabei gewöhnlich in einer Hand. 1967 wurde zur Entlastung des Vorsitzenden das Amt des Generalsekretärs eingerichtet. Als eigentliches Führungsgremium der Partei fungiert das 18-köpfige Präsidium, das alle zwei Wochen zusammentritt und die wichtigsten tagespolitischen Fragen und Grundsatzentscheidungen abstimmt. Ihm gehören qua Amt die obersten Funktionsträger in Regierung, Parlament, Partei und Fraktion sowie weitere sieben vom Parteitag gewählte Mitglieder an. Hinzu kommen als beratende Mitglieder die von der CDU gestellten Ministerpräsidenten (sofern sie nicht bereits gewählte Mitglieder sind) und der Bundesgeschäftsführer. Der Bundesvorstand umfasst darüber hinaus weitere 25 gewählte Mitglieder sowie die Vorsitzenden der Landesverbände und der Bundesvereinigungen. Er tagt seltener und dient in erster Linie dazu, die Beschlüsse des Präsidiums innerhalb der Partei abzusichern und zu legitimieren. Oberstes Organ ist der in der Regel jährlich zusammentretende Parteitag, der seit der Wiedervereinigung aus 1.001 Delegierten besteht. Ihm obliegen neben der Wahl der Führungsgremien auch die förmliche Beschlussfassung über das Parteiprogramm und die Satzung, deren Inhalte durch die Arbeit der ausführenden Organe allerdings weitgehend vorgegeben sind. Bis 2025 oblag den Parteitag auch die Bestätigung von Koalitionsentscheidungen und -vereinbarungen. Dies wurde durch Satzungsänderung in die Zuständigkeit des Bundesausschusses zurückverlegt, der als zweithöchstes Beschlussorgan im Bedarfsfalle zwischen den Parteitagen zusammentritt (Bösch 2025: 246).
Stärker als bei den anderen Parteien ist bei der CDU die föderale Prägung spürbar (Schmid 1990). Ihr sichtbarstes Zeichen ist der „Bund“ mit der Schwesterpartei CSU, die als organisatorisch selbständige Partei den nicht vorhandenen CDU-Landesverband in Bayern ersetzt. Gemessen an Personal und Finanzen verfügen die Landesverbände über deutlich größere Ressourcen als die Bundesebene. Auf die Bundesebene entfallen nur etwa gut 10 Prozent des hauptamtlichen Personals und 30 Prozent der Parteieinnahmen. Ein zentralistischer Durchgriff von oben ist in der CDU schon dadurch erschwert, dass die Kandidatenaufstellung zum Bundestag ganz in den Händen der 327 Kreis- und 17 Landesverbände liegt, zu denen sich als weitere Organisationseinheit in den großen Ländern 27 Bezirksverbände gesellen. Die Landesverbände zeichnen sich traditionell durch ein hohes Maß an Eigenständigkeit aus, das in unterschiedlichen programmatischen Profilen Niederschlag findet. Am größten ist der Einfluss der Landesparteien und Ministerpräsidenten in Oppositionszeiten. Befindet sich die CDU dagegen an der Regierung, tritt er - auch wegen der dann fast automatisch einsetzenden Rückschläge bei den Landtagswahlen - hinter der Macht des bzw. der des Parteivorsitzenden und des Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzlerin zurück.
Auf der horizontalen Ebene weist die CDU eine Vielzahl von Vereinigungen, Sonderorganisationen und weiteren Gruppen auf, die die unterschiedlichen Interessen der Mitglieder und Wähler bündeln. Nach Berufsstand, sonstigen Sozialmerkmalen (Alter, Geschlecht, Religions-/ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung) oder Politikbereichen gegliedert, tragen diese Gruppierungen zugleich dazu bei, die ideologischen Strömungen innerhalb der Partei zu kanalisieren (Dümig / Trefs / Zohlnhöfer 2006). Richtungspolitisch motivierte Vereinigungen in der Partei oder ihrem Umfeld wie der „Berliner Kreis“ oder die „WerteUnion“, die versuchten ein konservatives Gegengewicht zur gesellschaftspolitischen Modernisierung der Partei zu bilden, spielen innerhalb der CDU nur eine begrenzte Rolle. Der linke Parteiflügel organisiert sich traditionell in der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), der marktliberale Flügel in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT). Durch die Pluralisierung der ihnen vorgelagerten Verbändelandschaft haben beide Vereinigungen an Bedeutung eingebüßt. Eine größere Rolle spielt die Junge Union (JU), die allein aufgrund ihrer Größe mit gut 90.000 Mitgliedern ein wichtiges innerparteiliches Karrieresprungbrett darstellt. Indem sie die Mitglieder der CSU mit einschließen, bilden die meisten Vereinigungen zugleich ein Scharnier zur Schwesterpartei (Bösch 2025: 248).
Maßnahmen gegen Überalterung, niedrigen Frauenanteil und Mitgliederrückgang
Die ab 1983 rückläufige Mitgliederentwicklung wurde durch die Vereinigung mit der Ost-CDU kurzzeitig unterbrochen. Gegenüber dem Höchststand von 1990 (790.000) hat die CDU seither mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Mit 364.200 Mitgliedern lag sie Ende 2024 aber erstmals seit 2011 wieder vor der SPD.