Geschichte
Gemessen an den Wahlerfolgen und der Dauer ihrer Regierungsbeteiligungen im Bund und in den Ländern ist die Christlich Demokratische Union (CDU) die erfolgreichste Partei in der Bundesrepublik. Mit ihrer bayerischen Schwesterpartei CSU bildet sie im Bundestag eine gemeinsame Fraktion. In 53 von 77 Jahren hat sie in Bonn bzw. Berlin die Bundeskanzler bzw. die Bundeskanzlerin gestellt.
Als überkonfessionell ausgerichtete Sammlungspartei des christlich-bürgerlichen Lagers stellt die CDU die wichtigste Neuerfindung des Parteiensystems der Bundesrepublik dar. Die Integration protestantischer Wählerinnen und Wähler wurde dabei durch die gemeinsame, antisozialistische Ausrichtung sowie durch die Erfolge der Regierungspolitik erleichtert. Das Wirtschaftswunder und die von Konrad Adenauer durchgesetzte Westintegration garantierten ihr zusammen mit der CSU bis Mitte der 1960er-Jahre stabile Wählermehrheiten.
Der Verlust der Regierungsmacht 1969 leitete den Wandel der CDU zu einer modernen Programm- und Mitgliederpartei ein. Helmut Kohl trieb diesen Wandel maßgeblich voran. Er übernahm 1973 den Vorsitz der Partei und führte diese nach dem vorzeitigen Ende der sozial-liberalen Koalition 1982 an die Regierung zurück. In die 16 Jahre währende Regierungszeit Kohls fielen die Wiedererlangung der deutschen Einheit und die Einführung des Euro.
Die deutliche Wahlniederlage 1998 ging auf den mangelnden Reformwillen von Regierung und Partei in der Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik zurück. Von der Affäre um illegale Parteispenden erholte sich die CDU unter der seit 2000 amtierenden Vorsitzenden Angela Merkel rasch und schuf so die Grundlage für die Rückeroberung des Kanzleramtes im Jahr 2005, das sie auch bei den drei darauffolgenden Bundestagswahlen als mit Abstand stärkste Kraft im Parteiensystem verteidigte.
Mit Merkels Ankündigung, 2021 als Bundeskanzlerin ausscheiden zu wollen, und ihrem Rückzug vom Parteivorsitz im Dezember 2018, geriet die CDU in eine Führungskrise. Diese führte nach einer missglückten Kampagne bei der Bundestagswahl 2021 zum unerwarteten Machtverlust. Ihre Fähigkeit, den rechten Rand des Parteiensystems zu integrieren, scheint die CDU seit der Entstehung und dem Erstarken der AfD verloren zu haben. Trotzdem schaffte sie in der Oppositionszeit unter dem 2022 zum neuen Vorsitzenden gewählten früheren Merkel-Rivalen Friedrich Merz die Voraussetzungen für eine Rückeroberung des Kanzleramts.
Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2025 musste sie erneut eine Koalition mit der SPD eingehen. Die Bewertung des ersten Regierungsjahres fiel auch innerhalb der Partei und in Teilen ihrer Anhängerschaft gemischt aus. Neben der schwierigen Wirtschaftslage werden auch Enttäuschungen der eigenen Anhängerschaft über nicht eingehaltene Wahlversprechen – etwa bei der Schuldenbremse – für die schlechten Zustimmungswerte verantwortlich gemacht.
Wahlergebnisse und Wählerschaft
Der unbestrittenen Führungsrolle auf nationaler Ebene stehen seit der Rückkehr an die Regierung zum Teil erhebliche Stimmeneinbußen in den Bundesländern und Großstädten gegenüber. Wie andere Parteien leidet die CDU unter einer Ausdünnung ihrer natürlichen Kernklientel. Ihren Vorsprung bei den weiblichen Wählern, der in der rot-grünen Regierungszeit verloren gegangen war, konnte die CDU/CSU während Merkels Kanzlerschaft wiederherstellen, im Anschluss aber nicht halten. Aus den verschiedenen sozialen und Berufsgruppen erfährt sie relativ gleichmäßigen Zulauf und unterstreicht dadurch ihren Charakter als Volkspartei. Auch bei den Arbeitern konnte die CDU in verschiedenen Wahlperioden starke Zuwächse erzielen und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der SPD sichern.