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Kompakter Überblick: Die CDU | Parteien in Deutschland | bpb.de

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Kompakter Überblick: Die CDU

Frank Decker

/ 4 Minuten zu lesen

Als Regierungspartei hat die CDU politische Schlüsselentscheidungen der Bundesrepublik maßgeblich geprägt. Ihr Programm ist von konservativen, liberalen und christlich-sozialen Standpunkten geprägt.

Das Logo der CDU an der Fassade der Bundesgeschäftsstelle, dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. (© picture-alliance, Joko | Joko)

Geschichte

Gemessen an den Wahlerfolgen und der Dauer ihrer Regierungsbeteiligungen im Bund und in den Ländern ist die Christlich Demokratische Union (CDU) die erfolgreichste Partei in der Bundesrepublik. Mit ihrer Interner Link: bayerischen Schwesterpartei CSU bildet sie im Bundestag eine gemeinsame Fraktion. In 53 von 77 Jahren hat sie in Bonn bzw. Berlin die Bundeskanzler bzw. die Bundeskanzlerin gestellt.

Als Interner Link: überkonfessionell ausgerichtete Sammlungspartei des christlich-bürgerlichen Lagers stellt die CDU die wichtigste Neuerfindung des Parteiensystems der Bundesrepublik dar. Die Integration protestantischer Wählerinnen und Wähler wurde dabei durch die gemeinsame, antisozialistische Ausrichtung sowie durch die Erfolge der Regierungspolitik erleichtert. Das Wirtschaftswunder und die von Konrad Adenauer durchgesetzte Westintegration garantierten ihr zusammen mit der CSU bis Mitte der 1960er-Jahre stabile Wählermehrheiten.

Der Verlust der Regierungsmacht 1969 leitete den Wandel der CDU zu einer modernen Programm- und Mitgliederpartei ein. Helmut Kohl trieb diesen Wandel maßgeblich voran. Er übernahm 1973 den Vorsitz der Partei und führte diese nach dem vorzeitigen Ende der sozial-liberalen Koalition 1982 an die Regierung zurück. In die 16 Jahre währende Regierungszeit Kohls fielen die Wiedererlangung der deutschen Einheit und die Interner Link: Einführung des Euro.

Die deutliche Wahlniederlage 1998 ging auf den mangelnden Reformwillen von Regierung und Partei in der Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik zurück. Von der Affäre um illegale Parteispenden erholte sich die CDU unter der seit 2000 amtierenden Vorsitzenden Angela Merkel rasch und schuf so die Grundlage für die Interner Link: Rückeroberung des Kanzleramtes im Jahr 2005, das sie auch bei den drei darauffolgenden Bundestagswahlen als mit Abstand stärkste Kraft im Parteiensystem verteidigte.

Mit Merkels Ankündigung, 2021 als Bundeskanzlerin ausscheiden zu wollen, und ihrem Rückzug vom Parteivorsitz im Dezember 2018, geriet die CDU in eine Führungskrise. Diese führte nach einer missglückten Kampagne bei der Interner Link: Bundestagswahl 2021 zum unerwarteten Machtverlust. Ihre Fähigkeit, den rechten Rand des Parteiensystems zu integrieren, scheint die CDU seit der Entstehung und dem Erstarken der Interner Link: AfD verloren zu haben. Trotzdem schaffte sie in der Oppositionszeit unter dem 2022 zum neuen Vorsitzenden gewählten früheren Merkel-Rivalen Friedrich Merz die Voraussetzungen für eine Rückeroberung des Kanzleramts.

Nach der vorgezogenen Interner Link: Bundestagswahl 2025 musste sie erneut eine Koalition mit der Interner Link: SPD eingehen. Die Bewertung des ersten Regierungsjahres fiel auch innerhalb der Partei und in Teilen ihrer Anhängerschaft gemischt aus. Neben der schwierigen Wirtschaftslage werden auch Enttäuschungen der eigenen Anhängerschaft über nicht eingehaltene Wahlversprechen – etwa bei der Schuldenbremse – für die schlechten Zustimmungswerte verantwortlich gemacht.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Etappen der Parteigeschichte der CDU.

Wahlergebnisse und Wählerschaft

Der unbestrittenen Führungsrolle auf nationaler Ebene stehen seit der Rückkehr an die Regierung zum Teil erhebliche Stimmeneinbußen in den Bundesländern und Großstädten gegenüber. Wie andere Parteien leidet die CDU unter einer Ausdünnung ihrer natürlichen Kernklientel. Ihren Vorsprung bei den weiblichen Wählern, der in der rot-grünen Regierungszeit verloren gegangen war, konnte die CDU/CSU während Merkels Kanzlerschaft wiederherstellen, im Anschluss aber nicht halten. Aus den verschiedenen sozialen und Berufsgruppen erfährt sie relativ gleichmäßigen Zulauf und unterstreicht dadurch ihren Charakter als Volkspartei. Auch bei den Arbeitern konnte die CDU in verschiedenen Wahlperioden starke Zuwächse erzielen und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der SPD sichern.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zu den Wahlergebnissen und der Wählerschaft der CDU.

Aktuelle Wahlergebnisse der CDU

Wahlergebnisse bei den letzten Wahlen zu Landesparlamenten, dem Bundestag und dem Europäischen Parlament

Bei nicht aufgeführten Wahlen ist die Partei nicht mit einer Landesliste o.ä. angetreten.
WahlDatumProzentualer AnteilStimmenanzahl
AnteilGewinn
Verlust
StimmenGewinn
Verlust
Sachsen-Anhalt06.06.202137,1%7,4%394.81060.671
Mecklenburg-Vorpommern26.09.202113,3%-5,7%121.583-31.532
Saarland27.03.202228,5%-12,2%129.154-88.109
Schleswig-Holstein08.05.202243,4%11,4%601.964130.504
Nordrhein-Westfalen15.05.202235,7%2,8%2.552.276-244.407
Niedersachsen09.10.202228,1%-5,6%1.017.304-269.887
Berlin27.02.202328,2%10,6%428.228140.226
Bremen114.05.202326,2%-0,4%331.380-60.329
Hessen08.10.202334,6%7,6%972.876195.966
Europäisches Parlament09.06.202423,7%1,1%9.435.636996.661
Sachsen01.09.202431,9%-0,2%749.11453.554
Thüringen01.09.202423,6%1,9%285.09744.048
Brandenburg22.09.202412,1%-3,4%181.716-14.972
Bundestag23.02.202522,6%3,6%11.196.3742.421.454
Hamburg202.03.202519,8%8,6%865.713411.996
Baden-Württemberg08.03.202629,7%5,6%1.595.929426.954
Rheinland-Pfalz22.03.202631,0%3,3%627.95492.636
Tabellenbeschreibung

Die Tabelle zeigt die Wahlergebnisse der Partei CDU zwischen dem 06.06.2021 und dem 22.03.2026. Bei elf von 17 Wahlantritten der Partei in diesem Zeitraum steigerte sich der prozentuale Anteil der Partei an den gültigen Stimmen im Vergleich zur vorherigen Wahl. Das höchste Ergebnis erzielte die Partei mit 43,4% bei der Wahl in Schleswig-Holstein 2022, das niedrigste mit 12,1% bei der Wahl in Brandenburg 2024.

Fußnote: 1 Bremen: Personen- und Listenstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Fußnote: 2 Hamburg: Landesstimmen (bis zu fünf Stimmen je Wähler)

Quelle: Die Bundeswahlleiterin und Landeswahlleitungen.

Programm

Ihrem Selbstverständnis als „natürliche“ Regierungspartei gemäß hat die Programmarbeit in der CDU niemals eine herausgehobene Rolle gespielt. Inhaltliche Impulse erfolgten weniger aus der Partei selbst heraus als aus dem Regierungshandeln. Die Programmarbeit wird durch das breite Spektrum an Interessen und Werthaltungen erschwert, das die Partei vereint. Die Bezugnahme auf das christliche Wertefundament und Menschenbild bildet die gemeinsame Klammer ihrer konservativen, liberalen und sozialen Wurzeln, auch wenn sie im Zuge der fortschreitenden Entkirchlichung der Gesellschaft an praktischer Bedeutung eingebüßt hat.

In der von der CDU entscheidend mitgeprägten Sozialen Marktwirtschaft treffen sich liberale Vorstellungen einer wettbewerbssichernden Ordnungspolitik mit den bestehenden Traditionen des Sozialstaates. In der Gesellschafts- und Familienpolitik überwog in den 1950er-und 1960er-Jahren das konservative Element. Hier zeichnete sich erst nach dem Gang in die Opposition eine vorsichtige Liberalisierung ab, die aber erst in den 2000er-Jahren unter Angela Merkels Führung forciert wurde. Keinen nachhaltigen Erfolg hatte Merkel mit ihrem Versuch, das liberale Element in der Wirtschaftspolitik zu stärken und die CDU auf einen umfassenden Umbau des Sozialstaats auszurichten. Auch unter Merz hat die Partei bislang keine grundlegenden Reformen in der Sozial-, Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik umgesetzt.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Programmatik der CDU.

Organisation

Organisatorisch zeichnet sich die CDU durch ihre stark föderale und pluralistische Prägung aus, zugleich pflegt sie die Bedürfnisse einer straffen Führung und Konzentration auf die Regierungspolitik. Kam sie bis Ende der 1960er-Jahre noch ohne größeren professionellen Parteiapparat und breiten Mitgliederstamm aus, wurden beide in den 1970er-Jahren zügig aufgebaut. Zusammen mit der CSU verfügen die Christdemokraten heute über deutlich mehr Mitglieder als die SPD, auch wenn die Zahl seit der Vereinigung mit der Ost-CDU rückläufig ist. Unter Merkels Kanzlerschaft wurden seit 2005 einerseits die Tendenzen einer kommunikativen Einbindung und Steuerung der Basis „von oben“ verstärkt. Andererseits bleibt die Partei bestrebt, ihre Mobilisierungs- und Rekrutierungsfähigkeit durch eine Öffnung der Organisation und Stärkung der Mitgliederrechte zu verbessern. 2022 beschloss sie eine Frauenquote bei der Vergabe von Parteiämtern.

Interner Link: Hier finden Sie einen ausführlichen Text zur Organisation der CDU.

Quellen / Literatur

  • Alexander, Robin (2021), Machtverfall. Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik: Ein Report, München.

  • Bösch, Frank (2001), Die Adenauer-CDU. Gründung, Aufstieg und Krise einer Volkspartei 1945-1969, Stuttgart / München.

  • Bösch, Frank (2002), Macht und Machtverlust. Die Geschichte der CDU, Stuttgart / München.

  • Bösch, Frank (2025), Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Frank Decker / Viola Neu (Hg.), Handbuch der deutschen Parteien, 4. Aufl., Wiesbaden, S. 231-251.

  • Brechenmacher, Thomas (2020), Die CDU unter Angela Merkel (2000-2018), in: Norbert Lammert (Hg.), Christlich Demokratische Union. Beiträge und Positionen zur Geschichte der CDU, München, S. 81-135.

  • Buchstab, Günter (2022), Die CDU in der Ära Kohl, in: Norbert Lammert (Hg.), Handbuch zur Geschichte der CDU. Grundlagen, Entwicklungen, Positionen, Darmstadt, S. 165-191.

  • Decker, Frank (2008), Wo wir sind, ist die Mitte. Zum Standort der CDU im deutschen Parteiensystem, in: Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte 55 (1/2), S. 12-15.

  • Decker, Frank (2020), Aufbruch in unsichere Zeiten. Die CDU am Ende der Ära Merkel, Ifri Comité d’études des relations franco-allemandes, Notes du Cerfa 157, Paris.

  • Dilling, Matthias (2022), Kanzlerwahlverein No More? Failed Internal Coalition Building and the CDU/CSUs 2021 Campaign, in: German Politics & Society 40 (3), S. 88-109.

  • Dümig, Kathrin/Matthias Trefs/Reimut Zohlnhöfer (2006), Die Faktionen der CDU. Bändigung durch institutionalisierte Einbindung, in: Patrick Köllner / Matthias Basedau / Gero Erdmann (Hg.), Innerparteiliche Machtgruppen, Frankfurt a.M., S. 99-129.

  • Kleinmann, Hans-Otto (1993), Geschichte der CDU 1945-1982, Stuttgart.

  • Lau, Mariam (2009), Die letzte Volkspartei. Angela Merkel und die Modernisierung der CDU, München.

  • Oppelland, Torsten (2023), Die Niederlage der CDU: Folge einer ungelösten Führungskrise, in: Uwe Jun / Oskar Niedermayer (Hg.), Die Parteien nach der Bundestagswahl 2021, Wiesbaden, S. 101-129.

  • Resing, Volker (2013), Die Kanzlermaschine. Wie die CDU funktioniert, Freiburg i. Br.

  • Schmid, Josef (1990), Die CDU. Organisationsstrukturen, Politiken und Funktionsweisen einer Partei im Föderalismus, Opladen.

  • Schwarz, Hans-Peter, Hg. (2009), Die Fraktion als Machtfaktor. CDU/CSU im Deutschen Bundestag 1949 bis heute, München.

  • Walter, Franz / Christian Werwath / Oliver D'Antonio (2014), Die CDU. Entstehung und Verfall christdemokratischer Geschlossenheit, 2. Aufl., Baden-Baden.

  • Zolleis, Udo / Josef Schmid (2013), Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU), in: Oskar Niedermayer (Hg.), Handbuch Parteienforschung, Wiesbaden, S. 415-437.

Fussnoten

Lizenz

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Decker für bpb.de

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Prof. Dr. Frank Decker lehrt und forscht am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Parteien, westliche Regierungssysteme und Rechtspopulismus im internationalen Vergleich.

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[* 5.1.1876 · † 19.4.1967] deutscher Politiker (CDU)...

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aus: Große Hüttmann / Wehling, Das Europalexikon (3.Auflage), Bonn 2020, Verlag J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Autor des Artikels: V. Conze

[* 3.4.1930 † 16.6.2017] dt. Politiker (CDU). Studium (Geschichte, Staatswissenschaften) mit Promotion. In Rheinland-Pfalz Abgeordneter (ab 1959) und Ministerpräsident (1969–76). CDU-Chef (1973–98). Bundestagsabgeordneter (1976–2002), ab 1976 Fraktionschef, dann Bundeskanzler (1982–98). Schulterschluss mit...

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[* 5.1.1876 · † 19.4.1967] dt. Politiker (CDU). Von 1917–33 sowie 1945 für einige Monate Oberbürgermeister von Köln. 1949–63 erster dt. Bundeskanzler, 1951–55 gleichzeitig Außenminister.

A. gestaltete die Westintegration der Bundesrepublik. Als deren entscheidenden Bestandteil begriff er die europ. Einigung, die er konsequent vorantrieb. Dabei hoffte er, dass Wohlstand und Freiheit des Westens auf Dauer so viel Attraktivität ausstrahlen würden, dass der Ostblock ...

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[* 3.4.1930 † 16.6.2017] dt. Politiker (CDU). Studium (Geschichte, Staatswissenschaften) mit Promotion. In Rheinland-Pfalz Abgeordneter (ab 1959) und Ministerpräsident (1969–76). CDU-Chef (1973–98). Bundestagsabgeordneter (1976–2002), ab 1976 Fraktionschef, dann Bundeskanzler (1982–98). Schulterschluss mit Paris und früh Initiativen für eine Forcierung der zuletzt erlahmten Integration. Dies betraf besonders die Stärkung der politischen Einheit und der wirtschaftlichen Integration ...

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