NECE

5.3.2007

Workshop: The Politics of Memory in European Migration Societies.

Internationaler Expertenworkshop
Berlin, 11. bis 13. Oktober 2006

Wie kann eine europäische Tradition der Erinnerung an den Holocaust und andere Katastrophen des 20. Jahrhunderts an Jugendliche mit Migrationshintergrund vermittelt werden? Ein internationaler Workshop der Bundeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.

Einleitung

"Jeder Mensch und jedes Volk braucht je nach seinen Zielen, Kräften und Nöten eine gewisse Kenntnis der Vergangenheit, bald als monumentalische, bald als antiquarische, bald als kritische Historie."
Friedrich Nietzsche[1]

"Innerhalb einer Generation werden die Gedenkstätten und Museen Staub ansammeln – wie heute auf den Schlachtfeldern der Westfront wird man dort nur noch die besonders Interessierten und die Angehörigen treffen."
Tony Judt[2]

"Und, wie gesagt, die Leute erinnern sich ohnehin so, wie Sie wollen."
Harald Welzer[3]

35 Wissenschaftler und Experten aus unterschiedlichen akademischen Disziplinen (Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik, Soziologie, Erziehungswissenschaft, Politologie) kamen vom 11.- 13. Oktober 2006 in Berlin zusammen, um die sich wandelnden Erinnerungskulturen in Europa einer vergleichenden Analyse zu unterziehen. Beiträge aus Dänemark, Schweden, Deutschland, Schweiz, Österreich, Niederlande, Polen, Griechenland, Portugal, England und den USA ermöglichten einen Einblick in die Vielfalt und Komplexität der Debatten und Zugänge in unterschiedlichen nationalen und wissenschaftlichen Kontexten. (Siehe das Programm des Workshops und Teilnehmerliste im Anhang).

Im Mittelpunkt des Workshops und des Konferenzprojekts stand die Frage, wie die europäische Tradition der Auseinandersetzung mit eigenen geschichtlichen Traumata (Holocaust, Kommunismus, Kolonialismus) an Einwanderer und Jugendliche mit Migrationshintergrund vermittelt werden kann. Können aus europäischen "Negativgeschichten", aus Bezugspunkten eines "negativen Gedächtnisses" (Knigge), aus einer "Kultur des Schuldeingeständnisses" (Jeismann), Beiträge generiert werden, die zur Identifikation mit einem Europa einladen, das der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtet ist? Gibt es z.B. Konstanten innenpolitischer und außenpolitischer Theorie und Praxis (Antitotalitarismus, besondere Beziehungen zu Israel, Kritik des Nationalismus, Menschenrechtsorientierungen der Politik), die sich aus den "Negativgeschichten" herleiten lassen?

In einem zweiten Schritt wurde gefragt, wie "Minderheitengeschichten" zukünftig (und damit möglicherweise andere "Opfergeschichten") in das kollektive/öffentliche Gedächtnis und die Erinnerungskulturen europäischer Gesellschaften eingebracht werden können? Welche Konsequenzen für Didaktik und Pädagogik der politischen Bildung sind zu ziehen oder sind schon gezogen worden?

Fußnoten

1.
Zitiert in: Ute Frevert (Hrsg.), Geschichte bewegt, Hamburg 2006, S. 18
2.
Tony Judt, Die Geschichte Europas seit dem zweiten Weltkrieg, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 548, Bonn2006, S.966
3.
Harald Welzer, Der Holocaust im deutschen Familiengedächtnis, in: V. Knigge/N. Frei (Hrsg.) Verbrechen erinnern, Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 489, Bonn 2005, S. 377

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