Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion am 07.12.2015

Digitalisierte Geschichte im Projekt "Europeana 1989"

Wie funktioniert Historytelling in der Praxis? Die Werkstatt der bpb fragt nach.

Geschichte europaweit erfassen und der Bevölkerung frei zugänglich machen – das ist das Ziel der Europeana Foundation mit ihrem Projekt „Europeana 1989“.


Flagge, Europa, EUDie Europeana Foundation digitalisierte über 34 Millionen Dokumente. Lizenz: cc by-sa/2.0/de (MPD01605)

I Über die Europeana Foundation

Die Europeana Foundation sammelt digitales Material aus Bibliotheken, Archiven, audiovisuellen Archiven und Museen Europas und stellt es unter www.europeana.eu bereit. Das Gesamtprojekt umfasst mehr als 2.400 kooperierende Institutionen, die Website europeana.eu ist in 29 Sprachen zugänglich. Die Europeana möchte der Öffentlichkeit Zugang zu Europas kulturellem und intellektuellem Erbe ermöglichen: durch eine Suchmaschine, virtuelle Ausstellungen und Crowd-Sourcing-Aktionen. Sie wurde durch die Europäische Kommission als Stiftung ins Leben gerufen und wird von der EU und einzelnen Mitgliedsstaaten gefördert. Der Materialpool der Europeana ist seit 2008 auf 34 Millionen Dokumente und Kulturgüter angewachsen.


II Über das Historytelling-Projekt "Europeana 1989"

Kurzbeschreibung des Projekts

Die Europeana Foundation setzte das Projekt "Europeana 1989" von Januar 2012 bis Dezember 2014 um. Das Projekt befasst sich mit den politischen und sozialen Umbrüchen in Mittel- und Osteuropa zum Ende des Kalten Krieges. Europaweit wurden persönliche Geschichten, Fotos, Videos und Tonaufnahmen aus dem Jahr 1989 gesammelt und digitalisiert. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnerinstitutionen führte die Europeana in Polen, Litauen, Lettland, Estland, der Tschechischen Republik, Deutschland, Ungarn und Rumänien insgesamt 19 Aktionstage durch.

Was sind Ihre Zielgruppen?

Das Projekt richtet sich an alle Interessierten, die sich mit der jüngeren Zeitgeschichte, insbesondere der des Jahres 1989, auseinandersetzen wollen. Angesprochen sind Internetnutzer und -nutzerinnen europaweit: unmittelbare Zeitzeuginnen und -zeugen ebenso wie nachfolgende Generationen.

Nennen Sie drei Ziele Ihres Projektes

1. Ein Ziel des Projekts ist es, ein internationales Archiv für gegenwärtige und zukünftige Generationen zu schaffen, das zu Informations-, Forschungs- und Bildungszwecken genutzt werden kann: für jeden frei zugänglich und unter einer CC BY-SA-Lizenz weiter nutzbar.

2. Außerdem hat Europeana 1989 zum Ziel, grenzüberschreitend Geschichte(n) online zu erzählen bzw. Basismaterialien für weiterführende Erzählungen bereitzustellen.

3. Durch die Vernetzung von Erzählungen und Sammlungsobjekten aus dem europäischen Kontext soll der Prozess der (Wieder-)Vereinigung Europas greifbar gemacht werden.

Welche Rolle spielen digitale Strukturen und Tools in Ihrem Projekt?

Ohne digitale Strukturen und Tools wäre das Online-Projekt nicht umsetzbar. Mithilfe eines speziellen Storytelling-Werkzeugs (Historypin) werden die digitalisierten Erinnerungen auf einer Karte lokal verortet und dem Internetpublikum zugänglich gemacht.

Welche Herausforderungen tauchen bei Ihrem Projekt auf?

Die Herausforderungen des Projekts lagen zum einen in der Motivation der Teilnehmenden, ihre Erinnerungen zu "sichern" und öffentlich zugänglich zu machen, und zum anderen in der technischen Umsetzung. Im Vergleich zum Projekt Europeana 1914-1918 war die Beteiligung der Bevölkerung deutlich geringer. Außerdem stellten die Sprachenvielfalt und die Umsetzung der Storytelling-Plattform für das Projekt eine Herausforderung dar. Für die technische Umsetzung wurde daher auf die Internetplattform Historypin zurückgegriffen, auf der die gesammelten Erinnerungsstücke grafisch erfasst, vernetzt und leicht zugänglich gemacht werden. Zusätzlich wurden von Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern die erzählten persönlichen Geschichten aufgenommen und unter www.89voices.eu online gestellt.

Wo sieht sich das Projekt in einem Jahr?

Europeana 1989 ist ein fortlaufendes Projekt. Die Hauptphase lag zwischen 2012 und 2014, jedoch ist es immer noch möglich, Erinnerungsstücke auf der Website www.europeana1989.eu hochzuladen. In Deutschland steuerte das Projekt der Deutschen Kinemathek und der bpb „Wir waren so frei“ die dort in den letzten Jahren gesammelten Filme, Fotos und Geschichten zu "Europeana 1989" bei.

Ansprechpartner: Frank Drauschke, Facts & Files

Link: http://www.europeana1989.eu/de/

Creative Commons License

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