Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Maximilian Weis am 03.05.2017

Digitale Bildungskonzepte für die Schule von morgen

Bei der Frühjahrstagung 2017 der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft standen medienbezogene Bildungskonzepte für die Zukunft im Fokus. Die Werkstatt war am zweiten Tagungstag dabei, an dem neben technischen Entwicklungen vor allem auch die Kompetenzentwicklung Lehrender im digitalen Zeitalter diskutiert wurde.

Rückschau: Frühjahrstagung der DGfEDie Werkstatt der bpb unterwegs auf der DGfE-Frühjahrstagung 2017. (Fotograf: Maximilian Weis / bearbeitet / Lizenz CC BY-SA 4.0)

Am 9. und 10. März 2017 war die Frühjahrstagung der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) zu Gast an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Vertreterinnen und Vertreter der Medienpädagogik trafen sich hier, um sich aktuellen Themen und Entwicklungen im Bildungsbereich zu widmen. Die Frühjahrstagung stand dabei ganz im Zeichen "Digitaler Bildung" und "medienbezogener Bildungskonzepte für die nächste Gesellschaft".

Am zweiten Veranstaltungstag, den die Werkstatt begleitete, standen Fragen nach dem Wie, Wo und Wieso Digitaler Bildung im Fokus, nachdem Prof. Dr. Dirk Baecker der Universität Witten/Herdecke den Gästen im Rahmen eines Vortrags erläuterte, was unter "nächste Gesellschaft" überhaupt zu verstehen sei. Nach der mündlichen Sprache, der Einführung von Schrift und der Schritt in die Moderne bilde die Digitalisierung den Weg in diese nächste Gesellschaft.

Start in den Tag mit „Best Practice“

Der Tag begann mit einem Livestream aus der Schule Villa Wewersbusch, wo die Schülerinnen und Schüler rund um die Uhr Zugriff auf Notebooks und Tablets haben. Der Unterricht ist entsprechend mit Hilfe der Endgeräte gestaltet – das eigenverantwortliche Arbeiten an und mit den Geräten steht im Mittelpunkt. Der Livestream bot die Gelegenheit, neben den Räumlichkeiten und der Hardware-Ausstattung auch Schülerinnen und Schüler beim Lernen und Arbeiten kennenzulernen. Von Referaten über die Zeit der Weimarer Republik bis hin zu Deutschkursen arbeiten die Lernenden vor allem mit ihren mobilen Endgeräten. In den Klassenstufen fünf bis zehn gibt es praktisch keine Lehrbücher mehr. Vielmehr wird verstärkt auf Apps und Anwendungen gesetzt, die speziell für die Endgeräte der Schülerinnen und Schüler konzipiert sind. Das ermöglicht die Entwicklung neuer Lehr- und Lernformen, die mit der Abbildung bisheriger Methoden in digitaler Form (zum Beispiel mit PDFs von Schulbüchern) nicht realisierbar wären.

Technische Möglichkeiten – der Einsatz von Tablets und Augmented Reality

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien und Technik wurden im Rahmen eines "World Cafés" dargestellt. An verschiedenen Stationen konnten die Teilnehmenden zahlreiche heutige und zukünftige Einsatzmöglichkeiten und -formen digitaler Medien und Endgeräte kennenlernen. Vom Einsatz von Augmented Reality für verschiedene Unterrichtsformen bis hin zu unterschiedlichen Lern- und Spiele-Apps erklärten die Ausstellenden, was bereits möglich ist und was vielleicht bald Realität in Lehrmethoden-Forschung und Lehre werden könnte. Besonders interessant war hierbei ein gemeinsames Projekt der Universitäten Lübeck und Hannover, die ein Tablet-basiertes Rechtschreibtraining speziell für Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche entwickeln. Eine Herausforderung stellt hierbei besonders die Handschriftenerkennung dar. Ein kindgerechter Aufbau, individuelles Lernen und die Erkennung eigener Fehlerschwerpunkte sollen Stärken des Programms werden, das in ersten Tests bereits positive Ergebnisse aufweisen konnte.

Im Tagungsblock „Schuleinblicke“ wurden u. a. die Unterrichtsmöglichkeiten von „Google Expeditions“ vorgestellt. Der kommerzielle Suchmaschinen- und Technologieanbieter engagiert sich seit einiger Zeit verstärkt im Bildungsbereich und passt seine Dienste für Nutzungsszenarien in diesem an. Bei „Expeditions“ können sich Schülerinnen und Schüler mithilfe des eigenen Smartphones, das durch ein Karton-Produkt von Google zur 3D Seite 3 /4-Brille umfunktioniert wird, weit entfernte Orte wie das Great Barrier Reef in Australien oder ein Basislager auf dem Mount Everest anschauen und erkunden – vom eigenen Klassenzimmer aus und in der 360°-Rundumsicht. Die „Expeditions“ werden hierbei beispielsweise von einer Lehrkraft geleitet, die mit dem eigenen Endgerät auf bestimmte Punkte innerhalb der Landschaft aufmerksam machen kann. Wichtiger Knackpunkt hierbei ist wiederum neben der Verfügbarkeit der technischen Endgeräte vor allem eine stabile Wifi-Verbindung. Die Nutzung der App ist jedoch unabhängig vom Betriebssystem und von dem Besitz eines Google-Accounts.

Augmented Reality-Anwendungen wie Google Expeditions stehen in der Entwicklung noch sehr am Anfang. Neben wünschenswerten technischen Weiterentwicklungen wie das Verwenden von 3D-Videos statt 360°-Bildern sollte vor allem eine sinnvolle didaktische Aufarbeitung und Einbindung in den Unterricht im Fokus stehen. Neben Reisen an verschiedene Orte der Erde ist es mit der Google-App zum Beispiel auch möglich, sich ein 3D-Modell des Herzens anzuschauen. Statt einer Nutzung des digitalen Angebots im Unterricht um jeden Preis sollten sich die Lehrenden aber von Fall zu Fall kritisch fragen, welchen Mehrwert es tatsächlich bietet und inwieweit andere Alternativen didaktisch mindestens ebenso wertvoll sind, in diesem Beispiel die Betrachtung eines Kunststoffherzens.

Lehrendenausbildung – analog und digital

Zum Thema Lehrendenausbildung standen in verschiedenen Vorträgen vor allem Fragen der Medienkompetenz und deren Platz in der Ausbildung im Vordergrund. Der zunehmende Einsatz von digitalen Medien in allen Lebensbereichen würde in der Ausbildung nicht adäquat berücksichtigt. Die Frage nach der Medienkompetenz der Lehrerinnen und Lehrer, also den persönlichen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Medien, stand hierbei ebenso zur Diskussion wie mediendidaktische Kompetenzen, die sich vor allem auf die Vermittlungs- und Lehrfähigkeiten der angehenden und ausgebildeten Lehrkräfte bezieht. Ständige Weiterbildungen stellen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Digitalen Bildung dar.

Schlaglichter und Impulse – ein Rückblick

Neben den Potenzialen kristallisierten sich im Zuge der Tagung vor allem die Herausforderungen heraus, die die Digitalisierung im Bildungsbereich mit sich bringt. Besonders die erfolgreiche didaktische Aufarbeitung und der gekonnte und vor allem sinnvolle Einsatz neuer Medien und Technologien in der Lehre standen hierbei im Fokus. Digitalisierung müsse mehr sein als die bloße digitale Bereitstellung der bereits analogen Lernmedien. Es müsse zudem evaluiert und erforscht werden, inwiefern sich die Digitalisierung des Lehrens und Lernens auf Klassenführung und Klassenklima auswirke und wie diese Auswirkungen auch unmittelbar Einzug in die Ausbildung neuer und die Weiterbildung bereits ausgebildeter Lehrkräfte finden könne und müsse.

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