Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion am 01.06.2016

Fachtagung "Migration – Integration: Schule gestaltet Vielfalt

Ende Mai 2016 fand in Bonn die zweitägige internationale Fachtagung "Migration – Integration: Schule gestaltet Vielfalt" statt. Eingeladen hatte der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz. Die Werkstatt war vor Ort und fasst einige Eindrücke zusammen.

Fachtagung "Migration – Integration: Schule gestaltet Vielfalt"Kernbestandteil des finnischen Strategiekonzeptes für "Integration an der Schule" sind Lehrerfortbildungen (Gerald / bearbeitet / pixabay / Lizenz CC0)

Mal wieder die Finnen
Ein Vertreter aus Finnland (in diesem Fall Raimo Salo, Finland School of Education) stellte das finnische Strategiekonzept für "Integration an der Schule" vor. Kernbestandteil sind Lehrerfortbildungen: Lehrende sollen gezielt qualifiziert werden für die Arbeit mit heterogenen Schulklassen und insbesondere mit Schülerinnen und Schülern mit Migrations- und Fluchthintergrund. Wesentliches Merkmal des Konzepts ist, dass den Lehrenden mehr Zeit für Kollaboration und Austausch untereinander eingeräumt werden soll. Ebenso wichtig sind individualisierte Bildungspläne. In Finnland sollen alle Schülerinnen und Schüler – unabhängig von ihrer Herkunft und vom Sprachniveau – bereits an Musik, Sport, Handwerkunterricht etc. teilnehmen, um die Sprache zu erlernen.

Sirius Network
Das EU-finanzierte Sirius Netzwerk präsentierte eine Agenda mit einer Reihe von Feststellungen und Empfehlungen zum Thema vielfältige Schulen, die wir hier in Auszügen wiedergeben:
  1. Vollständiger Zugang zu hochqualitativer Bildung und Berufstraining in inklusivem Rahmen
  2. Lernzentrierter Ansatz
  3. Gemischte Schulen und Klassenräume erlauben Lernenden aus verschiedenen sozio-ökonomischen und ethischen Hintergründen, zusammen zu lernen
  4. Schulleiter/-innen benötigen eine formale Ausbildung, um Diversität als einen Gewinn zu bewerten und die professionelle Entwicklung ihrer Angestellten zu ermöglichen
Die Studie ist hier zu finden.

Migrationssensible Schulentwicklung
Prof. Marc Thielen, Uni Bremen, erläuterte in seinem Vortrag, dass "migrationssensible Schulentwicklung" in erster Linie eine Anpassung der Institution Schule in den Bereichen Strukturen, Methoden, Curricula und Umgangsformen an die Herausforderung Migration erfordert. Alle Schülerinnen und Schüler sollen, unabhängig von ihrem Status, Stammschülerinnen und -schüler sein. Für Thielen sind dabei folgende Aspekte für das Arbeiten mit Geflüchteten in der Schule wichtig:
  1. (Noch immer) fehlende Routinen

    Die Migrations- und Fluchtbewegungen richten sich nicht nach dem Schulrhythmus bzw. einem einheitlichen Schulstart im August oder September eines Jahres. Gleichzeitig ist auch der Seiteneinstieg in das deutsche Schulsystem keine einmalige Ausnahmeerscheinung (z. B. Gastarbeiterkinder der 1970er-Jahre). Dennoch wird die Wahrnehmung von Migration auf vielen Ebenen immer noch als Sonderfall betrachtet. Die Konsequenz ist, dass i. d. R. keine und/oder keine aktuellen Materialien vorliegen. Das Konzept der Willkommensklassen stelle per se auch immer nur eine provisorische Lösung dar.

  2. Klärung der Zuständigkeiten für die neu eingewanderten Lernenden

    Lehrkräfte des Regelbetriebs fühlen sich nur eingeschränkt zuständig für die neuen Schülerinnen und Schüler. Zudem werden die Neuankömmlinge oft als defizitär wahrgenommen, die Kompetenz der Vielsprachigkeit wird nicht gesehen. Insgesamt herrsche an Schulen oft ein Gefühl der Belastung und Zumutung, eine nachhaltige, dauerhafte Integration der neuen Schülerinnen und Schüler wird in Frage gestellt.

  3. Notwendige Beiträge von Lehrkräften sollen Zugehörigkeitserfahrungen ermöglichen

    Das Ziel, so Thielen, solle eine gleichberechtigte Teilhabe der geflüchteten Schülerinnen und Schüler am Regelsystem sein. Die Unterrichtsgestaltung solle sprachsensibel gestaltet werden, so dass alle daran teilhaben können. Konkret könnten Texte sprachlich entlastet und verstärkt mit Bildern kombiniert werden. Standardmaterialien sollten in Bezug auf die Eignung überprüft, ihre Methodik und Didaktik zielgruppengerecht aufbereitet werden. Kurz: Es bedarf einer Reflexion der (bisherigen) Unterrichtsdidaktik.

  4. Interkulturelle Kompetenz
    Der Umgang mit Kultur und Kulturbegrifflichkeiten sollte reflektiert und sorgfältig eingesetzt werden. Wichtiges Ziel ist dabei, offensiv gegen Rassismus und Diskriminierung im Schulalltag vorzugehen. Ein Weg könne sein, Flucht und Migration bzw. die Ursachen von Flucht als Thema für alle Lernenden zu behandeln.

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